Was uns der heilige Leo der Große heute sagt

Liturgie ist „Vergegenwärtigung unsichtbarer Wirklichkeiten, die im Leben eines jeden wirken“

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ROM, 10. November 2008 (ZENIT.org).- Heute gedenkt die Kirche des heiligen Papstes Leo des Großen. Am vergangenen 5. März hatte Papst Benedikt XVI. seine Katechese während der Mittwochsaudienz seinem Vorgänger gewidmet. Benedikt XIV. hatte Leo den Großen im Jahr 1754 zum Kirchenlehrer proklamiert.



Papst Leo war nach Worten Benedikts XVI. einer der größten Päpste überhaupt, habe er doch sehr viel zur Stärkung der Autorität und des Ansehens des Heiligen Stuhls beigetragen.

Die Zeiten, in denen Papst Leo lebte, seien schwer gewesen. Die geschichtlichen Umstände hätten die Bedeutung und das Ansehen des römischen Bischofssitzes anwachsen lassen. „Berühmt ist vor allem eine Episode aus dem Leben Leos geblieben. Sie geht in das Jahr 452 zurück, als der Papst in Mantua zusammen mit einer römischen Gesandtschaft dem Hunnenkönig Attila begegnete und ihn davon abbrachte, den Invasionskrieg fortzusetzen, durch den er bereits die nordöstlichen Regionen Italiens verwüstet hatte. Und so rettete er den Rest der Halbinsel. Dieses wichtige Ereignis erlangte rasch Denkwürdigkeit und bleibt als ein emblematisches Zeichen des Wirkens dieses Papstes für den Frieden.“

Die Predigten und Briefe Leo des Großen lieferten uns heute einen Überblick über sein Wirken, erklärte Benedikt XVI. im März: „In diesen Texten erscheint der Papst in seiner ganzen Größe, dem Dienst der Wahrheit in der Liebe zugewandt durch einen eifrigen Gebrauch des Wortes, der ihn zugleich als Theologen und Hirt zeigt. Leo der Große, der sich ständig um seine Gläubigen und um das Volk von Rom, aber auch um die Gemeinschaft unter den verschiedenen Kirchen und deren Bedürfnisse sorgte, war ein unermüdlicher Verfechter und Förderer des römischen Primats, indem er als wahrer Erbe des Apostels Petrus auftrat: dass sie sich dessen sehr wohl bewusst waren, zeigten die zahlreichen Bischöfe, zum Großteil aus dem Osten, die sich zum Konzil von Chalzedon versammelt hatten.“

Zu diesem Konzil, das im Jahr 451 unter der Teilnahme von 350 Bischöfen abgehalten wurde, erklärte Benedikt XVI., dass es „die wichtigste Versammlung war“, die bis zu diesem Zeitpunkt in der Geschichte der Kirche stattgefunden habe

„Chalzedon stellt das sichere Ziel der Christologie der drei vorhergehenden ökumenischen Konzilien dar: der Konzilien von Nizäa im Jahr 325, von Konstantinopel 381 und von Ephesus 431. Bereits im 6. Jahrhundert wurden nämlich diese vier Konzilien, die den Glauben der frühen alten Kirche zusammenfassen, mit den vier Evangelien verglichen: Das sagt Gregor der Große in einem berühmten Brief (I,24), in dem er erklärt, ‚die vier Konzilien wie die vier Bücher des heiligen Evangeliums anzunehmen und zu verehren’, da sich auf ihnen – so erklärt Gregor weiter – ‚das Gefüge des heiligen Glaubens wie auf einem quadratischen Felsen erhebt’. Mit der Zurückweisung der Irrlehre des Eutyches, der die wahre menschliche Natur des Sohnes Gottes leugnete, bekräftigte das Konzil von Chalzedon die Einheit der beiden Naturen, der menschlichen und der göttlichen, in seiner einen Person, unvermischt und ungetrennt.“

Im Bewusstsein des historischen Moments, in dem er lebte, und des Übergangs, der sich – in einer Zeit der tiefen Krise – vom heidnischen zum christlichen Rom vollzog, habe es Leo der Große verstanden, dem Volk und den Gläubigen durch Seelsorge und Predigt nahe zu sein. Er habe die Nächstenliebe in einem Rom beseelt, das von Hungersnöten, vom Zustrom der Flüchtlinge, von Ungerechtigkeiten und von Armut gezeichnet war. Außerdem sei er dem heidnischen Aberglauben und dem Wirken der manichäischen Gruppen entgegengetreten. Die Liturgie habe er mit dem alltäglichen Leben der Christen in Verbindung gebracht.

„Insbesondere lehrte Leo der Große seine Gläubigen – und seine Worte gelten noch heute für uns –, dass die christliche Liturgie keine Erinnerung an vergangene Ereignisse ist, sondern die Vergegenwärtigung unsichtbarer Wirklichkeiten, die im Leben eines jeden wirken. Das hebt er in einer Predigt (64,1-2) zum Osterfest hervor, das in jeder Zeit des Jahres ‚nicht so sehr als etwas Vergangenes, als vielmehr als ein Ereignis der Gegenwart’ zu feiern sei. All dies gehört zu einem genauen Plan, betont der heilige Papst: Wie nämlich der Schöpfer mit dem Hauch des vernünftigen Lebens den aus der Erde vom Ackerboden geformten Menschen beseelt hat, so hat er nach der Ursünde seinen Sohn in die Welt gesandt, um dem Menschen die verlorene Würde zurückzugeben und die Herrschaft des Teufels durch das neue Leben aus der Gnade zu zerstören.“