Was es heißt, auf der Straße zu Hause sein

Konferenz der Seelsorger für die Migranten und Menschen unterwegs

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ROM, 30. September 2009 (ZENIT.org).– Häufig ist es eine Straße, die mit einem wichtigen Ereignis im Leben verbunden ist. Aber für einige Leute ist die Straße das einzige „zu Hause".

Darüber, was es heißt, auf der Straße zu Hause sein, sprach Erzbischof Agostino Marchetto, Sekretär des Päpstlichen Rates der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs, auf der Ersten Konferenz für die Seelsorge auf der Straße. Das Treffen begann gestern im Vatikan und endet übermorgen, Freitag.

Ehe das wichtigste Thema der Konferenz in den Blick genommen wurde - das Schicksal der Prostituierten, der Straßenkinder und der Obdachlosen -, führte der Erzbischof in seiner auf Englisch gehaltenen Rede in die allgemeine Problematik ein.

„Seitdem wir in einer stets mobiler werdenden Gesellschaft leben, bekommen die Wege, auf denen die Männer und Frauen unserer Zeit unterwegs sind, eine besondere Bedeutung", erklärte er. „Wege begleiten uns zur Arbeit und in die Schule. Sie nehmen uns mit zu Freunden und Verwandten... Sie können Übergangsriten symbolisieren - die Geburt eines Kindes, eine intime Beziehung, eine Ehe, ja, sogar den Tod. Die Straßen werden auch von Migranten und Flüchtlinge begangen.

Es gibt fast immer einen Weg, der mit jedem Ort, zu dem wir gehen, und mit allen wichtigen Ereignissen in unserem Leben verknüpft ist... Aber es gibt auch solche, für die die Straße schlicht und einfach das Zuhause bedeutet."

Auf all diesen Wegen „gibt es Menschen, Lebensräume, Existenzen, die uns verborgen bleiben, weil es in unserer Gesellschaft häufig zu schmerzhaft ist oder zu 'gräßlich', sie zu sehen und wahrzunehmen", fuhr der Kurienerzbischof fort.

„Jesus begegnete den Menschen unterwegs, auf der Straße, in der Menschenmenge und wenn er alleine war... Die Straße ist somit der Ort der Begegnung und der Bekehrung. Sie ist der Ort der Verkündigung und der Evangelisierung, der Heilung und des Martyriums. In vielerlei Hinsicht könnte man sagen, dass die Wege und Straßen sein Zuhause und seine Kanzel wurden" - was heute noch für „die Arbeit im Dienst am Evangelium" gelte.

Die Straße ist nach Worten von Erzbischof Marchetto jener Ort, „an dem wir Christus immer noch begegnen können"; jene Stätte, „wo seine Worte und sein Leben weitergegeben werden, und dies durch Gesten und Handlungen der Kirche, die durch ihre verschiedenen Apostolate die Gnade Gottes weiterleitet."