Wasser ist ein Menschenrecht, nicht nur ein Wirtschaftsgut: Papstbotschaft zur EXPO 2008

Eingeschränkter Zugriff auf Trinkwasser kann Krankheit, Leiden, Konflikt, Armut und sogar Tod verursachen

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ROM, 15. Juli 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Botschaft, die Papst Benedikt XVI. aus Anlass der Expo 2008 in Zaragoza (Spanien) an alle Menschen richtet, die bis zum 14. September den Stand des Heiligen Stuhls aufsuchen werden.

Die Weltausstellung ist dem Thema „Wasser und nachhaltige Entwicklung" gewidmet.

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An Herrn Kardinal
Renato Raffaele Martino,
Vertreter des Heiligen Stuhls für den „Tag des Heiligen Stuhls“
bei der internationalen Weltausstellung in Zaragoza

Es ist mir eine Freude, allen, die in diesen Tagen die Expo Zaragoza 2008 besuchen, eine Botschaft des Glaubens und der Hoffnung zukommen zu lassen. Die Expo ist den komplexen Fragestellungen gewidmet, die mit der Bedeutung des Wassers für das Leben des Menschen und der Beibehaltung des Gleichgewichts zwischen den unterschiedlichen Elementen unserer Welt zu tun haben. Der Heilige Stuhl wollte auf der Expo mit einem Stand vertreten sein, der gemeinsam mit der Erzdiözese Zaragoza vorbereitet wurde. Ihr möchte ich für ihren großzügigen Einsatz danken, passende kulturelle Initiativen zu organisieren, die den Besucher zum unermesslichen Reichtum an Spiritualität, Kunst und sozialer Weisheit hinführen, der vom Wasser inspiriert ist und den die katholische Kirche bewahrt hat.

Wir müssen uns vor Augen halten, dass das Wasser – grundlegendes und unentbehrliches Gut, das der Herr dem Menschen gab, um das Leben zu erhalten und es in seiner Entwicklung zu fördern – heute bedauerlicherweise aufgrund von Verfolgung und durch den Druck vielfältiger sozialer und wirtschaftlicher Faktoren als ein Gut betrachtet wird, das durch klar definierte nationale und internationale politische Richtlinien besonders geschützt und entsprechend vernünftiger Kriterien der Solidarität und Verantwortung verwendet werden muss.

Der Wassergebrauch – er wird als universales und unveräußerliches Recht geschätzt – ist eng mit den wachsenden und dringlichen Nöten jener Menschen verknüpft, die in Armut leben. Dabei gilt es, sich dessen bewusst zu sein, dass der eingeschränkte Zugriff auf Trinkwasser „das Wohlergehen einer gewaltigen Zahl von Personen“ beeinträchtigt und „oft Ursache von Krankheiten, Leiden, Konflikten, Armut und sogar Tod“ ist (Päpstlicher Rat „Gerechtigkeit und Frieden“, Kompendium der Soziallehre der Kirche, Nr. 484). In Bezug auf das Recht auf Wasser muss zudem hervorgehoben werden, dass es sich um ein Recht handelt, das sein Fundament in der Würde der menschlichen Person hat. Von dieser Perspektive aus sind die Haltungen all derer aufmerksam zu prüfen, die der Meinung sind, dass das Wasser nur ein Wirtschaftsgut wäre, und es entsprechend behandeln. Der Wassergebrauch muss rational und solidarisch sein, Frucht einer ausgeglichenen Synergie zwischen öffentlichem und privatem Sektor.

Die Tatsache, dass das Wasser heutzutage als ein überwiegend materielles Gut betrachtet wird, soll nicht die religiösen Bedeutungen in Vergessenheit geraten lassen, die die gläubige Menschheit und insbesondere das Christentum aus ihm heraus entwickelt haben. Dadurch haben sie ihm eine große Bedeutung als kostbares immaterielles Gut gegeben, das das Leben des Menschen auf dieser Erde immer bereichert. Wie könnte man sich in diesem Zusammenhang nicht an die suggestive Botschaft aus der Heiligen Schrift erinnern, in der das Wasser als Symbol der Reinigung (vgl. Ps 50,4; Joh 13,8) und des Lebens (vgl. Joh 3,5; Gal 3,27) behandelt wird?

Die volle Wiedererlangung dieser spirituellen Dimension ist Garant und Voraussetzung dafür, dass man sich angemessen mit den ethischen, politischen und wirtschaftlichen Problemen befassen kann, die den komplexen Umgang mit dem Wasser seitens so vieler Interessensgruppen beeinflussen, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.

Mit den besten Wünschen, dass die Expo in Zaragoza in allen, die sie besuchen, entsprechende Überlegungen wachrufe, und in den zuständigen Behörden angemessene Entscheidungen zugunsten dieses Gutes begünstige, das für das Leben des Menschen auf Erden von so vitaler Bedeutung ist, schicke ich allen als Zeichen der überreichen himmlischen Gaben den Apostolischen Segen.

Vatikan, 10. Juli 2008

BENEDICTUS PP. XVI

[ZENIT-Übersetzung des englischen Orginals; © Copyright 2008 – Libreria Editrice Vaticana]