Was heisst Glauben heute?

Papst Benedikt XVI.: Glauben ist ein Sich-Anvertrauen an ein Du, an Gott, der mich liebt

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VATIKANSTADT, 17. Oktober 2012 (ZENIT.org). – In der Katechese während der Generalaudienz lud Benedikt XVI. dazu ein, darüber nachzudenken, was es bedeutet, heute zu glauben. Glaube sei ein Geschenk, das Gott uns anbiete und das den Sinn gebe, den wir uns nicht selber vermitteln können. Geichzeitig sei Glaube ein zutiefst freier, menschlicher Akt.

[Wir dokumentieren die offizielle deutsche Zusammenfassung der Katechese:]

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Liebe Brüder und Schwestern!

In der heutigen Katechese möchte ich euch einladen, mit mir darüber nachzudenken, was der Glaube ist, was es heißt, heute zu glauben. Oft scheint die spirituelle Wüste immer größer zu werden, und eine gewisse Kultur des Machbaren als des allein Gültigen lässt den Menschen dann im Tiefsten orientierungslos zurück. Es steigen Fragen auf: „Welchen Sinn hat es zu leben?" „Ist es gut, ein Mensch zu sein?" „Gibt es eine Zukunft für den Menschen?" Wir brauchen nicht nur technisches Können, wir brauchen auch Liebe, Sinn, Hoffnung, ein sicheres Fundament, das uns hilft zu leben. Dies gibt uns der Glaube. Er ist ein Sich-Anvertrauen an ein „Du", an Gott, der mir Hoffnung und Zuversicht schenkt, der mich liebt. Glauben heißt also in lebendiger Beziehung zu Gott stehen, der Liebe Gottes trauen, der im Geheimnis Christi ganz in unser Menschsein herabgestiegen ist, um uns zu sich hinaufzuziehen. Der Glaube ist ein Geschenk, das Gott allen Menschen anbietet und das den Sinn gibt, den wir selber uns nicht geben können und den wir doch brauchen. Wir können auch heute an Gott glauben, weil Er uns nahekommt und uns anrührt. Unserem Glaubensweg liegt die Taufe zugrunde, das Sakrament, das uns den Heiligen Geist schenkt und in Christus zu Kindern Gottes macht in der Gemeinschaft mit der Kirche. Man glaubt nicht von sich aus ohne die Gnade Gottes, und man glaubt nicht allein, sondern zusammen mit den Brüdern und Schwestern. Zugleich ist der Glaube ein zutiefst freier und menschlicher Akt. Der Glaubende überschreitet sich selbst, seine eigenen Sicherheiten und Denkmuster, um in voller Freiheit und Freude, mit Verstand und Herz ja zu sagen zu Gott. Und dieses Ja verwandelt unser Leben und führt es zur Fülle seines Seins.

 [Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:]

Gerne grüße ich alle Pilger deutscher Sprache sowie die Gäste aus den Niederlanden. Unsere Zeit braucht Menschen, die vom Herrn ergriffen sind und durch die Vertrautheit mit der Heiligen Schrift und durch die Sakramente im Glauben wachsen. So wollen wir von der Erfahrung eines neuen Lebens in Christus und von der Gegenwart Gottes erzählen. Unser Leben sollte wie ein aufgeschlagenes Buch sein, aus dem unsere Begegnungen mit Gott lesbar werden, der uns offen macht für ein neues Leben in Fülle. Der Herr mache uns alle froh und stark im Glauben.

 [© 2012 - Libreria Editrice Vaticana]