Was die neue Papstbotschaft Hilfsorganisationen und Spendern sagt

Vorstellung der Fastenbotschaft 2008 mit Kardinal Cordes und Präsident Röthlin („Kirche in Not“)

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ROM, 29. Januar 2008 (ZENIT.org).- Im Rahmen einer Pressekonferenz wurde heute, Dienstag, die traditionelle Botschaft des Heiligen Vaters zur Fastenzeit vorgestellt. Sie widmet sich diesmal dem Thema: „Christus wurde euretwegen arm“ (2 Kor 8,9).



Der Präsident des Päpstlichen Rates „Cor Unum“, Kardinal Paul Josef Cordes, der Untersekretär desselben Rates, Msgr. Giovanni Pietro Dal Toso, und der internationale Präsident von Kirche in Not, Hans-Peter Röthlin, führten in die Botschaft ein.

Kardinal Cordes erinnerte daran, dass die Fastenzeit zu jenen Abschnitten des Kirchenjahres gehöre, in denen in vielen Ländern für Hilfsfonds gesammelt werde. Das biblische Gebot der Nächstenliebe habe unsere Kultur zutiefst gezeichnet; das Gleichnis vom barmherzigen Samariter habe unsere Wertekategorien geformt, fügte er hinzu.

Trotz der eindrucksvollen Summen, die für die Bekämpfung des Elends in der Welt aufgebracht werden, liege der Verdienst der diesjährigen Papstbotschaft über das Almosengeben darin, einige klärende Überlegungen zum Bereich der Hilfeleistung anzustellen. Vor allem werfe sie die Frage nach den internen Kosten der Hilfsorganisationen auf, die oft erstaunlich hoch seien. Der Kardinal merkte diesbezüglich an, dass es bei Spendenaufrufen angebracht wäre, nicht nur die entsprechende Kontonummer anzugeben, sondern zudem den Prozentsatz, der für Verwaltung und Abwicklung in der Hilfsorganisation verbleibe.

Die kirchlichen Hilfswerke könnten in dieser Hinsicht als vorbildlich angesehen werden, so der Kardinal- Die Verwaltungskosten der italienischen Caritas betragen nach seinen Ausführungen neun Prozent der Spendengelder, die des Malteserordens sieben Prozent und jene von „Kirche in Not“ rund 6 Prozent. Die Stiftung „Cor Unum“ könne ihrerseits noch geringere Kosten vorweisen: Für das Jahr 2006 seien es drei Prozent gewesen.

Kardinal Cordes wies darauf hin, dass Papst Benedikt XVI. in seiner ersten Enzyklika Deus caritas est die Sendung von „Cor Unum“ zum ersten Mal in einem offiziellen Dokument des kirchlichen Lehramtes beschrieben habe. Dies verpflichte das Dikasterium in besonderer Weise.

Die Botschaft für die Fastenzeit 2008 konzentriere sich aber nicht so sehr auf die Frage nach der Effektivität von Hilfsorganisationen. Der Papst habe vielmehr die Absicht, im Ausgang vom Glauben die Implikationen für die richtige Gesinnung des Spenders sichtbar zu machen. Benedikt XVI. rücke den Spender in das Licht der Offenbarung und lasse uns somit einen Schritt jenseits der Wertskala der Welt machen; er weise auf die unauflösliche Verwobenheit von Frömmigkeit und Sorge für die Bedürftigen hin (vgl. 2), um anschließend auf die Intention des Spenders, seine Motivationen und Ziele einzugehen. Sie führten den Christen zur größten Selbstaufopferung, was philanthropische Initiativen übersteige und diese mit jener Dimension des Evangeliums konfrontiere, die „Ärgernis erregt“.

Kardinal Cordes erläuterte anhand der Perikope vom Opfer der armen Witwe das Besondere der christlichen karitativen Tätigkeit: „Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel. Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein. Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt“ (Mk 12,41-44).

Es sei richtig, dass alle – auch die Kirche – die Rechnung mit jenen Zahlen mache, die auf den Geldmünzen eingeprägt seien. Der Gebrauch des Geldes in einer Perspektive des Glaubens aber gehe über die Regeln unserer weltlichen Erfahrung hinaus. Der wahre Wert unserer Spende hänge nicht vom Geldwert ab: „Nicht der materielle Reichtum diktiert die Gesetze der Existenz, sondern die Liebe“, schreibt Papst Benedikt XVI. in seiner Botschaft. „Was dem Almosen seinen Wert gibt, ist je nach den Möglichkeiten und Umständen des einzelnen die Liebe, die zu verschiedenen Formen der Hingabe inspiriert.“

Der internationale Präsident von „Kirche in Not“, Hans-Peter Röthlin, erinnerte in seinem Beitrag an die Gestalt von Pater Werenfried van Straaten, den Gründer des Hilfswerks. Röthlin hob hervor, dass „Kirche in Not“ kein Orden und keine kirchliche Gemeinschaft sei, sondern ein Werk, das der Kirche überall dort helfen wolle, wo sie ihre Sendung selbst nicht verwirklichen könne.

Röthlin erläutete, dass P. Van Straaten im Jahr 2002 in den kurz vor seinem Tod verfassten „Geistlichen Direktiven“ nie das Wort „Almosen“ benutzt habe, sondern von Spenden gesprochen habe. Der Großteil der Spender des Werkes seien auch heute noch vor allem die ganz gewöhnlichen Menschen, die über keine großen Reichtümer verfügten, sondern eher der Witwe aus dem Evangelium ähnelten und ihre Almosen im Verborgenen geben würden.

Der Speckpater habe den Spendensammlern ans Herz gelegt, nie zu vergessen, dass sie nicht nur Geld verwalten, sondern vor allem „die Nächstenliebe unserer Wohltäter“. Und darin besteht für Röthlin auch die Kernaussage der neuen Botschaft des Heiligen Vaters, die er so ausdrückte: „Das Geheimnis des Almosens ist die Liebe.“

„Kirche in Not“ sammle Spenden in 17 Nationen und habe rund 600.000 Gönner. Somit sei das pastorale Hilfswerk „ ein Ort der Begegnung der Weltkirche, wo Kinder Gottes einander in übernatürlicher Liebe begegnen und sich gegenseitig bereichen“.