Warum Mission? Weil das Evangelium „Geschenk für die anderen“ ist

Papst Benedikt XVI. beleuchtet Gestalt und Werk des heiligen Beda Venerabilis

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ROM, 18. Februar 2009 (ZENIT.org).- Keiner besitzt das Evangelium nur für sich selbst; immer ist es auch Geschenk für die anderen. Diesen Gedanken formulierte Papst Benedikt XVI. heute, Mittwoch, bei der Generalaudienz in Rom. Und er fügte hinzu, dass die Kirche deshalb verpflichtet sei, das Wort Jesu in die Welt hinauszutragen.



Der Heilige Vater setzte heute Vormittag seine Katechesen-Reihe über die großen Kirchenschriftsteller des Mittelalters fort, indem er den heiligen Beda Venerabilis und sein umfangreiches Werk in den Blick nahm. Die siebte Generalaudienz dieses Jahres fand aufgrund des großen Andrangs zum ersten Mal wieder auf dem Petersplatz statt. Mehr als 20.000 Pilger und Besucher hatten sich bei strahlendem Sonnenschein und eisigem Wind versammelt: „Es ist kalt, aber wenigstens regnet oder schneit es nicht, somit müssen wir dankbar sein“, kommentierte der Papst.

Der englische Mönch Beda der Ehrwürdige (672-735) verbrachte sein Leben in einem Benediktinerkloster, wie der Papst erläuterte. Seine Eltern hatten ihm im Alter von sieben Jahren zur Erziehung dorthin geschickt. Die Lehre Bedas und die Berühmtheit seiner Schriften hätten zu Freundschaften mit bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit geführt. Beda sei der Verfasser zahlreicher theologischer Werke und Bibelkommentare. Diese habe er geschrieben, „um die Gläubigen dazu zu erziehen, die heiligen Geheimnisse in Freude zu feiern.“

Die Bibel sei der ständiger Bezugspunkt der theologischen Überlegungen des Gelehrten gewesen, so Papst Benedikt. Beda kommentiere die Heilige Schrift, indem er sie in einem christologischen Schlüssel lese. Dabei achte er aufmerksam auf das, was der Text sage, und er lese sie aus der Überzeugung heraus, dass die einzige Weise, um die Schrift zu verstehen, darin bestehe, Christus als Schlüssel zu haben.

Beda habe die ersten sechs ökumenischen Konzile und deren Entwicklungen festgehalten und so eine Christologie und Mariologie vorgelegt. Gleichzeitig habe er die monophysitische und neopelagianische Häresie zurückgewiesen. Ihm sei die Chronologie zu verdanken, die zur Grundlage des noch heute gültigen universalen Kalenders geworden sei. Bis zu jener Zeit nämlich sei die Zeit ab der Gründung Roms berechnet worden. Beda hingegen habe erkannt, dass Christus der wahre Mittelpunkt der Geschichte sei und so die heute gültige Zeitrechnung geschaffen. Benedikt XVI. erwähnte Beda auch als Verfasser des Werkes „Historia ecclesiastica gentis anglorum”, das ihm den Ruf eingebracht habe, der Vater der englischen Geschichtsschreibung zu sein.

Mit einem Blick auf Bedas Werk erinnerte der Papst die Teilnehmer der Generalaudienz an die Ermahnung an die geweihten Personen, sich auch um das Apostolat zu kümmern - weil das Evangelium immer „Geschenk für die anderen“ sei. Das sollte sie dazu veranlassen, sich für die Mission unter den Heiden zur Verfügung zu stellen, „als Pilger außerhalb ihres Landes“. Beda habe betont, dass Christus eine arbeitsame Kirche wolle, die sich unermüdlich für die Evangelisierung einsetze.

Die Kirche solle sich nach Worten Bedas darum mühen, andere Felder und Weinberge umzuackern und unter den neuen Völkern keine provisorische Hütte errichten, sondern ein festes Haus. Das Evangelium müsse in die bestehenden Traditionen und Kulturen eingefügt werden, so dass es die gesamte Gesellschaft durchdringen könne.

Mit seinem Werk habe Beda entscheidend zum Aufbau des christlichen Europas beigetragen. „Beten wir darum“, so Benedikt XVI. am Ende seiner Katechese, „dass es auch heute Persönlichkeiten wie Beda den Ehrwürdigen gebe. Und wir selbst wollen bereit sein, unsere christlichen Wurzeln neu zu entdecken und so zum Aufbau eines christlichen und somit zutiefst menschlichen Europas zu werden.“