Wahre Weisheit

Impuls zum Sonntagsevangelium am 32. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 6. November 2011 (ZENIT.org). - Das Kirchenjahr geht langsam seinem Ende zu, und auch die Liturgie der Kirche erinnert in den Texten der Hl. Messe immer wieder an das, was für den einzelnen Menschen am Ende steht. Womit der Mensch am Ende seines irdischen Lebens zu rechnen hat, ist ihm theoretisch bekannt. Der Herr aber erinnert als guter Pädagoge in immer wieder neuer Form an das Bekannte. So auch heute im wunderbaren Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen. Wunderbar, weil es sich, wie so manches andere Gleichnis, großartig einprägt. Fragen Sie einen Menschen unserer Zeit, ob er weiß, was die Letzten Dinge sind. Es wird ihm nicht so leicht einfallen wie die Geschichte von den klugen Jungfrauen.

Den kulturellen Hintergrund wird man nicht so ohne weiteres präsent haben. Dass bei einer großen Hochzeit zahlreiche Jungfrauen dem Brautpaar das Geleit geben, ist heute wohl nicht üblich, aber doch irgendwie nachvollziehbar. Unerlässlich, dass jede von ihnen ein Lämpchen trägt, und außerdem dass das Lämpchen brennt. Ob sie im eigentlichen Sinne Jungfrauen sind, ist hier nicht das Thema. Sie repräsentieren die Menschen – Männer wie Frauen – die an Christus glauben und ihn begleiten wollen. Und gerade hier erhebt sich die entscheidende Frage: gehen sie eine gewisse Zeit mit ihm oder sind sie beständig in ihrer Beziehung zum Herrn? Die Öllämpchen sind natürlich symbolisch gemeint. Sie stehen für die Notwendigkeit, dass der Christ nicht nur gelegentlich, sondern auf Dauer zu Christus hält. Dass sein Licht nicht ausgeht. Dazu muss der Lampe seines Glaubens immer wieder Energie zugeführt werden. Heute wie zu allen Zeiten gibt es Christen, die im Glauben lau und in ihrem christlichen Leben schlapp geworden sind. Sie fragen sich dann: wieso stehe ich im Glauben nicht mehr so fest wie früher einmal? Warum habe ich das alles früher so viel ernster genommen und jetzt nicht mehr? Habe ich etwa jetzt eine größere Reife, eine tiefere Erkenntnis über die Relativität der Glaubensinhalte? Nein. Die Antwort muss lauten: mein Glaube ist schwach und dunkel geworden, weil ich ihm keine Nahrung – kein Öl – zugeführt habe. Der Glaube ist wie ein lebendiger Organismus. Er verhungert, wenn er nicht genährt wird mit dem Gebet und dem Empfang der Sakramente. Umgekehrt: wenn ich regelmäßig bete, geht es meinem Glauben gut. Hier wäre ein konkreter Vorsatz fällig, wenn ich am Ende nicht draußen vor der Tür stehen will.

Die 1. Lesung des heutigen Sonntags benennt das, was solche Vorsätze möglich macht, die Weisheit. Seltsamerweise erscheint sie hier – im Buch der Weisheit – als eine Person. Dabei geht es nicht nur darum, dass der Mensch sich um die Weisheit bemüht. Sie selber „geht umher, um die zu suchen, die ihrer würdig sind; freundlich …kommt sie jenen entgegen, die an sie denken”.

Diese personifizierte Weisheit, die Sophia, ist oft als eine Vorbedeutung auf Maria hin gedeutet worden. Ohne auf diese theologische Frage näher eingehen zu wollen, ist es sicher richtig, in Maria die liebenswürdige Helferin zu sehen, die sogar auf uns zugeht, um uns zu tieferen Erkenntnissen und zu wirksamen Vorsätzen, was unser inneres Leben betrifft, zu verhelfen.

Nennen wir es Treue, nennen wir es Beharrlichkeit, oder nennen wir es in der eingängigen Sprache des Gleichnisses: „Öl in Krügen”. Reihen wir uns nicht ein in die große Schar der „Törichten”, die vom Bräutigam zwar angetan sind, ihn aber nicht wirklich lieben!

Ein Heiliger unserer Zeit hat das in einem lesenswerten Büchlein so formuliert: „Anfangen tun alle; ausharren – die Heiligen” und ganz am Schluss: “Was das Geheimnis der Beharrlichkeit sei? Die Liebe. – Verliebe dich, und du wirst ihn nicht lassen!” (J. Escrivá, „Der Weg” 983 und 999)

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.