Was darf ein Seminarist bei der Messfeier tun?

All das und nur das, was seinem eigenen Dienstamt entspricht

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 546 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet eine Leserfrage zu den Möglichkeiten, die ein Seminarist hat, Dienste bei der Messfeier zu übernehmen.

Frage: Ist es angemessen für einen Seminaristen, der sein Pastoraljahr absolviert, bei der Messfeier die Teile zu übernehmen, die der Diakon ausführt? Meine Frage rührt daher, dass unser Pfarrer dies zu erlauben scheint. Der Seminarist, der noch nicht geweiht ist, hat alle Teile übernommen, die normalerweise dem Diakon zukommen, sofern er anwesend ist. Könnte dementsprechend ein Laie vom Pfarrer die Erlaubnis erhalten, das Gleiche zu tun? Was steht in der Grundordnung des Römischen Messbuchs? Gibt es irgendeine Richtlinie? – E .C., Kabwe, Sambia.

P. Edward McNamara: Im Prinzip darf jeder, der einen Dienst ausübt, all das und nur das tun, was seinem eigenen Dienstamt entspricht.

Deswegen darf ein Seminarist Dienste, die ausschließlich einem Diakon oder Priester vorbehalten sind, nicht ausführen. Sofern er jedoch als Akolyth beauftragt worden ist, darf er jene Handlungen vollziehen, deren Ausführung einem beauftragten Akolythen erlaubt sind, sofern kein Diakon anwesend ist.

Die Grundordnung des Römischen Messbuchs (GRM) beschreibt diese Aufgaben folgendermaßen:

„98. Der Akolyth wird beauftragt, am Altar zu dienen und dem Priester und dem Diakon behilflich zu sein. Seine Hauptaufgabe ist es, den Altar und die sakralen Gefäße zu bereiten sowie, wenn es notwendig ist, als außerordentlicher Spender den Gläubigen die Eucharistie zu reichen.“

„Beim Altardienst hat der Akolyth eigene Aufgaben (vgl. Nrn. 187-193), die er selbst wahrnehmen muss. …“

„100. Fehlt ein beauftragter Akolyth, können zum Altardienst und zur Hilfe für den Priester und den Diakon Laien bestimmt werden, die das Kreuz, die Kerzen, das Rauchfass, das Brot, den Wein und das Wasser tragen; sie können auch als außerordentliche Spender zum Austeilen der heiligen Kommunion bestimmt werden. …“

„187. Die Aufgaben, die der Akolyth ausüben kann, sind von verschiedener Art. Mehrere von ihnen können gleichzeitig vorkommen. Deswegen empfiehlt es sich, sie in geeigneter Weise unter mehrere Akolythen zu verteilen. Ist jedoch nur ein Akolyth anwesend, so hat er die wichtigeren Aufgaben selber auszuführen, die übrigen verteile man auf mehrere liturgische Dienste.“

„Die Eröffnungsriten“

„188. Beim Gang zum Altar kann der Akolyth, in der Mitte zwischen zwei Ministranten mit brennenden Kerzen, das Kreuz tragen. Wenn er beim Altar angekommen ist, stellt er es neben dem Altar auf, so dass es zum Altarkreuz wird, sonst stellt er es an einem würdigen Ort ab. Dann nimmt er seinen Platz im Altarraum ein.“

„189. Während der ganzen Feier ist es Aufgabe des Akolythen, sooft es nötig ist, zum Priester oder zum Diakon hinzuzutreten, um ihnen das Buch zu halten und ihnen bei anderen notwendigen Dingen zu helfen. Deshalb ist es angebracht, dass er möglichst einen Platz einnimmt, von dem aus er seinen Dienst, sei es am Sitz, sei es am Altar, leicht ausüben kann.“

„Die Eucharistische Liturgie“

„190. Wenn kein Diakon anwesend ist, bringt der Akolyth nach Abschluss des Allgemeinen Gebets, während der Priester am Sitz bleibt, das Korporale, das Kelchtuch, den Kelch, die Palla und das Messbuch zum Altar. Danach hilft er, falls nötig, dem Priester bei der Entgegennahme der Gaben des Volkes, bringt gegebenenfalls das Brot und den Wein zum Altar und übergibt beides dem Priester. Wird Weihrauch verwendet, hält er dem Priester das Rauchfass hin und assistiert ihm beim Inzensieren der Opfergaben, des Kreuzes und des Altares. Hierauf inzensiert er den Priester und das Volk.“

„191. Der ordnungsgemäß beauftragte Akolyth kann als außerordentlicher Spender dem Priester, falls es notwendig ist, bei der Kommunionausteilung an das Volk helfen. Wenn die Kommunion unter beiden Gestalten gespendet wird und kein Diakon anwesend ist, reicht der Akolyth den Kommunikanten den Kelch oder er hält den Kelch, falls die Kommunion durch Eintauchen gespendet wird.“

„192. Ebenso hilft der ordnungsgemäß beauftragte Akolyth nach der Kommunionausteilung dem Priester oder dem Diakon beim Purifizieren und Zusammenstellen der sakralen Gefäße. Ist aber kein Diakon anwesend, bringt der ordnungsgemäß beauftragte Akolyth die sakralen Gefäße zum Kredenztisch, wo er sie auf die gewohnte Weise purifiziert, abtrocknet und zusammenstellt.“

„193. Am Ende der Messfeier kehren der Akolyth und die anderen liturgischen Dienste zusammen mit dem Diakon und dem Priester in Prozession zur Sakristei zurück, auf gleiche Art und in gleicher Ordnung, wie sie eingezogen sind.“

So könnte also der Eindruck entstehen, ein Seminarist würde den Platz eines Diakons einnehmen, ohne dass dies notwendigerweise der Fall wäre.

Auch wenn der Seminarist noch kein beauftragter Akolyth sein sollte, könnte er dem Priester dennoch zur Seite stehen, ihm mit dem Messbuch am Altar assistieren, ihm die Hostienschale reichen und, wenn nötig – von Fall zu Fall – zum außerordentlichen Spender der heiligen Kommunion bestellt werden.

Ist er ein beauftragter Akolyth, dann darf er die heiligen Gefäße am Kredenztisch purifizieren. Ist er das nicht, dann reinigt der Priester die heiligen Gefäße.

Er darf aber keine, dem geweihten Amtsträger eigenen Funktionen ausüben.

Deshalb darf er beim Wortgottesdienst nicht das Evangelium verkünden, noch die Predigt halten. Wie es in der Instruktion „Redemptionis Sacramentum“ heißt:

„63. Die Lesung des Evangeliums, die‚den Höhepunkt des Wortgottesdienstes bildet‘, ist gemäß der Tradition der Kirche in der Feier der heiligen Liturgie dem geweihten Amtsträger vorbehalten. Daher ist es einem Laien, auch einem Ordenschristen, nicht gestattet, das Evangelium während der Feier der heiligen Messe zu verkünden, auch nicht in den anderen Fällen, in denen die Normen es nicht ausdrücklich erlauben.“

„64. Die Homilie, die während der Feier der heiligen Messe gehalten wird und Teil der Liturgie selbst ist,‚wird in der Regel vom zelebrierenden Priester gehalten oder von ihm einem konzelebrierenden Priester oder manchmal, wenn dies angebracht erscheint, auch einem Diakon übertragen, niemals aber einem Laien. In besonderen Fällen kann die Homilie aus einem gerechten Grund auch von einem Bischof oder einem Priester gehalten werden, der an der Feier teilnimmt, ohne konzelebrieren zu können‘.“

„66. Das Verbot der Zulassung von Laien zur Predigt innerhalb der Messfeier gilt auch für die Alumnen der Seminare, für Studenten der theologischen Disziplinen und für jene, die als sogenannte‚Pastoralassistenten‘eingesetzt sind, sowie für jedwede Art, Gruppe, Gemeinschaft oder Vereinigung von Laien.“

Während der eucharistischen Liturgie bereitet der Akolyth den Kelch nicht vor, indem er Wein und Wasser eingießt, sondern er reicht beides dem Priester nur dar. Ebenso wenig hilft er dem Priester bei der Schlussdoxologie mit der Erhebung des Kelchs. Der Priester und nicht etwa der Akolyth lädt die Gläubigen ein, einander ein Zeichen des Friedens zu geben und nur er entlässt das Volk am Ende der Messfeier.

Sollte der Priester dem Seminaristen erlauben oder gesagt haben, er solle eine dieser dem geweihten Amtsträger vorbehaltenen Funktionen ausüben, begeht er damit einen Fehler. Ein solches Vorgehen ist außerdem unklug. Der Seminarist sollte es ablehnen, dementsprechend zu handeln.

In manchen Fällen könnte dies nämlich als widerrechtliche Aneignung heiliger Funktionen interpretiert werden und dazu führen, dass der Seminarist nicht oder erst später zu den heiligen Weihen zugelassen wird.

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC aus dem Englischen Originalartikel http://www.zenit.org/en/articles/seminarian-in-a-deacon-s-role