„Was wollt ihr? Lasst zu, dass er euch an die Hand nimmt!“

Papst Benedikt an die Jugendlichen in Kroatien: „Liebe junge Kroaten, ich umarme euch alle als meine Kinder!“

| 1396 klicks

Von Jan Bentz

ZAGREB, 4. Juni 2011 (ZENIT.org). – „Ihr findet euer Glück in der Freundschaft mit ihm!“ So Papst Benedikt XVI. bei der Gebetsvigil mit mehr als 50.000 begeisterten Jugendlichen am heutigen Samstagabend auf dem Bano-Josip-Jelačič-Platz in Zagreb. „Euer Glück verwirklicht sich in der Freundschaft mit ihm, in der Gemeinschaft mit ihm.“

Diese und viele weitere eindringlichen Worte fand Papst Benedikt heute Abend in seiner Ansprache an die vielen tausend jugendlichen Zuhörer, die zu der Gebetsvigil in Zagreb zusammengekommen waren. Eindringliche Worte, gegen den Strom zu schwimmen, sich nicht verwirren zu lassen durch verlockende Versprechungen, durch uneingeschränktes Vertrauen auf das Haben, auf die materiellen Dinge, und dabei die Suche nach der Wahrheit zu vergessen, „die darüber hinausgeht wie ein hoher Stern am Himmel, zu dem Christus euch führen will. Lasst euch zu den Höhen Gottes geleiten!“

Der heilige Paulus habe uns in der Lesung, die vorgetragen wurde, zugerufen: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!" (Phil 4,4). Das sei ein Wort, das das Innere der Menschen erzittern lasse, wenn sie bedächten, dass der Völkerapostel diesen Brief an die Christen von Philippi geschrieben habe, während er sich im Kerker befand und auf seine Verurteilung wartete.

„Er liegt in Ketten, doch die Verkündigung und das Zeugnis des Evangeliums können nicht eingekerkert werden.“

Die Erfahrung des heiligen Paulus zeige, wie es möglich sei, auf dem irdischen Weg auch in dunklen Momenten die Freude zu bewahren. Sehr oft merke man, „dass man sein Vertrauen auf Dinge gesetzt hat, die jenen Wunsch nicht erfüllen und, im Gegenteil, ihre ganze Unzulänglichkeit offenbaren.“

Und in diesen Momenten verspüre man die Notwendigkeit von etwas, das höher reiche:

 „Liebe Freunde, eure Jugend ist eine Zeit, die der Herr euch schenkt, damit ihr den Sinn des Lebens entdeckt!“… „ Diese wunderbare Zeit eures Lebens trägt in sich eine tiefe Sehnsucht, die alles andere nicht etwa aufhebt, sondern es erhebt, um ihm Fülle zu verleihen.“

Im Johannesevangelium habe Jesus an seine ersten Jünger die Frage gerichtet: „Was wollt ihr?" Diese Frage durchlaufe Zeit und Raum und bleibe immer aktuell. Sie stelle sich jedem Menschen, der den rechten Weg suche. Erstaunlicherweise sei es Jesus, der sich an uns wende und frage: Was wollt ihr?“

„Er ist es, der euch sucht, noch bevor ihr ihn sucht! In absolutem Respekt gegenüber eurer Freiheit nähert er sich einem jeden von euch und bietet sich euch an als die authentische und entscheidende Antwort auf jene Sehnsucht, die eurem Wesen innewohnt, auf den Wunsch nach einem Leben, das zu leben sich lohnt.“ Nur in der Freundschaft mit ihm gebe es ein Leben, das sich zu leben lohne.

„Schenkt ihm Vertrauen, er wird euch nie enttäuschen“, so der Heilige Vater. „Nur in der Liebe, in jener Liebe, die das Wohl des anderen sucht, erfahren wir wahrhaft den Sinn des Lebens und sind froh, es zu leben, selbst in Mühen, Prüfungen und Enttäuschungen, auch wenn wir gegen den Strom schwimmen müssen.“

Er habe als Motto für den Weltjugendtag die „markante“ Aussage des heiligen Paulus gewählt: „In Christus verwurzelt und auf ihn gegründet, fest im Glauben" (vgl. Kol 2,7). In dieser festen Verwurzelung könnten Menschen das, was sie seien, in Fülle leben.

„Wenn ihr durch das Wort Gottes, die Eucharistie und die Zugehörigkeit zur Kirche mit Hilfe eurer Priester in der Freundschaft mit dem Herrn wachst, könnt ihr allen die Freude bezeugen, den getroffen zu haben, der euch stets begleitet und euch ruft, in Zuversicht und Hoffnung zu leben. Jesus, der Herr, ist nicht ein Meister, der seine Jünger täuscht: Er sagt deutlich, dass der Weg mit ihm Einsatz und persönliches Opfer erfordert, aber es lohnt sich!“

Das Zeugnis vieler Heiliger und Seliger der Kirche unterstütze gerade auch die Jugendlichen in ihrer Suche. Der Papst erinnerte unter anderen an den heiligen Franziskus und die heilige Klara von Assisi, an die heilige Theresa vom Kinde Jesu und an Domenico Savio als junge Heilige der Kirche. Als kroatischen Seligen erwähnte der Papst Ivan Merz, der zunächst eine akademische Laufbahn begonnen hatte, dann aber im Ersten Weltkrieg mit Zerstörung und Tod konfrontiert, Krisen und geistliches Ringen überwand, stark und fest im Glauben wurde, sich dem Studium der Liturgie widmete und ein intensives Apostolat unter den Jugendlichen begann.

 „Am 10. Mai 1928 starb er nach einigen Monaten der Krankheit im Alter von nur 32 Jahren und opferte sein Leben für die Kirche und für die Jugend auf.“

Am Schluss rief Papst Benedikt alle auf, sich wie Maria ganz dem Herrn anzuvertrauen, Maria, die hier unter dem Titel „Majka Boja od Kamenutih vrata" („Muttergottes vom Steinernen Tor") verehrt und geliebt werde. Maria habe sich nicht gefürchtet, sich ganz dem Herrn anzuvertrauen; in ihr sähen wir, wozu wir berufen seien: zur vollkommenen Gemeinschaft mit dem Herrn.

 „Liebe junge Kroaten, ich umarme euch alle als meine Kinder! Ich trage euch im Herzen und hinterlasse euch meinen Segen. 'Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!' Seine Freude, die Freude der wahren Liebe, sei eure Stärke. Amen.”