Wann soll die Osterkerze ausgelöscht werden?

P. Edward McNamara beantwortet Fragen von Gläubigen

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ROM, 9. Juni 2011 (Zenit.org). - Fragen von Gläubigen in dieser Reihe beantwortet Pater Edward McNamara LC, Professor für Liturgie am päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom.

Frage: Vor einigen Jahren gab ein besonderer Enthusiast im Kalender des diözesanen Jahrbuchs offensichtlich für alle drei walisischen Diözesen die Anweisung, die Osterkerze am Fest Christi Himmelfahrt auszublasen und weiterhin unangezündet während der Pfingstnovene im Altarraum stehen zu lassen. Diese Bestimmung wurde nie wiederholt, hat aber fortwährend Verwirrung gestiftet. Ist diese Handhabung richtig, ist sie optional oder ist sie eine schlecht erdachte Symbolik für die Abwesenheit des Herrn, der immer gegenwärtig ist? Wir wären für Ihren Rat sehr dankbar. - SM, Hawarden, Wales.

Antwort: Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Anregung auf einen Brauch der außerordentlichen Form der Liturgiefeier zurückgeht, bei dem die Osterkerze nach dem Evangelium während der Hauptmesse an Christi Himmelfahrt ausgeblasen wird.

In diesem rituellen Kontext symbolisiert die Kerze die Anwesenheit des auferstandenen verherrlichten Christus. Es ist von daher logisch, dass bei der außerordentlichen Form die Kerze an Christi Himmelfahrt ausgelöscht wird.

Die Rubriken der außerordentlichen Form sehen im Gegensatz zu der Angabe des oben genannten Kalenders die Entfernung der Kerze aus dem Altarraum nach jener Messe vor. Die Angabe, die Kerze bis Pfingsten unangezündet dort zu belassen, scheint ein Versuch zu sein, den früheren Brauch mit den klaren Anweisungen der jetzt bestehenden Rubriken, wonach die Kerze bis Pfingstsonntag verbleiben soll, in Einklang zu bringen.

In der Tat sehen die gegenwärtigen Rubriken eine viel breitere Verwendung der Osterkerze im Laufe des Jahres vor als die außerordentliche Form. In der letztgenannten Form beschränkt sich die Verwendung der Kerze auf besondere Feierlichkeiten während der 40 Tage zwischen Ostern und Christi Himmelfahrt. Auch während dieser Zeit wird sie nicht bei Messfeiern für Verstorbene und anderen Messen, die ein violettes Gewand erfordern, wie Fürbittmessen, verwendet.

Im Hinblick auf die ordentliche Form heißt es im Rundschreiben über die Feier von Ostern: „Die Osterkerze hat ihren Platz entweder neben dem Ambo oder neben dem Altar; sie wird zumindest zu allen größeren liturgischen Feiern der Osterzeit angezündet, sei es Messe, Laudes oder Vesper, bis zum Pfingstsonntag. Danach wird sie in der Taufkapelle ehrfürchtig aufbewahrt, und bei Tauffeiern werden an ihr die Taufkerzen angezündet. In Messfeiern für Verstorbene am Begräbnistag soll die Osterkerze an den Sarg gestellt werden, zum Zeichen, dass der Tod des Christen sein persönliches Pascha ist. Außerhalb der Osterzeit darf die Osterkerze nicht angezündet werden und auch nicht im Altarraum stehen.“ (Kongregation für den Gottesdienst, Rundschreiben „Über die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung“, Nr. 99, Januar 1988)

Dieser erweiterte Gebrauch erklärt auch, warum in den meisten Gemeinden die Norm, die Osterkerze jedes Jahr zu erneuern, auch eine praktische Notwendigkeit ist. Die außergewöhnliche Form ist weniger anspruchsvoll in diesem Punkt.

Der Hinweis, die Kerze „wenigstens zu allen größeren liturgischen Feiern“ der Osterzeit anzuzünden, bedeutet, dass es nicht erforderlich ist, sie bei allen Messen und gemeinschaftlichen Feiern des Stundengebets anzuzünden. Diese Möglichkeit ist jedoch nicht ausgeschlossen, vor allem nicht für Gemeinschaften wie Seminare und Ordenshäuser, die regelmäßig die Liturgie mit einer gewissen Feierlichkeit begehen, wo aber Taufen und Beerdigungen selten gefeiert werden.

[Übersetzung aus dem Englischen von Iria Staat]