Wegweiser des Papstes für Verlobte

Wahre Liebe ist ein Widerschein der Liebe Gottes

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ANCONA, 15. September 2011 (ZENIT.org). – Im Rahmen des Nationalen Eucharistischen Kongresses in Ancona fand auch eine Begegnung des Papstes mit Verlobten statt. In seiner Ansprache nach dem Grußwort des Erzbischofs von Ancona-Osimo, Seiner Eminenz Msgr. Edoardo Menichelli, dem anschließenden Zeugnis und den Fragen eines verlobten Paares – Massimiliano und Fabiana – und der Lesung eines Abschnitts aus dem Evangelium ermutigte der Heilige Vater die Paare, sich nicht auf einen „Gleichklang der Empfindungen, Stimmungen und Gefühlen“ zu konzentrieren, sondern einen hohen Lebensplan gemeinsam zu verwirklichen.

Mit Bezug auf das erste Wunder Jesu bei der Hochzeit von Kana warnte der Papst vor den Gefahren dieser Zeit. Der Tisch sei mit „so vielen, leckeren Dingen beladen“, aber der Wein drohe auszugehen. Die Schwierigkeiten, eine feste Arbeit zu finden, lege einen Schleier der Ungewissheit über die Zukunft, die die Gefahr berge, feste Entscheidungen hinauszuschieben, was in Wirklichkeit keine Freiheit, sondern einen Mangel darstelle.  Da der Relativismus die wesentlichen Werte angreife,  breite sich eine Orientierungslosigkeit ohne feste moralische Kriterien aus. Eine oberflächliche Verherrlichung des Körpers banalisiere in Wirklichkeit die Sexualität und neige dazu, sie außerhalb des Kontextes einer Lebens- und Liebesgemeinschaft erleben zu lassen. All diese Gefahren der Zeit führten dazu, wie bei der Hochzeit von Kana im Evangelium, „ein Fest ohne Wein“ zu feien.

Der Papst ermutigte die Paare, sich diesen Herausforderungen zu stellen, im Vertrauen auf die Liebe Gottes und die Unterstützung der Kirche. Sie wisse, „dass ihr nach Werten dürstet, nach jenen wahren Werten, auf denen es sich lohnt, euer Haus aufzubauen!“ Diese seien die Werte des Glaubens, der Person, der Familie, der menschlichen Beziehungen, der Gerechtigkeit. Auch angesichts des Mangels sollte sich die Brautleute nicht „die Freude am Tisch des Lebens“ auslöschen lassen. Marias Worte „Was er euch sagt, das tut“, seien der Schatz, den es zu hüten gelte, um immer die Festfreude zu behalten.

Die Verlobungszeit öffne für das Wunder der Begegnung und lasse die Schönheit entdecken, für jemanden kostbar zu sein. „ Lebt diesen Weg intensiv, schrittweise und wahrhaftig. Verzichtet nicht darauf, einem hohen Ideal der Liebe, dem Widerschein und Zeugnis der Liebe Gottes, zu folgen!“

Die Beziehung solle aber nicht zu einer „intimistischen Verschließung“ führen, sondern zum Sauerteig werden, aktiv in die Gemeinschaft hineinzuwirken.

Liebe verlange aber auch einen Reifungsprozess, um authentisch zu werden: „Ausgehend von der anfänglichen Anziehung und dem ‚Sich-Wohlfühlen‘ beim anderen, erzieht euch zum ‚Wohlwollen‘ dem anderen gegenüber und dazu, dem anderen ‚das Gute zu wollen‘. Die Liebe lebt von der Unentgeltlichkeit, von der Selbstaufopferung, von der Vergebung und vom Respekt gegenüber dem anderen.“

Jede menschliche Liebe sei ein Zeichen für die ewige Liebe, die den Menschen erschaffen habe. Sie heilige die menschliche Entscheidung, das Leben in der Ehe füreinander hinzugeben.

„Lebt diese Verlobungszeit in der vertrauensvollen Erwartung dieses Geschenkes, das empfangen wird, indem man einen Weg des Kennenlernens, des Respektes und der Aufmerksamkeiten durchschreitet, den ihr niemals verlieren dürft: Nur unter dieser Bedingung wird die Sprache der Liebe im Lauf der Jahre bedeutungsvoll bleiben.“

Es gelte, sich zur Freiheit der Treue zu erziehen und sich darauf vorzubereiten, mit Überzeugung das „für immer“ zu wählen, das die Liebe kennzeichne: „Die Unauflöslichkeit ist, bevor sie eine Bedingung ist, ein Geschenk, das ersehnt, verlangt und gelebt werden muss, jenseits aller unbeständigen, menschlichen Situationen.“

Der Heilige Vater warnte davor, im vorzeitigen Zusammenleben eine Garantie für die Zukunft zu sehen. Ein „Niederbrennen“ der einzelnen Schritte ende in einem „Niederbrennen der Liebe“. In der Liebe müssten die einzelnen Schritte und schrittweisen Ausdrucksformen beachtet werden, um wahrhaft authentisch zu werden.

„Sie braucht es, Christus Raum zu geben, der fähig ist, eine menschliche Liebe treu, glücklich und unauflöslich zu machen“, so der Papst.

Die Treue und die Beständigkeit der Liebe befähigten dazu, auch für das Leben und für die Elternschaft offen zu sein. Treue, Unauflöslichkeit und die Weitergabe des Lebens seien die Stützpfeiler jeder Familie, des wahren Allgemeinwohls und des wertvollen Erbes für die ganze Gesellschaft.

Besonders hervorheben wollte Papst Benedikt am Ende seiner Ansprache, dass „wahre Liebe Unendliches verspreche.“ Aus der Zeit der Ehevorbereitung solle ein Weg des Glaubens werden.

„Entdeckt neu für euer Leben als Eheleute die zentrale Bedeutung Jesu Christi und des Lebens in der Kirche. Maria lehrt uns, dass das Wohl aller vom bereitwilligen Hören des Wortes des Sohnes abhängt.“

Wer ihm vertraue, in dem wandle sich das Wasser des täglichen Lebens in einen Wein der Liebe, der das Leben gut, schön und fruchtbar mache.

„Vernachlässigt nicht die lebenswichtige Bedeutung dieser Begegnung: Nehmt an der sonntäglichen, liturgischen Versammlung vollständig teil: Aus der Eucharistie entspringen der christliche Sinn des Lebens und eine neue Lebensweise (vgl. Nachsynodales, Apostolisches Schreiben „Sacramentum caritatis“, 72-73)“, betonte der Papst.

„Fürchtet euch nicht, in dieses ‚große Geheimnis‘ einzutreten, in dem zwei Personen ein Fleisch werden“ (vgl. Eph 5,31-32).

Wir dokumentieren den Wortlaut der Rede in einer eigenen deutschen Übersetzung:

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Liebe Verlobte!

Ich freue mich, diesen intensiven Tag, den Höhepunkt des Nationalen Eucharistischen Kongresses, zu beschließen, indem ich euch treffe, als ob ich eurem jungen Leben das Erbe dieses gnadenhaften Ereignisses anvertrauen wollte. Die Eucharistie - das Geschenk Christi zum Heil der Welt - zeigt und enthält den wahren Horizont der Erfahrung, die ihr durchlebt: Die Liebe Christi als Fülle der menschlichen Liebe. Ich danke dem Erzbischof von Ancona-Osimo, Msgr. Edoardo Menichelli, für seinen herzlichen und lieben Gruß und euch allen für diese lebhafte Beteiligung. Ich danke euch auch für die Fragen, die ihr mir gestellt habt und die ich aufnehme, indem ich auf die Gegenwart des Herrn mitten unter euch vertraue: Er allein hat Worte des ewigen Lebens, Worte des Lebens für euch und für eure Zukunft!

Die Fragen, die ihr mir gestellt habt, gewinnen im aktuellen gesellschaftlichen Zusammenhang ein noch größeres Gewicht. Ich möchte euch nur einige Orientierungen für eine Antwort anbieten. In gewisser Hinsicht ist unsere Zeit nicht einfach, besonders für euch junge Menschen. Der Tisch ist mit so vielen, leckeren Sachen beladen, aber es scheint – wie bei der Hochzeit zu Kana im Evangelium -, dass der Wein für das Fest ausgeht. Vor allem die Schwierigkeit, eine feste Arbeit zu finden, breitet einen Schleier der Ungewissheit über die Zukunft. Dieser Umstand trägt dazu bei, endgültige Entscheidungen aufzuschieben, und wirkt sich negativ auf das Wachstum der Gesellschaft aus, die es nicht schafft, den Reichtum eurer Generation an Energien, Kompetenzen und Kreativität in vollem Maße wertzuschätzen.

Der Wein für das Fest fehlt auch in einer Kultur, die dazu neigt, von klaren moralischen Kriterien abzusehen: In der Orientierungslosigkeit ist jeder gedrängt, sich in individueller und autonomer Weise zu bewegen, oftmals nur im Rahmen der Gegenwart. Die Fragmentierung des gemeinschaftlichen Lebens spiegelt sich in einem Relativismus wider, der die wesentlichen Werte angreift. Der Gleichklang der Empfindungen, Stimmungen und Gefühle scheint wichtiger als das Teilen eines Lebensplans zu sein. Auch die grundlegenden Entscheidungen werden somit zerbrechlich und einer ständigen Widerrufbarkeit ausgesetzt, die oft als ein Ausdruck von Freiheit angesehen wird, während sich darin eher ein Mangel zeigt. Zu einer Kultur ohne den Wein für das Fest gehört auch die scheinbare Verherrlichung des Körpers, die in Wirklichkeit die Sexualität banalisiert und dazu neigt, sie außerhalb des Kontextes einer Lebens- und Liebesgemeinschaft erleben zu lassen.

Liebe Jugendliche, habt keine Angst, diesen Herausforderungen entgegenzutreten! Verliert niemals die Hoffnung. Habt Mut, auch in den Schwierigkeiten, und bleibt fest im Glauben. Seid gewiss, dass ihr unter allen Umständen geliebt und beschützt seid durch Gottes Liebe, die unsere Kraft ist. Gott ist gut. Daher ist es wichtig, dass die Begegnung mit Gott, vor allem im persönlichen und gemeinschaftlichen Gebet, beständig und treu ist, genauso wie der Weg eurer Liebe: Gott lieben und spüren, dass er mich liebt. Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes! Seid zudem gewiss, dass auch die Kirche euch nahe ist, euch unterstützt, nicht aufhört, mit großem Vertrauen auf euch zu schauen. Sie weiß, dass ihr nach Werten dürstet, nach jenen wahren Werten, auf denen es sich lohnt, euer Haus aufzubauen! Der Wert des Glaubens, der Person, der Familie, der menschlichen Beziehungen, der Gerechtigkeit. Lasst euch nicht angesichts des Mangels entmutigen, der die Freude am Tisch des Lebens auszulöschen scheint. Als bei der Hochzeit zu Kana der Wein auszugehen begann, lud Maria die Diener ein, sich an Jesus zu wenden, und gab ihnen eine genaue Anweisung: „Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,5). Hütet den Schatz dieser Worte, der letzten Worte Mariens, die in den Evangelien gleichsam als ihr geistliches Testament überliefert sind, und ihr werdet immer Festfreude haben: Jesus ist der Wein des Festes!

Als Verlobte erlebt ihr eine einzigartige Zeit, die für das Wunder der Begegnung öffnet und die Schönheit entdecken lässt, zu leben und für jemanden kostbar zu sein, euch gegenseitig sagen zu können: Du bist für mich wichtig. Lebt diesen Weg intensiv, schrittweise und wahrhaftig. Verzichtet nicht darauf, einem hohen Ideal der Liebe, dem Widerschein und Zeugnis der Liebe Gottes, zu folgen! Aber wie könnt ihr diese Phase eures Lebens leben und die Liebe in der Gemeinschaft bezeugen? Ich möchte euch vor allem raten zu vermeiden, euch in intimistischen Beziehungen zu verschließen, die in fälschlicher Weise beruhigen. Macht es lieber so, dass eure Beziehung zum Sauerteig einer aktiven und verantwortlichen Gegenwart in der Gemeinschaft wird. Vergesst außerdem nicht, dass auch die Liebe, um authentisch zu sein, einen Weg der Reifung verlangt. Ausgehend von der anfänglichen Anziehung und dem „Sich-Wohlfühlen“ beim anderen, erzieht euch zum „Wohlwollen“ dem anderen gegenüber und dazu, dem anderen „das Gute zu wollen“. Die Liebe lebt von der Unentgeltlichkeit, von der Selbstaufopferung, von der Vergebung und vom Respekt gegenüber dem anderen.

Liebe Freunde, jede menschliche Liebe ist ein Zeichen für die ewige Liebe, die uns erschaffen hat und deren Gnade die Entscheidung von Mann und Frau heiligt, das Leben in der Ehe füreinander hinzugeben. Lebt diese Verlobungszeit in der vertrauensvollen Erwartung dieses Geschenkes, das empfangen wird, indem man einen Weg des Kennenlernens, des Respektes und der Aufmerksamkeiten durchschreitet, den ihr niemals verlieren dürft: Nur unter dieser Bedingung wird die Sprache der Liebe im Lauf der Jahre bedeutungsvoll bleiben. Erzieht euch ab jetzt auch zur Freiheit der Treue, die dazu führt, sich gegenseitig zu schützen, bis dahin, dass einer für den anderen lebt. Bereitet euch darauf vor, mit Überzeugung das „für immer“ zu wählen, das die Liebe kennzeichnet: Die Unauflöslichkeit ist, bevor sie eine Bedingung ist, ein Geschenk, das ersehnt, verlangt und gelebt werden muss, jenseits aller unbeständigen, menschlichen Situationen. Und denkt nicht - im Sinne einer verbreiteten Mentalität -, dass das Zusammenleben eine Garantie für die Zukunft ist. Ein Niederbrennen der Schritte endet im „Niederbrennen“ der Liebe. Sie braucht es dagegen, die Zeiten und schrittweisen Ausdrucksformen zu beachten. Sie braucht es, Christus Raum zu geben, der fähig ist, eine menschliche Liebe treu, glücklich und unauflöslich zu machen. Die Treue und die Beständigkeit eurer Liebe werden euch dazu befähigen, auch für das Leben und für die Elternschaft offen zu sein. Die Stabilität eurer Einheit im Ehesakrament erlaubt den Kindern, die Gott euch geben will, im Vertrauen auf das Gute im Leben aufzuwachsen. Treue, Unauflöslichkeit und die Weitergabe des Lebens sind die Stützpfeiler jeder Familie, des wahren Allgemeinwohls und des wertvollen Erbes für die ganze Gesellschaft. Gründet ab jetzt euren Weg zur Ehe auf ihnen und bezeugt ihn auch euren Altersgenossen: Das ist ein wertvoller Dienst! Seid dankbar denen gegenüber, die euch mit viel Engagement, Kompetenz und Verfügbarkeit in der Vorbereitung begleiten: Sie sind ein Zeichen der Aufmerksamkeit und Sorge, die die christliche Gemeinschaft euch widmet. Ihr seid nicht allein: Sucht die Begleitung der Kirche und nehmt sie an.

Ich möchte noch zu einem wesentlichen Punkt kommen: Die Erfahrung der Liebe trägt in sich die Ausrichtung auf Gott. Die wahre Liebe verspricht Unendliches! Macht daher aus eurer Zeit der Ehevorbereitung einen Weg des Glaubens: Entdeckt neu für euer Leben als Eheleute die zentrale Bedeutung Jesu Christi und des Lebens in der Kirche. Maria lehrt uns, dass das Wohl aller vom bereitwilligen Hören des Wortes des Sohnes abhängt. Wer ihm vertraut, in dem wandelt sich das Wasser des täglichen Lebens in einen Wein der Liebe, der das Leben gut, schön und fruchtbar macht. Kana ist die Ankündigung und Vorwegnahme des Geschenkes des neuen Weines der Eucharistie, des Opfers und Mahles, in dem der Herr uns begegnet, erneuert und verwandelt. Vernachlässigt nicht die lebenswichtige Bedeutung dieser Begegnung: Nehmt an der sonntäglichen, liturgischen Versammlung vollständig teil: Aus der Eucharistie entspringen der christliche Sinn des Lebens und eine neue Lebensweise (vgl. Nachsynodales, Apostolisches Schreiben „Sacramentum caritatis“, 72-73). Habt also keine Angst, die anspruchsvolle Verantwortung der Entscheidung für die Ehe anzunehmen. Fürchtet euch nicht, in dieses „große Geheimnis“ einzutreten, in dem zwei Personen ein Fleisch werden (vgl. Eph 5,31-32).

Liebe Jugendliche, ich vertraue euch dem Schutz des heiligen Joseph und der heiligsten Maria an. Wenn ihr der Einladung der jungfräulichen Mutter „Was er euch sagt, das tut“ folgt, wird euch niemals der Genuss des wahren Festes fehlen und ihr werdet den besseren „Wein“ zu bringen wissen, jenen, den Christus für die Kirche und die Welt schenkt. Ich möchte euch auch sagen, dass ich euch nahe bin und all jenen, die wie ihr diesen wunderbaren Weg der Liebe leben. Ich segne euch von ganzem Herzen!

[ZENIT-Übersetzung aus dem Italienischen © Copyright 2011 - Libreria Editrice Vaticana]