Was sind angemessene Bußen?

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Von P. Edward McNamara LC

ROM, 9. Oktober 2012 (ZENIT.org). - P. Edward McNamara LC, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“, beantwortet Leserfragen.

Frage: Könnten Sie bitte einmal erklären, was man unter passenden und angemessenen Bußenen, die beim Empfang des Sakraments der Versöhnung auferlegt werden können, zu verstehen hat? Ich neige dazu, bei den traditionellen „Vaterunser“ und „Gegrüßet seist du Maria“ zu bleiben, doch in manchen Fällen spüre ich, dass das nicht ausreicht. Einer meiner Mitbrüder trägt viel „schwierigere“ Bußen auf, zum Beispiel den Kreuzweg, zwei oder drei Rosenkränze, das Lesen gewisser Psalmen oder von anderen Texten aus der Heiligen Schrift. Viele seiner Beichtkinder kehren dann zurück und sorgen sich, weil sie ihre BußeBuße nicht vollständig haben erfüllen können. Als junger Priester wurde mir gesagt, ich sollte Bußen auferlegen, die man erfüllen kann, ehe man die Kirche verlässt. – H.J., Peabody, Massachusetts

Antwort: Vielleicht sollte man zunächst einmal darauf hinweisen, dass eigentlich alle Bußen zu kurz greifen, um eine wahrhaft angemessene Sühne für unsere Sünden zu leisten. Die Schwere, die jeder Sünde eigen ist, übertrifft bei weitem unsere Möglichkeiten, den Mangel an Liebe, den wir uns Gott gegenüber verübt haben, wiedergutzumachen. Das Wunderbare an der Beichte ist, dass Gott mit uns so großzügig ist, dass er uns die Versöhnung und die Wiederherstellung in seiner Freundschaft anbietet und schenkt.

Die Kirche begnügt sich damit, Priester dahingehend anzuweisen, angemessene Bußen aufzuerlegen, Bußen, die der Natur jedes Falles entsprechen. Die Gewohnheit, Gebete als Buße aufzuerlegen, ist nicht einfach eine formelle Lösung; gerade weil es sich um Gebet handelt, ist es vielmehr ein Zeichen dafür, dass die Gnade in der Seele erneuert wird, was authentisches Gebet ermöglicht und dieses verdienstlich macht.

Beim Auferlegen einer passenden Buße sind mehrere Dinge zu berücksichtigen.

Zu allererst muss das Wesen der Sünde berücksichtigt werden, denn Bußen wollen ein Heilmittel sein, und schwerwiegendere Sünden verlangen nach einer strengeren Buße, damit das Bewusstsein aufgerüttelt und die Schwere der Sünde vor Augen geführt wird, besonders dann, wenn sie sich oft wiederholt hat. Sünden gegen die Gerechtigkeit, wie zum Beispiel Diebstahl oder Verleumdung, müssen auch in irgendeiner Form durch Rückgabe der Güter oder Wiederherstellung der Ehre wiedergutgemacht werden.

Ebenso wichtig ist aber auch die Verfassung des Pönitenten, da es keinen „Bußtarif“ gibt, der gewissen Sünden automatisch zuzuordnen wäre.

Soweit ihm das möglich ist, muss ein Priester, ehe er eine passende Buße verhängt, sich ein Bild von der geistigen Aufnahmefähigkeit seines Pönitenten machen. Das ergibt sich normalerweise aus der Art und Weise, wie die Beichte von ihm abgelegt wird. Ein Mensch mit starker geistlicher Resonanz und solider katholischen Bildung profitiert wahrscheinlich mehr von Bußen wie der Lektüre der Heiligen Schrift, dem Beten von Psalmen oder der Verrichtung frommer Andachten.

Wenn ein Beichtender den Glauben nicht so gut kennt und nicht an gewisse Praktiken, wie den Rosenkranz, den Kreuzweg oder das Fasten gewöhnt ist, dann ist es wahrscheinlich besser, solche Bußen nicht aufzuerlegen, denn vermutlich würden sie diese Menschen frustrieren.

Die Regel, dass es möglich sein muss, die Buße vor dem Verlassen der Kirche zu erfüllen, lässt sich vor allem auf diese Art Pönitenten anwenden. Wenn der Priester meint, dass die gewöhnlichen „Gegrüßet seist du Maria“ und „Vaterunser“ in bestimmten Fällen nicht angemessen sind, kann er eine weniger formelle, aber ausführbare Buße verhängen. Zum Beispiel könnte er dem Beichtenden sagen, er solle für eine gewisse Zeit das Allerheiligste oder einen Altar der Muttergottes besuchen und dort in einem Klima der Einkehr für die empfangene Vergebung Dank sagen oder um Kraft bitten, damit er einen bestimmten Fehler überwinden kann.

Diese letzte Form der Buße ist oft für Menschen von großem Vorteil, die über einen längeren Zeitraum nicht zur Beichte gegangen sind und die eine besondere Gnade dazu veranlasst hat, das Sakrament aufzusuchen.

Manchmal kann die Buße selbst zu einer Bekehrung führen. Es gibt da eine alte Anekdote, nach der ein Priester zufällig zuhörte, als eine Gruppe junger Männer eine Wette abschloss, bei der der Verlierer zur Beichte gehen musste. Mit diesem Wissen ausgerüstet nahm der Priester daraufhin seinen Platz im Beichtstuhl ein, und als der junge Mann kam, um zu beichten, trug der Kleriker ihm als Buße auf, sich vor das große Kreuz in der Kirche hinzustellen und dort 20 Mal zu wiederholen: „Du hast dies für mich getan und es könnte mir nicht gleichgültiger sein!“ Anfangs sagte der Junge den Satz lässig auf, dann aber sprach er ihn langsamer aus und schließlich endete er in Tränen. Für den jungen Mann begann nach dieser Beichte ein Weg der Bekehrung, der ihn irgendwann dahin führte, Erzbischof von Paris zu werden.

[Übersetzung des englischen Originals von P. Thomas Fox LC]