Weder trennbar noch einander entgegenzusetzen: Benedikt XVI. über Glaube und Vernunft

Katechese über den heiligen Augustinus und die Wahrheitssuche

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ROM, 30. Januar 2008 (ZENIT.org).- Während der heutigen Generalaudienz setzte sich Papst Benedikt XVI. im dritten Teil seiner Katechesenreihe über den heiligen Augustinus mit einem der intellektuellen und geistlichen Hauptthemen des Kirchenvaters auseinander: dem Verhältnis von Glaube und Vernunft. Die Katechesenreihe über Augustinus wird am Aschermittwoch ihren Abschluss finden. Der Heilige Vater wird bei dieser Gelegenheit näher auf das Thema Bekehrung eingehen.



Der intellektuelle und geistliche Weg des heiligen Bischofs von Hippo stellt für den Papst ein nach wir vor „gültiges Modell für das Verhältnis zwischen Glaube und Vernunft“ dar. Dies sei ein Thema „nicht nur für die gläubigen Menschen“, sondern für jeden Menschen, der die Wahrheit suche, was seine innere Harmonie und Schicksal zutiefst betreffe.

Benedikt XVI. erinnerte an den Apostolischen Brief Johannes Pauls II. Augustinum Hipponensem, mit dem sein direkter Vorgänger seinen Dank für das Geschenk der Bekehrung des Heiligen zum Ausdruck bringen wollte.

„Glaube und Vernunft“ sei ein für die Biographie des Augustinus entscheidendes Thema. Seine radikale Wahrheitssuche habe dazu geführt, „dass er sich nicht mit Philosophien begnügen konnte, die nicht zur Wahrheit selbst vordrangen, die nicht bis zu Gott vordrangen“. Dieser Gott sollte für Augustinus nicht nur eine kosmologische Hypothese sein, sondern ein Gott, der in unsere Leben eintritt.

Der Papst zitierte die berühmten Worte des Augustinus: „crede ut intelligas – Glaube, um zu verstehen“, und „intellige ut credas – Verstehe, um zu glauben“, und bekräftigte: Glaube und das Ergründen der Wahrheit seien nicht voneinander zu trennen.

Diese Synthese des Augustinus sei bezeichnend für den geschichtlichen Weg der katholischen Kirche. Bereits vor der Ankunft Christi habe sich im hellenistischen Judentum eine solche Synthese eingestellt. Später hätten viele christliche Denker diese Synthese erneut aufgegriffen und weiterentwickelt.

Einklang von Glaube und Vernunft bedeute vor allem, „dass Gott nicht fern ist“. Die Gegenwart Gottes im Menschen sei für Augustinus „tief und gleichzeitig geheimnisvoll“, könne aber im Innern des Menschen erkannt werden. Die Ferne Gottes komme daher einer Ferne von uns selbst gleich. Benedikt XVI. zitierte in diesem Zusammenhang das berühmte Wort des Augustinus aus seinen „Bekenntissen“ (III, 6, 11): „Du aber warst noch innerer als mein Innerstes und höher als mein Höchstes.“

Der Mensch sei für Augustinus „Rätsel und Abgrund“, das nur vom Licht Christi erhellt und gerettet werden könne. Denn: „Ein Mensch, der fern ist von Gott, ist auch fern von sich selbst, seiner selbst entfremdet, und kann sich selbst nur dann finden, wenn er Gott begegnet. So kommt er au zu sich selbst, zu seinem wahren Ich, zu seiner wahren Identität.“

Nur Christus, der einzige Vermittler, befreie wirklich. Als einziger Vermittler sei Christus „das Haupt der Kirche und mit ihr mystisch vereint“. Kirche sei für Augustinus eng an den Leib Christi gebunden. Die Kirche, Volk Gottes im christologischen Sinn, müsse daher wirklich in Christus eingegliedert sein.

Benedikt XVI. zitierte die Frage Johannes Pauls II., was Augustinus den Menschen unserer Zeit zu sagen habe. Die Antwort sei in einem Wort des Heiligen zu finden: „Mir scheint, die Menschen müssten sich auf die Hoffnung zurückziehen, die Wahrheit zu finden.“

Augustinus sei wahrhaft Gott begegnet, was sein ganzes Sein verändert habe, so Benedikt XVI. Der Papst endete seine Katechese mit einem der der schönsten und berühmtesten Gebete, das den „Bekenntnisse“ entnommen ist.

„Spät habe ich dich geliebt, o Schönheit, so alt und doch immer neu, spät habe ich dich geliebt. Und siehe, du warst in meinem Innern und ich draußen; und draußen suchte ich dich und stürzte mich in meiner Hässlichkeit auf die schönen Gebilde, die du geschaffen. Du warst bei mir, aber ich nicht bei dir. Weit weg von dir zog mich, was doch keinen Bestand hätte, wenn es nicht in dir wäre. Du hast mich laut gerufen und meine Taubheit zerrissen; du hast geblitzt und geleuchtet und meine Blindheit verscheucht. Du hast mir süßen Duft zugeweht; ich habe ihn eingesogen, und nun seufze ich nach dir. Ich habe dich geschmeckt, und nun hungere und dürste ich nach dir. Du hast mich berührt, und ich bin entbrannt in deinem Frieden“ (X 27, 38).