Warum laufen wir und wohin laufen wir?

Redebeitrag von Bischof Petro Herkulan Malchuk OFM, Bischof von Kyiv-Zhytomyr (Ukraine)

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VATIKANSTADT, 19. Oktober 2012 (ZENIT.org). - Während der 15. Generalkongregation der Bischofssynode am Dienstag, dem 17. Oktober, sprach Bischof  Petro Herkulan Malchuk über die Aufgabe des Neuevangelisierers als „Vorbereiter“ der Bekehrung durch Christus. Johannes der Täufer sei Beispiel und Modell der neuen Anstrengungen für die Evangelisierung.

[Wir veröffentlichen den zusammengefassten Redebeitrag in einer Arbeitsübersetzung des Heiligen Stuhls:]

Es gibt ein östliches Sprichwort, das lautet: Wenn du rennen musst, dann musst du zwei Dinge wissen: wohin du rennen musst und warum du rennen musst.

Aber wer ist der Evangelisierer? Warum muss er evangelisieren, und was will er erreichen?
Der heilige Johannes der Täufer, der Vorläufer, der das Volk auf die Begegnung mit dem Messias vorbereitet hat, lässt uns erkennen, dass diese Begegnung nur in einer Situation der Wahrheit stattfinden kann, der einzigen, die uns verstehen lässt, wer der Mensch ohne Gott ist, was ein Volk ist, das Gott und seine Gebote beiseiteschiebt: eine verdorbene Generation! Und auf die Frage: Was müssen wir tun?, antwortet Johannes: Bereut und bekehrt euch! Demnach offenbart sich in einer Gemeinschaft, die bereut und sich um Bekehrung bemüht, der Herr. Seht das Lamm Gottes, den Retter der Welt, ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Und als sie dieses Wort hörten, folgten Andreas und Johannes, die Jünger des Täufers, Jesus, und auf die Frage des Messias - Was sucht ihr? -, antworteten sie mit der Frage, wo er wohne; der Herr lud sie ein, ihm zu folgen, und an diesem Tag blieben sie bei ihm.

Der Täufer, der seine Sendung vollbracht hat, sagt mit tiefer Genugtuung: meine Freude ist erfüllt. neDie Begegnung des Bräutigams mit seiner Braut ist geschehen. Den Rest wird der Messias tun, Christus.

Das ist die Daseinsberechtigung eines Evangelisierers: denjenigen, der Jesus sucht, auf die Begegnung mit Ihm, vorzubereiten und ihn dabei zu begleiten. Genau dies tat Andreas: Er führte seinen Bruder sofort zum Messias und sagte ihm, dass er dem begegnet sei, den sie seit Jahrhunderten erwarteten. Die Begegnung mit dem lebendigen Gott ist eine ganz neue, verwandelnde Erfahrung, die alles an seinen Platz rückt und die Wirklichkeit vollkommen auf den Kopf stellt. Sofort entsteht das Bedürfnis, eine Wirklichkeit zu verkünden, die mit Freude erfüllt, die befreit und rettet. Johannes, der Evangelist wird sich an diese seine erste Begegnung mit dem Meister das ganze Leben lang erinnern: als er das Evangelium schrieb, war er über neunzig Jahre alt; diese Begegnung bezeichnete den Beginn eines neuen Tages.
Da die neue Evangelisierung uns persönlich betrifft, schlage ich vor, bei jeder Evangelisierung zwei Aspekte hervorzuheben:

- das Sakrament der Beichte, denn wo man die Beichte vernachlässigt, stirbt das geistliche Leben;

- eine angemessene Organisation der Ausbildung der Priesteramtskandidaten: man muss sie von der säkularen Welt trennen, um ihnen zu ermöglichen, zusammenzusein wie im Abendmahlssaal, solange der Herr Sein Werk in ihnen vollbringt