Was sagt "Africae munus" über: AIDS, Abtreibung, Islam, Familie, traditionelle afrikanische Religionen?

Papst: "Steh auf, Kirche in Afrika!"

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COTONOU, 20. November 2011 (ZENIT.org). – Alle brisanten Themen der heutigen afrikanischen Gesellschaft haben ihren Niederschlag in dem Postsynodalen Schreiben „Africae munus“ gefunden. Wir veröffentlichen einige kurze Auszüge als ersten Einblick in dieses nicht nur für Afrika überaus bedeutsame Dokument, das die Leitlinien der Pastoral festlegt.

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Abtreibung

70. Mit Sorge haben sie  jedoch einen Mangel an ethischer Klarheit [der Internationalen Organisationen, A.d.R.) bei den internationalen Treffen festgestellt, ja sogar eine verwirrende Ausdrucksweise, die Werte vermittelt, die mit der katholischen Moral unvereinbar sind. Die Kirche hegt die ständige Sorge um eine ganzheitliche Entwicklung „jedes Menschen und des ganzen Menschen “, wie Papst Paul VI. sich ausdrückte.Aus diesem Grund wollten die Synodenväter die fragwürdigen Aspekte gewisser Dokumente internationaler Einrichtungen hervorheben: besonders jene, die die reproduktive Gesundheit der Frauen betreffen. Die Position der Kirche duldet keinerlei Zweideutigkeit hinsichtlich der Abtreibung. Das Kind im Mutterschoß ist ein zu schützendes Menschenleben. Die Abtreibung, die darin besteht, ein unschuldiges ungeborenes Leben zu beseitigen, ist dem Willen Gottes entgegengesetzt, denn der Wert und die Würde des menschlichen Lebens müssen von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod geschützt werden. Die Kirche in Afrika und den angrenzenden Inseln muss sich engagieren, um den Frauen und den Paaren, die versucht sind abzutreiben, zu helfen und sie zu begleiten, und sie muss denen nahe sein, die bereits diese traurige Erfahrung gemacht haben, um sie zur Achtung vor dem Leben zu erziehen. Sie begrüßt den Mut der Regierungen, die gegen die Kultur des Todes, die in der Abtreibung einen dramatischen Ausdruck findet, Gesetze zugunsten der Kultur des Lebens erlassen haben.

AIDS

72. „Insbesondere die Aids-Frage verlangt gewiss eine medizinische und pharmazeutische Antwort. Diese ist jedoch ungenügend, denn das Problem liegt tiefer. Es ist vor allem ein ethisches. Die dafür notwendige Verhaltensänderung – zum Beispiel sexuelle Enthaltsamkeit, Ablehnung sexueller Freizügigkeit, Treue in der Ehe – wirft letztlich die Frage nach der ganzheitlichen Entwicklung auf, die einen umfassenden Ansatz und eine erschöpfende Antwort der Kirche erfordert. Um nämlich wirksam zu sein, muss sich die Aids-Vorsorge auf eine Sexualerziehung stützen, die ihrerseits auf einer im Naturrecht verankerten und durch das Wort Gottes und die Lehre der Kirche erleuchteten Anthropologie basiert.“

[In Afrika leben rund 70 Prozent aller weltweit mit HIV infizierten Menschen. Anm. der Redaktion]

Analphabetismus

76. Der Analphabetismus stellt eine der größten Hindernisse für die Entwicklung dar. Das ist eine ebensolche Geißel wie die Pandemien. Gewiss, sie tötet nicht unmittelbar, doch trägt sie aktiv zur Ausgrenzung der Person – einer Form gesellschaftlichen Todes – bei und macht den Zugang zum Wissen unmöglich. Den einzelnen zu alphabetisieren heißt, ihn zu einem vollwertigen Mitglied der „res publica“ zu machen, zu deren Aufbau er beitragen kann, und es bedeutet, dem Christen Zugang zu dem unermesslichen Schatz der Heiligen Schrift zu verschaffen, die sein Glaubensleben nährt.

Wirtschaft

79. Gott hat Afrika bedeutende natürliche Ressourcen geschenkt. Angesichts der chronischen Armut seiner Bevölkerungen, die Opfer von Ausbeutung und örtlicher wie fremder Veruntreuungen sind, schockiert der Überfluss mancher Gruppen das menschliche Gewissen. Errichtet für die Schaffung von Reichtümern in ihren eigenen Ländern und oft mit der Komplizenschaft derer, die in Afrika die Macht ausüben, sichern diese Gruppen allzu häufig ihr eigenes Funktionieren auf Kosten des Wohlstands der örtlichen Bevölkerungen. In Zusammenarbeit mit allen anderen Komponenten der Zivilgesellschaft muss die Kirche die ungerechte Ordnung anprangern, die die afrikanischen Völker hindert, ihre Ökonomien zu konsolidieren und „sich gemäß ihren kulturellen Merkmalen zu entwickeln “.Im übrigen ist es eine Pflicht der Kirche, dafür zu kämpfen, „dass jedes Volk selbst die führende Rolle in der Verwirklichung seines wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts spielt […] und als aktives und verantwortliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft auf einer Ebene der Gleichheit mit den anderen Völkern an der Verwirklichung des weltweiten Allgemeinwohls teilnehmen kann “.

24. Auf sozialer Ebene ist das menschliche Gewissen durch schwere Ungerechtigkeiten auf den Plan gerufen, die allgemein in unserer Welt und speziell innerhalb Afrikas existieren. Die Inanspruchnahme der Güter der Erde durch eine Minderheit zu Lasten ganzer Völker ist unannehmbar, weil unmoralisch. Die Gerechtigkeit verlangt, „jedem das Seine zu geben “ – „ius suum unicuique tribuere“. Es geht also darum, den Völkern Gerechtigkeit zu erweisen. Afrika ist in der Lage, jedem einzelnen sowie allen Nationen auf dem Kontinent die Grundbedingungen für die Teilnahme an der Entwicklung sicherzustellen. Die Afrikaner können also die Fähigkeiten und die Reichtümer, die Gott ihnen geschenkt hat, in den Dienst ihres Landes und ihrer Mitmenschen stellen. Die in allen Dimensionen des Lebens, privat und öffentlich, im wirtschaftlichen wie im sozialen Bereich praktizierte Gerechtigkeit muss durch die Subsidiarität und die Solidarität unterstützt und – noch dringender – durch die Liebe beseelt werden. „Gemäß dem Subsidiaritätsprinzip dürfen weder der Staat noch größere Gesellschaften die Initiative und Verantwortung der Personen und der kleineren Gemeinwesen verdrängen “. Die Solidarität ist eine Garantie für die Gerechtigkeit und den Frieden, also für die Einheit – in der Weise, dass „der Überfluss der einen den Mangel der anderen ausgleicht “. Und die Liebe, die die Verbindung mit Gott sicherstellt, reicht weiter als die verteilende Gerechtigkeit. Denn wenn „die Gerechtigkeit die Tugend ist, die jedem das Seine zuteilt […] ist die Gerechtigkeit, die den Menschen dem wahren Gott entzieht, keine Gerechtigkeit für den Menschen “.

Globalisierung

86. Die Synodenväter haben ihre Ratlosigkeit und ihre Besorgnis angesichts der Globalisierung ausgedrückt. Ich habe bereits darauf aufmerksam gemacht, dass diese Realität eine Herausforderung darstellt, der man sich stellen muss. „Die Wahrheit des Globalisierungsprozesses und sein grundlegendes ethisches Kriterium sind in der Einheit der Menschheitsfamilie und in ihrem Voranschreiten im Guten gegeben. Es ist daher ein unablässiger Einsatz zur Förderung einer personalistischen und gemeinschaftlichen sowie für die Transzendenz offenen kulturellen Ausrichtung des globalen Integrationsprozesses erforderlich “. Die Kirche wünscht sich, dass die Globalisierung der Solidarität dahin gelangt, „ in die geschäftlichen Beziehungen das Prinzip der Unentgeltlichkeit und die Logik des Geschenks als Ausdruck der Brüderlichkeit “ einzuführen, indem sie der Versuchung einer einheitlichen Vorstellung von Leben, Kultur, Politik, Wirtschaft entgeht und statt dessen eine beständige ethische Achtung der unterschiedlichen menschlichen Wirklichkeiten für eine tatsächliche Solidarität pflegt.

Migranten, Vertriebene und Flüchtlinge

84. Millionen von Migranten, Vertriebenen oder Flüchtlingen suchen eine Heimat und ein Land des Friedens in Afrika oder in anderen Kontinenten. Die Dimensionen dieses Exodus, der alle Länder betrifft, offenbaren das verborgene Ausmaß der verschiedenen Formen von Armut, die oft durch Versagen in der öffentlichen Verwaltung verursacht sind. Tausende von Menschen haben versucht und versuchen immer noch, die Wüsten und die Meere zu überqueren, auf der Suche nach Oasen des Friedens und des Wohlstands, nach einer besseren Ausbildung und einer größeren Freiheit. Unglücklicherweise erleiden zahlreiche Flüchtlinge oder Vertriebene alle Arten von Gewalt und Ausbeutung, ja sogar Gefangenschaft und allzu häufig den Tod. Manche Staaten haben auf dieses Drama mit einer repressiven Gesetzgebung reagiert. Die Notsituation dieser Armen müsste das Mitleid und die großzügige Solidarität aller wecken, doch im Gegenteil lässt sie oft Angst und Sorge aufkommen. Denn viele sehen die Migranten als eine Belastung an und betrachten sie mit Argwohn, weil sie in ihnen nur Gefahr, Unsicherheit und Bedrohung sehen. Solches Empfinden führt zu Reaktionen der Intoleranz, der Fremdenfeindlichkeit und des Rassismus. Die Migranten selbst, aber, sind aufgrund der Unsicherheit ihrer Lage gezwungen, schlecht bezahlte, oft illegale, demütigende und degradierende Arbeiten zu übernehmen. Das menschliche Gewissen kann sich über diese Situationen nur empören. Die Migration innerhalb und außerhalb des Kontinents wird so zu einem vielschichtigen Drama, das die Humanressourcen Afrikas ernsthaft erschüttert, indem es die Destabilisierung oder die Zerstörung der Familien auslöst.

Die Inkulturation des Evangeliums und die Evangelisierung der Kultur

36. Um diese Gemeinschaft zu verwirklichen, wäre es gut, auf eine Notwendigkeit zurückzukommen, die schon bei der Ersten Synodenversammlung für Afrika angeklungen ist: ein vertieftes Studium der afrikanischen Traditionen und Kulturen. Die Synodenväter haben festgestellt, dass zwischen manchen traditionellen Praktiken der afrikanischen Kulturen und den spezifischen Erfordernissen der Botschaft Christi eine Dichotomie besteht. Das Bemühen um Sachdienlichkeit und Glaubwürdigkeit verlangt von der Kirche eine gründliche Unterscheidung, um die Aspekte der Kultur zu ermitteln, die der Inkarnation der Werte des Evangeliums hinderlich sind, wie auch jene, die sie fördern.

37. Man darf jedoch nicht vergessen, dass der eigentliche Protagonist der Inkulturation der Heilige Geist ist; „er leitet in fruchtbarer Weise den Dialog zwischen dem in Christus offenbarten Wort Gottes und den tiefsten Fragen, die aus den vielen Menschen und Kulturen aufsteigen. So setzt sich in der Geschichte – in der Einheit ein und desselben Glaubens – das Pfingstereignis fort, das durch die verschiedenen Sprachen und Kulturen bereichert wird “. Der Heilige Geist bewirkt, dass das Evangelium alle Kulturen zu durchdringen vermag, ohne sich von einer einzigen unterwerfen zu lassen.Den Bischöfen soll es ein Herzensanliegen sein, über dieses Erfordernis der Inkulturation unter Beachtung der durch die Kirche festgesetzten Normen zu wachen. Die Unterscheidung, welche kulturellen und welche traditionellen Elemente mit dem Evangelium unvereinbar sind, wird es ermöglichen, den guten Weizen vom Unkraut zu trennen (vgl. Mt 13,26). So wird das Christentum, obgleich es in absoluter Treue zur Verkündigung des Evangeliums und zur Überlieferung der Kirche seine Identität völlig wahrt, das Erscheinungsbild der vielen Kulturen und Völker annehmen, in denen es Aufnahme gefunden und Wurzeln geschlagen hat. Dann wird die Kirche Ikone der Zukunft, die Gottes Geist für uns bereitet, eine Ikone, zu der Afrika seinen eigenen Beitrag liefern wird. In diesem Werk der Inkulturation sollte die ebenfalls wesentliche Aufgabe der Evangelisierung der Welt der zeitgenössischen afrikanischen Kunst nicht vergessen werden.

38. Die Initiativen der Kirche für die positive Beurteilung und die Erhaltung der afrikanischen Kulturen sind bekannt. Es ist sehr wichtig, diese Aufgabe zu verfolgen, da die Vermischung der Völker, obwohl sie eine Bereicherung darstellt, häufig die Kulturen und die Gesellschaften schwächt. Es steht in diesen Begegnungen zwischen den Kulturen die Identität der afrikanischen Gemeinschaften auf dem Spiel. Man muss sich also dafür einsetzen, die Werte weiterzugeben, die der Schöpfer seit Menschengedenken in die Herzen der Afrikaner gelegt hat. Sie haben als Grundmodell gedient, um lebendige Gesellschaften in einer gewissen Harmonie zu bilden, denn sie tragen traditionelle Weisen der Regelung für ein friedliches Zusammenleben in sich. Es geht also darum, diese positiven Elemente zur Geltung zu bringen, indem man sie von innen her erleuchtet (vgl. Joh 8,12), damit der Christ wirklich von der Botschaft Christi erreicht wird und so das Licht Gottes vor den Augen der Menschen leuchten kann. Dann werden die Männer und Frauen, wenn sie die guten Taten der Christen sehen, „den Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,16) können.

Familie

43. Angesichts ihrer grundlegenden Bedeutung und der Bedrohungen, die auf dieser Institution lasten – die Verzerrung des Begriffs der Ehe und der Familie selbst, die Abwertung der Mutterschaft und die Banalisierung der Abtreibung, die Erleichterung der Ehescheidung und der Relativismus einer „neuen Ethik “ – muss die Familie geschützt und verteidigt werden, damit sie der Gesellschaft den Dienst erbringt, den diese von ihr erwartet, d. h. ihr Männer und Frauen schenkt, die fähig sind, ein soziales Netz des Friedens und der Harmonie aufzubauen.

44. Darum empfehle ich den Familien dringend, Inspiration und Kraft aus dem Sakrament der Eucharistie zu schöpfen, um die radikale Neuheit zu leben, die durch Christus mitten in die allgemeinen Lebensbedingungen hineingetragen wurde – eine Neuheit, die jeden einzelnen dazu führt, ein strahlender Zeuge in seiner Arbeitsumwelt und in der gesamten Gesellschaft zu sein. „Die Liebe zwischen Mann und Frau, das Annehmen des Lebens und die Erziehungsaufgabe erweisen sich als bevorzugte Gebiete, in denen die Eucharistie ihre Fähigkeit zeigen kann, das Leben zu verwandeln und zur Sinnfülle zu führen “. Es wird deutlich, dass die Teilnahme an der sonntäglichen Eucharistie eine Forderung des christlichen Gewissens ist und dieses zugleich bildet.

Alte Menschen

47. In Afrika sind die alten Menschen von einer besonderen Verehrung umgeben. Sie werden nicht aus den Familien verbannt oder ins Abseits gedrängt wie in anderen Kulturen. Im Gegenteil, sie werden hoch geschätzt und sind vollkommen in ihre Familie eingegliedert, deren höchste Instanz sie darstellen. Diese schöne afrikanische Realität müsste die westlichen Gesellschaften anregen, das Alter mit mehr Würde anzunehmen.

49. Sehr oft sind in Afrika die Stabilität und die gesellschaftliche Ordnung noch einem Ältestenrat oder den traditionellen Häuptlingen anvertraut. Auf diesem Weg können die alten Menschen wirksam zum Aufbau einer gerechteren Gesellschaft beitragen, die nicht durch – manchmal gewagte – Experimente vorankommt, sondern stufenweise und in wohlbedachter Ausgewogenheit. So können die alten Menschen durch ihre Weisheit und ihre Erfahrung an der Versöhnung von Menschen und Gemeinschaften teilhaben.

Die Männer

51. In der Familie haben die Männer eine besondere Aufgabe zu erfüllen. In ihrer Rolle als Ehemann und Vater tragen sie die noble Verantwortung, der Gesellschaft durch die eheliche Beziehung und die Erziehung der Kinder die Werte zu vermitteln, deren sie bedarf.

52. Mit den Synodenvätern ermutige ich die katholischen Männer, in ihren Familien wirklich zur menschlichen und christlichen Erziehung der Kinder sowie zur Annahme und zum Schutz des Lebens vom Augenblick der Empfängnis an beizutragen. Ich lade sie ein, einen christlichen Lebensstil einzuführen, der in der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet ist (vgl. Eph 3,17). Mit dem heiligen Paulus wiederhole ich ihnen: „Liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat […]“. Darum sind die Männer verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst.

53. Indem ihr auf Erden die Vaterschaft Gottes selbst (vgl. Eph 3,15) zum Ausdruck bringt und lebt, seid ihr aufgerufen, die persönliche Entwicklung aller Mitglieder der Familie zu gewährleisten, die die Geburtsstätte und das wirksamste Mittel einer Humanisierung der Gesellschaft, des Ortes der Begegnung mehrerer Generationen, ist.

Die Frauen

55. Die Frauen in Afrika leisten mit ihren zahlreichen Talenten und ihren unersetzlichen Gaben einen großen Beitrag zur Familie, zur Gesellschaft und zur Kirche.

56. Auch wenn unleugbar Fortschritte erzielt worden sind, um die Entfaltungsmöglichkeiten und die Bildung der Frau in manchen afrikanischen Ländern zu fördern, sind doch ihre Würde, ihre Rechte sowie ihr wesentlicher Beitrag zur Familie und zur Gesellschaft weiterhin weder voll anerkannt noch geschätzt. So wird die Förderung der Mädchen und der Frauen häufig weniger begünstigt als die der Jungen und der Männer. Allzu zahlreich sind noch die Praktiken, die die Frauen demütigen, sie im Namen der überkommenen alten Tradition erniedrigen. Mit den Synodenvätern fordere ich die Jünger Christi nachdrücklich auf, jede Form von Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen, sie zu denunzieren und zu verurteilen. In diesem Zusammenhang sollten die Verhaltensweisen innerhalb der Kirche selbst ein Vorbild für die Gesellschaft im ganzen sein. Die Kirche zählt auf euch, um eine „Humanökologie “ zu schaffen durch Liebe und Zärtlichkeit, Aufnahmebereitschaft und Feingefühl und schließlich durch Barmherzigkeit – Werte, die ihr euren Kindern einzuprägen wisst und deren die Welt so sehr bedarf. So werdet ihr durch den Reichtum eurer typisch weiblichen Gnadengabendie Versöhnung der Menschen und der Gemeinschaften begünstigen.

Jugend

63. Liebe Jugendliche, alle möglichen Einflüsse – Ideologien, Sekten, Geld, Drogen, leichter Sex, Gewalt… – können euch in Versuchung führen. Seid wachsam: Diejenigen, die euch solches vorschlagen, wollen eure Zukunft zerstören! Lasst euch trotz der Schwierigkeiten nicht entmutigen und gebt eure Ideale, euren Fleiß und eure Beharrlichkeit in der menschlichen, intellektuellen und geistlichen Bildung nicht auf! Um das Unterscheidungsvermögen, die nötige Kraft und die Freiheit zu erwerben, solchem Druck zu widerstehen, ermutige ich euch, Jesus Christus ins Zentrum eures ganzen Lebens zu setzen durch das Gebet, aber auch durch das Studium der Heiligen Schrift, den Empfang der Sakramente, die Schulung anhand der Soziallehre der Kirche, sowie durch eure aktive und begeisterte Teilnahme an den kirchlichen Gruppen und Bewegungen.

66. In der Tat, „was das Recht auf Leben betrifft, ist jedes unschuldige Menschenwesen allen anderen absolut gleich. Diese Gleichheit bildet die Grundlage jeder echten sozialen Beziehung, die, wenn sie wirklich eine solche sein soll, auf der Wahrheit und der Gerechtigkeit gründen muss, indem sie jedes Kind, jeden Mann und jede Frau als Person anerkennt und schützt und nicht als eine Sache betrachtet, über die man verfügen kann “.

Die traditionellen afrikanischen Religionen

92. Die Kirche lebt jeden Tag mit den Anhängern der traditionellen afrikanischen Religionen. Diese Religionen, die sich auf die Ahnen und auf eine Form von Vermittlung zwischen dem Menschen und dem Immanenten beziehen, sind der kulturelle und spirituelle Nährboden, aus dem die meisten konvertierten Christen kommen und zu dem sie in täglichem Kontakt bleiben. Unter den Konvertiten sollte man gut informierte Personen auswählen, damit diese die Kirche in eine immer tiefere und genauere Kenntnis der Traditionen, der Kultur und der traditionellen Religionen führen! Die Ermittlung der wahren Bruchstellen wird dadurch erleichtert. Man wird auch zur notwendigen Unterscheidung zwischen Kulturellem und Kultischem gelangen, und man wird die magischen Elemente verwerfen, die Ursache sind für das Auseinanderbrechen und den Ruin der Familien und der Gesellschaften. Das Zweite Vatikanische Konzil hat in diesem Sinn genauer erklärt, dass die Kirche „ihre Söhne mahnt, dass sie mit Klugheit und Liebe, durch Gespräch und Zusammenarbeit mit den Bekennern anderer Religionen sowie durch ihr Zeugnis des christlichen Glaubens und Lebens jene geistlichen und sittlichen Güter und auch die sozial-kulturellen Werte, die sich bei ihnen finden, anerkennen, wahren und fördern “. Damit die Schätze des sakramentalen Lebens und der Spiritualität der Kirche in ihrer ganzen Tiefe entdeckt und in der Katechese besser vermittelt werden können, könnte die Kirche gewisse Elemente der traditionellen afrikanischen Kulturen, die mit der Lehre Christi übereinstimmen, in einer theologischen Studie untersuchen.

93. Durch ihren Rückhalt in den traditionellen Religionen erlebt die Hexerei augenblicklich wieder einen gewissen Aufschwung. Ängste kommen wieder auf und schaffen lähmende Bindungen der Abhängigkeit. Sorgen um die Gesundheit, den Wohlstand, die Kinder, das Klima, den Schutz gegen böse Geister führen hin und wieder dazu, auf Praktiken der traditionellen afrikanischen Religionen zurückzugreifen, die mit der christlichen Lehre unvereinbar sind. Das Problem der „doppelten Zugehörigkeit“ – zum Christentum und zu den traditionellen afrikanischen Religionen – bleibt eine Herausforderung. Für die Kirche in Afrika besteht die Notwendigkeit, die Menschen durch eine Katechese und eine tiefe Inkulturation dahin zu führen, dass sie die Fülle der Werte des Evangeliums entdecken. Man muss die tiefe Bedeutung dieser Praktiken der Hexerei ermitteln, indem man die theologischen, gesellschaftlichen und pastoralen Implikationen ausmacht, die durch diese Plage vermittelt werden.

Der Islam

94. Die Synodenväter haben die Vielschichtigkeit der muslimischen Wirklichkeit auf dem afrikanischen Kontinent herausgestellt. In manchen Ländern herrscht ein gutes Einvernehmen zwischen Christen und Muslimen; in anderen besitzen die ortsansässigen Christen nur eine Staatsbürgerschaft zweiten Ranges, und ausländische Katholiken, Ordensangehörige wie Laien, können nur schwer ein Visum und eine Aufenthaltsbewilligung erhalten; in wieder anderen sind die religiösen und die politischen Elemente nicht ausreichend unterschieden; und schließlich in anderen gibt es Aggressivität. Ich rufe die Kirche auf, in allen Situationen nicht nachzulassen in ihrer Achtung für die „Muslime, die einen alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat “. Wenn wir alle, die wir an Gott glauben, der Versöhnung, der Gerechtigkeit und dem Frieden dienen möchten, müssen wir gemeinsam wirken, um alle Formen von Diskriminierung, Intoleranz und konfessionellem Fundamentalismus auszuschließen. In ihrem Sozialwerk macht die Kirche keine religiösen Unterschiede. Sie hilft dem, der in Not ist, ob er nun Christ, Muslim oder Animist ist. So bezeugt sie die Liebe Gottes, des Schöpfers aller, und ermutigt die Anhänger der anderen Religionen zu einem respektvollen Verhalten und zu gegenseitiger Wertschätzung. Ich fordere die ganze Kirche auf, in einem geduldigen Dialog mit den Muslimen die rechtliche und praktische Anerkennung der Religionsfreiheit anzustreben, so dass in Afrika jeder Bürger nicht nur das Recht auf die freie Wahl seiner Religion und die Ausübung des Kultes genießen kann, sondern auch das Recht auf Gewissensfreiheit.Die Religionsfreiheit ist der Weg des Friedens.

Bildung

135. Im aktuellen Kontext der großen Vermischung von Völkern, Kulturen und Religionen ist die Rolle der katholischen Universitäten und Hochschuleinrichtungen wesentlich für die geduldige, gewissenhafte und demütige Suche des Lichtes, das von der Wahrheit kommt. Nur eine Wahrheit, die das menschliche Maß, das durch Grenzen bedingt ist, übersteigt, stellt den Frieden unter den Menschen her und versöhnt die Gesellschaften untereinander. Zu diesem Zweck ist es angebracht, dort neue katholische Universitäten zu errichten, wo noch keine bestehen.

Schlussappell

173. Ich bekräftige: „Steh auf, Kirche in Afrika, Familie Gottes, denn es ruft dich der himmlische Vater, den deine Vorfahren schon als Schöpfer anriefen, bevor sie seine barmherzige Nähe erkannten, die er in seinem Sohn Jesus Christus offenbart hat. Begib dich auf den Weg der Neuevangelisierung, erfüllt vom Mut, der vom Heiligen Geist stammt!“

177. Möge die katholische Kirche in Afrika stets eine der geistlichen Lungen für die Menschheit sein und jeden Tag mehr zu einem Segen für den edlen afrikanischen Kontinent und für die ganze Welt werden!