Was ist das schönste Almosen?

Impuls zum 1. Fastensonntag 2014

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 347 klicks

Im Evangelium wird deutlich zum Ausdruck gebracht, dass Jesu Fasten ein radikales ist – am Ende der vierzig Tage hungerte ihn, und die Versuchung des Teufels, er könne ja seine Wundermacht gebrauchen und die Steine in Brot verwandeln, wird den Herrn nicht unberührt gelassen haben.

Wie alles, was der Sohn Gottes in seinem irdischen Leben tut, ist auch das strenge Fasten, mit dem er sein öffentliches Leben einleitet, exemplarisch gemeint. Er rät uns, das Fasten zu üben, aber er sagt es nicht nur, er selber tut es. Das gleiche gilt für die beiden anderen konkreten Ratschläge, die der Herr uns für die Fastenzeit gibt, und wie wir sie vor wenigen Tagen am Aschermittwoch im Evangelium gehört haben: das Gebet und das Almosen.

Bei einer Gelegenheit beobachten die Jünger, wie Jesus so eindrucksvoll und innig zum Vater betet, die ganze Nacht hindurch, dass sie ihn bitten: “Herr, lehre uns beten!” Und Jesus lehrt die Menschheit das Vaterunser.

Aber hat Jesus auch selbst Amosen gegeben? Dass er einem Bettler Geld gegeben hätte, ist wohl nicht überliefert. Er hatte ja auch nichts, nicht einmal eine eigene Wohnung. “Der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann” (Lk, 9,58).

Aber dennoch ist er auch im Almosengeben das ganz große Vorbild. Denn jemandem ein Geldstück in die Hand zu drücken, wenn man selbst genug davon hat, ist weiter nichts Besonderes. Aber wenn Almosen geben heißt, einem anderen von seinem Eigenen etwas zu geben, dann hat Jesus ständig Almosen gegeben. Er hat bekanntlich viele Kranke geheilt, den Menschen Rat und Zuspruch gegeben, ja mehr noch: durch seine Predigt den Menschen den Weg zum ewigen Leben gewiesen. In all dem hat er unablässig den Menschen (die immerhin  seine Geschöpfe waren und eigentlich für ihn bereit stehen müssten), mit der größten Selbstverständichkeit und bis zur völligen Selbstverleugnung zur Verfügung gestanden.

Wenn wir das Almosengeben unter diesem Gesichtspunkt betrachten, erledigt sich von selbst der Einwand, den der moderne Mensch gegen die drei Aschermittwoch-Ratschläge vorbringen könnte. Manche mutmaßen nämlich, dass die Lehre Christi nicht mehr in unsere Zeit passt, eben weil das Fasten, das die Christen sowieso kaum einhalten, inzwischen nur noch im Gesundheitsbereich bzw. im Hinblick auf die schlanke Linie eine Rolle spielt; weil ferner das Almosen in unserem Sozialstaat überflüssig geworden ist und es ohnehin keine echten Bettler gibt; und auch das Beten vielen Menschen fremd geworden ist, denn man ist ja heute gern Agnostiker.

Sind wir es wirklich?

Bei näherem Hinsehen werden die drei Fastenvorschläge tatsächlich für Menschen des 21. Jahrhunderts sehr aktuell. Allerdings ist der Glaube oder der Wunsch zu glauben Voraussetzung. “Kehrt um und glaubt an das Evangelium!” (Mk 1,15) wurde uns bei der Austeilung des Aschenkreuzes zugerufen.

So selbstzufrieden ist der moderne Mensch denn doch nicht, dass er das Wort von der Umkehr nicht verstünde. Am Aschermittwoch sind erfahrungsgemäß die Kirchen jedes Jahr voll, und es steht den Menschen ins Gesicht geschrieben, dass sie nicht unbedingt so weitermachen wollen wie bisher. Manch einer hat einen nur schwachen Glauben. Aber das ist auch nichts Neues. Schon unter den Zuhörern Jesu findet sich einer, der sagt: “Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!” (Mk 9,23)

Jeder von uns kann eine solche “Aufstockung” seines Glaubens gebrauchen. Und mit Sicherheit werden wir es erleben, wenn wir Gebrauch machen von den drei Ratschlägen des Herrn: pflegen wir das tägliche Gebet (nicht nur das Tischgebet), üben wir uns in kleinen Verzichten (Essen, Trinken, Rauchen, Fernsehen, Computer etc.) und vor allem springen wir immer wieder über unseren eigenen Schatten, indem wir großzügig sind und uns wie Jesus den anderen zur Verfügung stellen, auch und gerade, wenn es auf unsere eigenen Kosten geht.

Papst Franziskus gibt den praktischen Rat: “Die Fastenzeit ist eine geeignete Zeit für den Verzicht. Bringen wir jeden Tag ein Opfer, mit dem wir anderen helfen können!” (Twitter 5.3.2014 @Pontifex_de)

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. gebrauchte gerne das Wort “Hingabe”, besonders wenn er von dem Tod Jesu am Kreuz spricht, der ja der Schluss- und Höhepunkt der Fastenzeit sein wird. Er sagte, der Sohn Gottes wurde ein Mensch, um dem Vater eine vollkommene Hingabe zu bezeigen, etwas, das eigentlich wir Menschen tun sollten, aber nicht tun.

Jesus erlebt in der Wüste, dass seine Hingabe honoriert wird, nicht von den Menschen, die nicht anwesend sind, dafür aber von den anderen Lebewesen: den wilden Tieren, die in seiner Nähe zahm werden (denn sonst könnte der Evangelist nicht sagen: “er lebte bei den wilden Tieren”) und den “Engeln, die ihm dienten”.

Wenn wir die Nachfolge Christi ernst nehmen – und dazu ist jetzt Gelegenheit – wird auch unsere Hingabe einmal ihren Lohn finden, der uns überaschen wird.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).