Warum ein roter Hut in der Höhle des hl. Hieronymus?

Spannende Einblicke in die Geheimnisse des Päpstlichen Hofes

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Von Jan Bentz

ROM, 2. Februar 2012 (ZENIT.org). – Seit wann werden Kardinäle kreiert? Welche Kleidung müssen Gäste bei der Kardinals-Kreierung  tragen? Welche Vorschriften gibt es für die Zeremonie? Dies sind nur einige Fragen, die besonders mit dem bevorstehenden, von Papst Benedikt XVI. einberufenen Konsistorium nicht nur einen Katholiken interessieren könnten. Aber nicht nur alles über das Kardinalat, sondern auch zeremonielle und wichtige Details über Selig-und Heiligsprechungen, die Einsetzung und Feier der Heiligen Jahre („Jubeljahre“) in der Geschichte der Kirche in Verbindung mit den gewährten Ablässen, Ehrengeschenke an den Papst, Audienzen mit dem Heiligen Vater und die Zeremonie beim Tod und der Beisetzung eines Papstes werden im zweiten Band von „Liturgien und Zeremonien am Päpstlichen Hof“ von Ulrich Nersinger unter die historische und gläubige Lupe genommen.

In seinem zweibändigen Werk epochaler Forschung widmet sich der bekannte und renommierte Historiker Ulrich Nersinger Themen, die schon seit langer Zeit in Vergessenheit zu geraten schienen. Der erste Band brillierte mit aufschlussreichen Forschungen und lebendiger Darstellung des Päpstlichen Hofs, der an ihm beheimateten  Würden und Zeremonien, der Päpstlichen Kapelle, dem Päpstlichen Adel, der Papstwahl, der Krönung und der feierlichen Papstmessen. Die eindringlichen Erklärungen  werden durch zahllose Bilder veranschaulicht und sind mit Namenslisten der wichtigsten Persönlichkeiten des päpstlichen Hofes und einer umfangreichen Bibliographie versehen, die weitergehendes Studium erleichtert.

Vor allem durch die Änderungen bei der Zeremonie der Kardinalskreierung (ZENIT berichtete) wurde vielleicht der eine oder andere, auch unter den Gläubigen und kirchlichen Würdenträgern, auf die Geschichte und die Zeremonien rund um die rotgewandeten Kirchenfürsten aufmerksam und kann sich zur weiteren Vertiefung vertrauensvoll dem zweiten Band dieses Forschungswerkes zuwenden.

Kein Detail der umfangreichen und hochkomplizierten Riten rund um das Papstamt und die Kirchenfürsten, die Kardinäle, wird außer Acht gelassen: Wer sind die Bannerträger der Römischen Kirche? Was ist ein Hostienross? Warum tragen Kardinäle rot? Welche Bedeutung haben ihre Insignien? Was kostete die Ausstattung eines Kardinals für gewöhnlich?
Der Leser erhält die Antworten auf diese und zahllose weitere Fragen nicht nur historisch erklärt und belegt mit zahlreichen Quellenangaben, sondern diese sind in den größeren Glaubenskontext eingefügt und werden in der Gesamtheit der katholischen Kirche erklärt.

Somit stillen die Nachforschungen nicht „nur“ den historischen Wissensdurst, sie wirken auch erbaulich für den Leser, dem ein Zugang zu den Symboliken und Bedeutungen geboten wird, den nur der Glaube geben kann. Zudem bietet das Werk eine Sammlung teils sehr seltener, prachtvoller Fotos. Sie illustrieren die Schönheit des in der Materie „inkarnierten“ Glaubens und seiner Ausdrucksformen in  den Zeremonien der Kirche.

Wenn man sich einmal mit einigen der historischen Insignien der Kardinäle vertraut gemacht hat- wie dem „galerus“, einem, breitrandigen roten Hut-, dann erschließen sich ganz nebenbei auch Aspekte aus der Welt der Kunst. Man wird fortan Kardinäle auf berühmten Gemälden erkennen können und muss sich nicht mehr wundern, warum beispielsweise bei der Darstellung  der Höhle des hl. Hieronymus in Jerusalem ein roter Hut „am Haken“ hängt.

Der rote Talar wurde bereits im 13. Jahrhundert approbiert, das rote Birett erst im 15. Jahrhundert. Alle Päpste haben die Kardinäle daran erinnert, dass der Purpur ihrer Bekleidung sie an das Martyrium für die Kirche Christi erinnern und mahnen soll. Das Rot findet sich auch im Saphir wieder, der den Ring eines Kardinals schmückt. Die Gravur des Papstwappens in dem Stein erinnert an die „Kreatürlichkeit“ des Kardinals und seine Abhängigkeit vom Papst.

An Karfreitagen durfte dieser Ring nicht getragen werden. Das Brustkreuz, das zunächst nur den Kardinälen vorbehalten war, die auch die Bischofsweihe empfangen hatten, wurde erst unter Pius X. (1905) allen Kardinälen zugestanden.

Ob sogar der ein oder andere zukünftige Kardinal zu diesem Buch greifen wird, um sich der Vollständigkeit seiner Ausstattung zu vergewissern?

Buchtipp:
NERSINGER, Ulrich
Liturgien und Zeremonien am Päpstlichen Hof, Bd. 2
Nova et Vetera, Bonn 2011