Was ist die Kongregation für die Glaubenslehre?

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ROM, 13. Mai 2005 (ZENIT.org).- Anlässlich der Ernennung des bisherigen Erzbischofs von San Francisco, Msgr. William Joseph Levada, zum Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre und somit zum Nachfolger von Joseph Ratzinger, der dieses Amt bis zu seiner Wahl zum Papst Benedikt XVI. am Abend des 19. April ausgeübt hat, stellt sich die Frage, welche Aufgabe diese Kongregation in der katholischen Kirche wahrnimmt.



Die Kongregation für die Glaubenslehre, ursprünglich "Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis" genannt, wurde von Papst Paul III. mit der Konstitution "Licet ab initio" vom 21. Juli 1542 gegründet, um die Kirche vor Irrlehren zu schützen. Sie ist die älteste der neun Kongregationen der römischen Kurie. Das einzige Kurialorgan, das zeitlich früher eingesetzt wurde, ist das Staatssekretariat. Es wurde bereits von Innozenz VIII. im Jahre 1487 unter dem Namen "Segreteria Apostolica" eingerichtet.

Papst Pius X. hat mit der Konstitution "Sapienti consilio" vom 29. Juni 1908 den Namen des Dikasteriums in "Sacra Congregatio Sancti Officii" abgeändert. Gegen Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils hat Papst Paul VI. mit dem Motu Proprio "Integrae servandae" vom 7. Dezember 1965 die Kompetenzen und die Struktur der Kongregation neu geordnet und ihr den heutigen Namen gegeben.

Gemäß Artikel 48 der von Papst Johannes Paul II. 1988 promulgierten Apostolischen Konstitution über die römische Kurie "Pastor bonus" hat die Kongregation für die Glaubenslehre "die Aufgabe, die Glaubens- und Sittenlehre in der ganzen katholischen Kirche zu fördern und schützen".

Sie besteht aus 25 Mitgliedern – Kardinälen, Erzbischöfen und Bischöfen aus 14 verschiedenen Nationen – und wird von jetzt an von Erzbischof William Levada geleitet. Sekretär ist Erzbischof Msgr Angelo Amato SDB, Untersekretär P. Joseph Augustine Di Noia OP und "Promotor Iustitiae" Mons. Charles Scicluna. Insgesamt arbeiten in dieser Kongregation zurzeit 38 Mitarbeiter. Entsprechend der unterschiedlichen Kompetenzbereiche ist das Dikasterium in drei Sektionen aufgeteilt: die doktrinelle und die disziplinäre Abteilung sowie die Ehe-Sektion.

Beraten wird das Dikasterium von einem Kollegium, dem 28 Konsultoren angehören, die aus verschiedenen Ländern stammen. Sie sind in der Regel als Professoren an den Päpstlichen Fakultäten in Rom tätig und vertreten unterschiedliche theologische Disziplinen.

Bei der Erfüllung der Aufgabe, die katholische Glaubenslehre zu fördern und die Studien, die zum Wachstum des Glaubens beitragen, zu unterstützen, "damit auf die durch den Fortschritt in Wissenschaft und Forschung entstandenen Probleme eine angemessene Antwort im Licht des Glaubens gegeben werden kann" ("Pastor bonus", 49), bedient sich die Kongregation auch "wissenschaftlicher Symposien und Zusammenkünfte, die sich mit Fragen von lehrhafter Bedeutung beschäftigen" ("Regolamento proprio", 76) sowie "verschiedener Initiativen zur Verteidigung der wahren Lehre, der christlichen Tradition und des Lehramtes" ("Attività della Santa Sede", Città del Vaticano 1997, 669).

Anlässlich der alle fünf Jahre in Rom stattfindenden "ad limina Apostolorum" Besuche empfängt das Dikasterium die Bischöfe "zu einem gegenseitigen Informationsaustausch, zur Besprechung der in den verschiedenen Ländern bestehenden aktuellen Probleme und zur gemeinsamen Klärung und Lösung der hauptsächlichen Probleme in den jeweiligen Gebieten" (ebd., 671).

Der Präfekt ist von Amts wegen auch Präsident der "Päpstlichen Bibelkommission" und der "Internationalen Theologenkommission", deren Sekretariat und Sitz beim Dikasterium ist. Die Tätigkeit beider Kommissionen ist sehr eng mit der Glaubenskongregation verbunden. Bei ihr war auch die von Papst Johannes Paul II. im Februar 1993 errichtete und unter der Präsidentschaft des damaligen Kardinal Joseph Ratzingers stehende interdikasterielle Kommission angesiedelt, die mit der Redaktion und Veröffentlichung des "Katechismus der Katholischen Kirche" beauftragt gewesen ist.

In Zusammenarbeit mit der "Libreria Editrice Vaticana" veröffentlicht das Dikasterium seit einigen Jahren in der Sammlung "Documenti e Studi" seine eigenen Dokumente, meistens begleitet durch entsprechende im "Osservatore Romano" erschienene Artikel oder Kommentare.