Weihbischof Losinger über die Bedeutung des Kreuzes im öffentlichen Raum

"Das richtige menschenwürdige Maß bewahren und sich nicht überheben"

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 296 klicks

Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger legte in einem Beitrag in der Katholischen Sonntagszeitung dar, weshalb dem Kreuz als religiösem Symbol im öffentlichen Raum große Bedeutung zukomme. Hintergrund ist die nach der Äußerung des SPD-Spitzenkandidats für die Europawahl, Martin Schulz, entbrannte Diskussion, dass religiöse Symbole nicht in den öffentlichen Raum gehörten, da dieser neutral bleiben müsse. Seit dem Bundesverfassungsgerichtsurteil vom 16. Mai 1995 ist mit dem sog. „Kruzifixurteil“ festgesetzt, dass Kreuze aus den Klassenzimmern zu entfernen seien.

Die jüngste Debatte habe erneut Fragen zur Bedeutung des Kreuzes aufkommen lassen: „Welche Bedeutung hat das Kreuz für uns? Warum brauchen wir das Kreuz? Und in welchen Räumen?“ Nach Weihbischof Losinger ist die Präsens des Kreuzes in Schulen, Krankenhäusern und im Alltag wichtig.

Zur Bedeutung des Kreuzes im schulischen Umfeld erklärte der Weihbischof: „Denn vor allem junge Menschen suchen heute Orientierung und Halt! Wo sie keine Antworten bekommen, entsteht geistige Not. Da gerät unsere Gesellschaft in dramatische Schieflagen! Gerade in diesen Tagen, da uns Amoktaten an unseren Schulen aufschrecken, wird uns so deutlich wie selten bewusst, wie wichtig tragende geistige Maßstäbe für das Leben junger Menschen sind… Gerade Kinder und junge Menschen von heute brauchen dringender denn je Antworten auf die Sinnfragen, die Leidfragen ihres Lebens sind. Sie brauchen religiöse Zuwendung, sie brauchen Religionsunterricht und sie brauchen ein Gesicht, in das sie blicken können in ihren Zweifeln und auch Ängsten, die eben nicht pädagogisch und psychologisch geglättet werden können. Dafür steht das Kreuz in unseren Klassenzimmern, dafür steht das Gesicht des liebenden, mitleidenden Christus!“

In Krankenhäusern sei die Gegenwart des Kreuzes unablässig, weil es Orte des Leids und der Krankheit seien. „Trotz all der Möglichkeiten modernster Wissenschaft und Technik, trotz höchster medizinischer Kunst werden wir die Hinfälligkeit des Leidens nie beseitigen. Leiden, Krankheit und Tod, das gehört unentrinnbar tief hinein in unsere menschliche Existenz.“ Gleichzeitig hätten gentechnische Verfahren, die Embryonenforschung, Präimplantationsdiagnostik, die Fragen nach dem Beginn und dem Ende des menschlichen Lebens, der Kampf um den Schutz des unantastbaren Lebensrechtes der Person viele Fragen und Probleme aufgeworfen. Ein weiteres bedeutendes Thema sei die aktive Sterbehilfe.

„Aber alle die theoretischen Lösungen werden in dieser Situation zweitrangig, wenn Menschen keinen Halt und wirklichen Trost finden… Darum brauchen wir das Kreuz in unseren Krankenzimmern, in den Pflegeheimen und zuhause, wo Menschen von Angehörigen gepflegt werden, damit kranke und sterbende Menschen mit Hoffnung auf den leidenden Christus blicken können, und in liebender menschlicher Zuneigung leben und auch sterben dürfen, wenn es an der Zeit ist.“ Deshalb lehne die Kirche kommerzielle Sterbehilfeorganisationen, „Praktiken, die allesamt ein Geschäft mit dem Tod machen“, ärztlich assistierten Suizid und Tötung auf Verlangen ab.

Das Kreuz im Alltag sei wichtig, „damit die Menschen das richtige menschenwürdige Maß bewahren und sich nicht überheben über die Würde des anderen. Das Kreuz ist wichtig, damit wir immer wieder die eigene Endlichkeit und Begrenztheit realisieren, gegen die Kreuzigung und Erniedrigung des Nächsten! Das Kreuz in unseren Lebensräumen ist wichtig, damit uns an den Kreuzungspunkten unserer Existenz, auch in der Not und im Leid, die Hoffnung bewahrt bleibt. Das macht den Unterschied!“

Weihbischof Losinger erinnerte an die Worte von Benedikt XVI. beim 23. Weltjugendtag in Sydney: „Liebe junge Freunde,“ sagt der Papst, „erlaubt mir, Euch jetzt eine Frage zu stellen. Was werdet Ihr der nächsten Generation hinterlassen? Baut Ihr Euer Leben auf festen Fundamenten und errichtet Ihr etwas, das Bestand haben wird? Lebt Ihr Euer Leben auf eine Weise, die inmitten einer Welt, die Gott vergessen will oder ihn im Namen einer falsch verstandenen Freiheit sogar ablehnt, Raum schafft für den Geist? Wie setzt Ihr die Gaben ein, die ihr empfangen habt, die Kraft, die der Heilige Geist auch jetzt in Euch freisetzen möchte? Welches Erbe werdet Ihr jenen jungen Menschen hinterlassen, die nach Euch kommen? Welchen Unterschied werdet Ihr machen?“