"Wegschauen ist keine Option"

Evangelische und katholische Kirche in Deutschland zum Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen

Rom - Bonn, (DBK PM) | 297 klicks

Angesichts der verzweifelten Lage der syrischen Flüchtlinge rufen die evangelische und die katholische Kirche in Deutschland mit ihren Hilfseinrichtungen Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas international zum Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen am 20. Juni 2014 dazu auf, das Leid und die Not der hilfsbedürftigen Menschen im Nahen Osten nicht zu vergessen. 

„Der blutige Konflikt in Syrien, der in den vergangenen Tagen auch auf den Irak übergegriffen hat, ist die größte humanitäre Katastrophe der vergangenen zehn Jahre. Tagtäglich nimmt die Zahl der getöteten, verletzten und traumatisierten Menschen zu“, erklärt der Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Norbert Trelle (Hildesheim). „Im vierten Jahr des Krieges droht trotz aller Medienberichte die Not der betroffenen Menschen aus dem Blick zu geraten. Es scheint, als gewöhnten wir uns an das Leid. Aber Wegschauen ist keine Option. Hilfe ist angesichts der militärischen Eskalation in der Region jetzt dringender denn je“, sagt Kirchenpräsident Volker Jung, der Vorsitzende der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). 

Mehr als 150.000 Menschen sind bei den Kämpfen in Syrien bislang ums Leben gekommen, etwa neun Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht. Jeder zweite Syrer ist inzwischen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Situation in der Region wird zusätzlich dadurch verschärft, dass im Irak Schätzungen zufolge derzeit etwa 500.000 Menschen auf der Flucht vor den vorrückenden militanten Islamisten sind. 

Kirchenpräsident Jung und Bischof Trelle äußern sich auch zum Beschluss der Innenministerkonferenz der vergangenen Woche, weitere 10.000 syrische Flüchtlinge nach Deutschland zu holen: „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung und wir hoffen, dass diesem in Deutschland und Europa noch weitere folgen werden.“ 

„Genauso dringlich wie die Hilfe in Deutschland ist die Unterstützung für diejenigen, die nicht in Europa Schutz gefunden haben. Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe können und müssen wir als Kirche und als Gesellschaft hier noch mehr tun“, stellt Kirchenpräsident Jung fest. Mit der ökumenischen Sommeraktion „Die größte Katastrophe ist das Vergessen“ erinnern Caritas international und Diakonie Katastrophenhilfe an die verzweifelte Lage der Syrer. Mit einer gemeinsamen Initiative starten an diesem Freitag die beiden von den christlichen Kirchen mit der Katastrophenhilfe beauftragten Hilfswerke eine Solidaritätsaktion, die bis zum 19. August 2014 (Tag der Humanitären Hilfe) dauert. Kirchenpräsident Jung und Bischof Trelle appellieren an die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, in den kommenden Wochen verstärkt auf die Arbeit der Hilfswerke in der Region aufmerksam zu machen und diese finanziell zu unterstützen. „Viele Christen und Gemeinden lassen sich von der Not der Menschen berühren und setzen sich persönlich und finanziell für Flüchtlinge – nicht nur aus der Krisenregion im Nahen Osten – ein. Das ist ermutigend und zeigt die in Deutschland vorhandene Bereitschaft zu praktischer Solidarität“, würdigt Bischof Trelle die bereits geleistete Hilfe. 

Beide Hilfswerke sind in der Versorgung der Opfer des Bürgerkrieges in Syrien, in der Türkei, im Irak, in Jordanien und im Libanon engagiert. Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, kümmert sich um Gewaltopfer in Syrien, u. a. in Damaskus, Aleppo, Hassaké und am Küstenstreifen des Mittelmeeres. In Jordanien und im Libanon haben die regionalen Caritasverbände entlang der syrischen Grenze zahlreiche Flüchtlingszentren eingerichtet. Sie helfen den Menschen, bei Verwandten oder in gemieteten Wohnungen statt im Flüchtlingslager unterzukommen und vergeben Mietzuschüsse. Kinder erhalten die Möglichkeit, wieder zur Schule zu gehen. Die Caritas Irak hat unterdessen mit der Versorgung der aus Mossul geflohenen Familien begonnen. In mehreren Sozial- und Gesundheitszentren der Caritas finden die Flüchtlinge Schutz und Aufnahme. 

Die Diakonie Katastrophenhilfe hilft zusammen mit ihren Partnern unter anderem mit Unterkünften, Nahrungsmitteln oder Einkaufsgutscheinen, Kleidung, Hygieneartikeln, Matratzen, Decken, Öfen, Mietzuschüssen, Schulmaterial und sonstigem Alltagsbedarf. Daneben fördert die Diakonie Katastrophenhilfe Gemeindezentren, in denen Sozialarbeiter den Flüchtlingen helfen, ihre Kriegstraumata zu bewältigen. 

Hinweis:

Spenden für Syrien unter dem Stichwort: Nothilfe Syrien

Caritas international, Freiburg, Spendenkonto 202 bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe BLZ 660 205 00, IBAN Nr.: DE04660205000000000202, BIC: BFSWDE33KRL.

Diakonie Katastrophenhilfe, Berlin, Spendenkonto 502 502 bei der Evangelischen Darlehnsgenossenschaft Kiel, BLZ 210 602 37, IBAN: DE26210602370000502502, BIC: GENODEF1EDG.