Was bedeutet meine Taufe? Bischof Mixa über die erweiterte Taufpastoral

Hirtenwort zur österlichen Bußzeit 2007

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AUGSBURG, 10. März 2007 (ZENIT.org).- „Durch die Wirklichkeit der Taufe in unserem Leben ist ein jeder von uns berufen, missionarisch und bekennend Christ zu sein“, hebt der Augsburger Diözesanbischof Walter Mixa in seinem Hirtenbrief für die Fastenzeit 2007 hervor.



Er spricht sich in dem Schreiben für eine „erweiterte Taufpastoral“ aus. Durch das Sakrament der Taufe tragen jeder Christ in seiner Seele ein „‚geistliches Siegel‘ der Zugehörigkeit zum Leben Gottes über den Tod hinaus“. Aufgrund dieser Sicherheit könne man „auch in den dunklen und schweren Stunden, die im Leben nicht ausbleiben“, bewusster und hoffnungsvoller leben.

„Wir tragen Christus in uns, so dass wir auch immer mit ihm Zwiesprache halten können.“

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Meine lieben Kinder und Jugendliche,
liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Wir erfahren täglich, dass es nicht mehr selbstverständlich ist, ein Christ zu sein oder sich zur Gemeinschaft der Kirche zu bekennen. Schon in unseren Familien gibt es unterschiedliche Meinungen zum christlichen Glauben, noch viel mehr am Arbeitsplatz, in den Schulklassen und im Bekannten- und Freundeskreis. Wenn wir heute als Christen wirksam sein wollen, empfehle ich einen „geistigen TÜV“ in regelmäßigen Abständen. Für unsere Autos ist das selbstverständlich, warum sollten wir uns nicht als Christen einer geistlichen Überprüfung stellen? Dieser Gedanke führt uns nämlich zur Frage: „Warum bin ich ein Christ? Was ist das Besondere an diesem Bekenntnis, das sich von anderen Religionen unterscheidet? Glaube ich an die persönliche Liebe Gottes zu mir in Jesus Christus? Gibt es über den Tod hinaus einen bleibenden Wert meines Lebens? Was bedeutet dabei meine Taufe?

Religion ist alles andere als ins Abseits geraten – im Gegenteil, Religion ist wieder interessant. Wir erleben heute, was die Kirche immer in ihrer Erinnerung wusste: Jeder Mensch trägt in sich die Sehnsucht nach dem Übernatürlichen und ist auf Gott hin ausgerichtet. Die Antworten auf diese Sehnsucht sind heute allerdings vielfältig, nicht selten auch diffus. Es werden religiöse Vorstellungen nach eigenem Gutdünken zurechtgelegt und es wird das geglaubt, was momentan zu helfen scheint. Alte heidnische Vorstellungen tauchen wieder auf und werden in esoterischen Zirkeln zu neuen Heilslehren verbunden. Karten legen, Schamanenweisheit und fernöstliche Riten sind keine Ausnahmeerscheinungen mehr. In dieser Situation dürfen wir uns an ein Wort der Heiligen Schrift erinnern, das uns die Kirche in jede Zeit hinein wiederholt: Nur die Wahrheit macht uns frei (Joh 8,32). Diese Wahrheit ist nichts Abstraktes, sondern hat ein Gesicht, einen Namen: Jesus Christus. Das eigentlich Neue des Neuen Testaments ist nicht eine neue Idee, sondern die Gestalt des Gottessohnes.

Zur Taufe hinführen

Auch heute bitten Eltern um die Taufe ihres Kindes. Mit dieser Bitte sind die Priester wie auch die ganze Pfarrgemeinde herausgefordert. Denn es bedarf heute einer ausführlicheren Grundlegung des Sakramentes der Taufe, um das „Christ werden“ in seiner geistlichen Tiefe zu erschließen. Die Worte Jesu verpflichten uns: „Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,19 f.).

Diese Worte verpflichten uns als Kirche, nicht nur die Taufe anzubieten, sondern ihre Bedeutung in großer Liebe zu erklären und zu erschließen. Der Missionsauftrag Jesu an uns ist vor allem ein Auftrag zur Verkündigung der Frohen Botschaft. Mit allen Priestern und hauptberuflichen Laienmitarbeitern unserer Diözese habe ich deshalb während der vergangenen Monate die Notwendigkeit einer „erweiterten Taufvorbereitung“ durchdacht und nicht nur als möglichen Weg, sondern als den normalen Weg zum Empfang des Taufsakramentes vorgesehen. Was ist damit gemeint?

Gerade heute müssen wir zu den entscheidenden Fragen hinführen: Warum soll mein Kind getauft werden? Was bedeutet Sakrament? Was steht hinter den theologischen Begriffen wie Erbsünde und Erlösung? Welche Bedeutung hat dabei Jesu Sterben am Kreuz? Hat die Taufe mit meinem persönlichen Heil zu tun? In mehreren Gesprächsrunden von Eltern und Paten zusammen mit dem Priester und Vertretern der Pfarrgemeinde sollen diese Fragen eine überzeugende Antwort erfahren. In Verbindung damit wird es wichtig sein, den Ablauf der Taufspendung sowie die äußeren Zeichen und Symbole in ihrem geistlichen Sinn zu deuten.

Auch die nicht geringe Herausforderung, die heute eine religiöse Kinder- und Jugenderziehung darstellt, sollte versehen mit praktischen Hilfestellungen thematisiert werden. Ich bin überzeugt, dass durch ein erneuertes Engagement von Priestern und Gläubigen für eine gute Vorbereitung der Taufen in der Pfarrei oder Pfarreiengemeinschaft die Freude über das eigene Getauftsein spürbar belebt wird.

Die Taufe leben

Die Frage nach der Bedeutung der Taufe sollten wir uns immer wieder neu und in den verschiedenen Lebensaltern stellen – durchaus verbunden mit der frühchristlichen Aussage: „Bedenke Christ, wer Du bist!“

In seiner Lebenshingabe am Kreuz hat Christus für alle Menschen die Quellen der Taufe erschlossen. Er hatte ja von seinem Leiden als einer „Taufe“ gesprochen, mit der er getauft werden müsse (Mk 10,38). Das Blut und das Wasser, die aus der durchbohrten Seite des gekreuzigten Jesus flossen, sind Urbilder der Taufe und der Eucharistie, der Sakramente des neuen Lebens. Durch diese ist es uns möglich geworden, „aus Wasser und Geist geboren“ zu werden, um in das Reich Gottes zu kommen (Joh 3,5).

Mit dem Taufwasser, das über unser Haupt gegossen wurde und mit der Anrufung des dreifaltigen Gottes, sind wir durch die Taufe für immer „festgemacht“ in der Liebe des geopferten Jesus von Nazareth. Und weil sich die Liebe Gottes nach der Grablegung stärker erwiesen hat als der Tod, sind wir durch die Taufe auch „festgemacht“ in seiner leiblichen Auferstehung. Deshalb kann der Apostel Paulus bekennen: „Wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben“ (Röm 6,4); oder an anderer Stelle: „Denn für mich ist Christus das Leben, und Sterben Gewinn“ (Phil 1,21).

Seit unserer Taufe tragen wir in uns unwiderruflich die unbegrenzte Liebe und das unzerstörbare Leben des Gottessohnes Jesus Christus, tragen in unserer Seele ein „geistliches Siegel“ der Zugehörigkeit zum Leben Gottes über den Tod hinaus. Diese Gewissheit lässt uns bewusster und hoffnungsvoller leben, auch in den dunklen und schweren Stunden, die im Leben nicht ausbleiben. Wir tragen Christus in uns, so dass wir auch immer mit ihm Zwiesprache halten können und mit dem Wort des Apostels Paulus gilt: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir!“ (Gal 2,20)

Christus lebt in uns und will auch durch uns wirksam werden zum Aufbau seiner Kirche. Durch die Wirklichkeit der Taufe in unserem Leben ist ein jeder von uns berufen, missionarisch und bekennend Christ zu sein! Ich danke deshalb allen Jugendlichen, allen Männern und Frauen, die sich für die Weitergabe des Glaubens in der Pfarrgemeinde an der Seite der Priester einsetzen und den Glauben in Wort und Tun bezeugen. An erster Stelle bleibt die Familie die Pflanzstätte für menschliche Geborgenheit und für die Weitergabe des Glaubens. So danke ich allen Eltern und Großeltern, die sich dieser Aufgabe stellen und dadurch einer Gottvergessenheit und einer nur innerweltlichen Lebensweise der nachfolgenden Generation entgegenwirken.

Neben der „erweiterten Taufpastoral“, die das Glaubensleben unserer Familien beleben wird, bitte ich die Pfarrgemeinden zu einer neuen Offenheit für Menschen, die als Erwachsene nach dem Glauben fragen. Wir müssen uns als Kirche darauf einstellen, wieder neue Christen willkommen zu heißen. Es wird in Zukunft immer mehr Frauen und Männer geben, die das Verlangen haben, als Erwachsene diese „Einführung in das Christ-Sein” nachzuholen.

Es gibt nicht nur Menschen, die die Kirche verlassen. Es gibt zunehmend Zeitgenossen, die nach dem „Eingang“ fragen, der in die Kirche hineinführt. Es ist entscheidend, wen sie in diesem Eingangsbereich treffen. Es wird wichtiger werden als bisher, wie sie dort empfangen werden. (1) Von ganzem Herzen unterstütze ich daher alle Bemühungen, sich auf diese Herausforderung einzustellen, sei es durch das Angebot von Exerzitien im Alltag oder Initiativen zur Erstverkündigung, wie „Wege erwachsenen Glaubens“ oder „Alpha-Kurse“, genauso Bibelkreise und Gesprächsrunden zu Glaubens- und Lebensfragen.

So darf ich abschließend die Pfarrgemeinden und alle Eltern, die ein Kind zur Taufe anmelden, nochmals bitten, die große Chance einer erweiterten Taufvorbereitung anzunehmen, sich dadurch selber ihres Glaubens und ihres Getauftseins neu zu versichern und so auch fähig zu werden, die Kraft und die Schönheit unseres Glaubens den Kindern und den heranwachsenden Jugendlichen mit überzeugender Liebe zu vermitteln. Ich bin mir sicher, dass wir mit dem Segen Gottes und durch das Wirken des Heiligen Geistes eine frohe Erneuerung im Glauben erleben werden und dadurch noch bewusster und positiver in unserem täglichen Leben als Christen Zeugnis ablegen. Dazu segne und behüte Euch, meine lieben Kinder und Jugendlichen und Sie, meine lieben Schwestern und Brüder im Glauben, der allmächtige und barmherzige Gott. Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Dr. Walter Mixa
Bischof von Augsburg

(1) „Zeit zur Aussaat“ – Missionarisch Kirche sein (Schriftenreihe „Die deutschen Bischöfe“ 68), S. 36.

[Von der Diözese Augsburg veröffentlichtes Original]