Warum ein neuer Kurs über Exorzismus und Satanismus Sinn macht

Interview mit dem italienischen Journalisten Carlo Climati

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ROM, 15. September 2005 (ZENIT.org).- Das Interesse für Satanismus ist ungebrochen. Deshalb bietet die in Rom angesiedelte Päpstliche Universität "Regina Apostolorum" in Zusammenarbeit mit dem sozio-religiösen Forschungs- und Informationszentrum GRIS einen Lehrgang über "Exorzismus und Befreiungsgebet" an, der ab 13. Oktober zum insgesamt zweiten Mal stattfindet.



Um die Ziele und Hintergründe dieses Kurses besser zu verstehen, sprach ZENIT mit dem italienischen Journalisten Carlo Climati, der diese Thematik eingehend untersucht hat und selbst zu den Vortragenden gehört.

ZENIT: Warum organisiert man einen zweiten Kurs über Exorzismus und Satanismus?

Climati: Weil es einen großen Bedarf gegeben hat, wie es die zahlreichen Bitten und Anfragen aus allen Teilen der Welt zeigen, die bei uns eingegangen sind. Der zweite Kurs wird vom 13. Oktober 2005 bis zum 9. Februar 2006 stattfinden, mit einer Pause von Mitte November bis Mitte Januar.

Der Lehrgang steht Priestern und allen Studenten offen, die ein fertiges Theologisstudium vorweisen können und sich außerdem auf das Priestertum vorbereiten. Man kann am Kurs auch mittels Videokonferenz teilnehmen. Zuschaltungen gibt es in Bologna, Perugia, Assisi, Maddaloni sowie in verschiedenen anderen Städten auf der ganzen Welt.

ZENIT: Was ist an dieser zweiten Ausgabe des Satanismus-Kurses neu?

Climati: Neben den Professoren, die bereits beim ersten Kurs dabei waren und die nun alle wieder verpflichtet werden konnten, werden Erzbischof Angelo Comastri, Generalvikar des Papstes für den Vatikanstaat, sowie Bischof Andrea Gemma FDP von Isernia-Venafro an der Eröffnungssitzung teilnehmen. Zudem haben mehrere Exorzisten ihr Kommen für die Abschlusssitzung zugesagt.

ZENIT: Wie beurteilen Sie im Nachhinein den ersten derartigen Kurs, der in Rom veranstaltet worden ist?

Climati: Er war meines Erachtens sehr gelungen. Insgesamt gab es 127 Teilnehmer aus Österreich, Deutschland, der Slowakei, Italien, Afrika, Mexiko, Brasilien und den USA. Sehr geschätzt wurde vor allem der interdisziplinäre Charakter, der den Kurs geprägt hat. Er machte eine Gesamtschau möglich, in der natürlich auch der wissenschaftliche Standpunkt nicht zu kurz kam. Zweifellos wollte der Kurs unter anderem auch von einem oberflächlichen und sensationalistischen Zugang zu diesem äußerst schwierigen und heiklen Thema wegführen.

ZENIT: Trug das große Echo in der Medienberichterstattung zum Erfolg bei?

Climati: Ganz sicher. Überall sprach man in Zeitungen und Zeitschriften, Radio und Fernsehen über unsere Initiative, und man hat das auf eine sehr korrekte, ausgewogene Weise getan, wie sie dem Geist des Kurses entsprach. Wir sind allen Journalisten aufrichtig dankbar dafür, dass sie den Kurs bekannt gemacht haben, und für die Ernsthaftigkeit, die sie in ihrer Berichterstattung an den Tag gelegt haben.

ZENIT: Welche Ziele verfolgt der neue Satanismus-Kurs, der im Oktober beginnen wird?

Climati: Neben dem Thema Exorzismus wird man sich eingehend mit dem Problem des Satanismus und dem der Sekten auseinandersetzen. Dieser neue Kurs soll den Priestern ganz konkrete und nützliche Hilfsmittel geben, damit sie bei ihrer seelsorglichen Tätigkeit informieren und den Familien wirklich helfen können.

Einige Vorfälle, die in jüngster Vergangenheit durch die Medien gingen, sind Alarmglocken, damit man dieses noch immer unterschätzte Problem, das steigende Interesse für den Satanismus vor allem bei den Jugendlichen, ernst nimmt. Wenn der Priester eine gute Formung erhalten hat, dann kann er hier einen ganz entscheidenden Beitrag leisten.

ZENIT: Wie würden Sie das Phänomen des Jugendsatanismus beschreiben?

Climati: Jugendsatanismus ist zuerst einmal "hausgemachter" Satanismus. Immer mehr Jugendliche geben zu, dass für sie eine düstere, schwermütige Welt und sogar die Teufelsanbetung einen ganz besonderen Reiz hat. Auf viele von ihnen scheinen Schatten eine größere Faszination auszuüben als das Licht.

"Hausgemachter" Satanismus ist noch gefährlicher als Sekten. In Wirklichkeit kann man eine Sekte verhältnismäßig leicht aufspüren und dann unter Kontrolle bringen. Aber die Unternehmungslust von drei oder vier Jugendlichen gerät schnell außer Kontrolle. Meistens kann man erst einschreiten, wenn es schon zu spät ist.

Aus diesem Grund ist es notwendig, den Familien die nötigen Informationen zukommen zu lassen. Darin kann der Priester eine entscheidende Rolle spielen und schon im Vorfeld wertvolle Vorbeugemaßnahmen anbieten.