Weihbischof Václav Malý und Stefan Wilkanowicz, Träger des Menschenrechtspreises \"Johannes Paul II.\"

Der Papst nahm die Verleihung der Auszeichnung vor

| 427 klicks

ROM, 19. Oktober 2005 (ZENIT.org).- Benedikt XVI. überreichte am Sonntag den Menschenrechtspreis \"Johannes Paul II.\" des Auschwitzer Menschenrechts-Instituts an zwei Persönlichkeiten, die sich zur Zeit der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa gegen die Menschenrechtsverletzungen eingesetzt haben.



Der Prager Weihbischof Václav Malý, der den Preis zusammen mit Stefan Wilkanowicz aus Krakau (Polen), Journalist und Leiter der katholischen Stiftung \"Znak\", entgegennahm, wurde 1950 in Prag geboren. Nach dem Theologiestudium und der Priesterweihe im Jahr 1976 setzte er sich sehr für jene Menschen ein, die vom kommunistischen Regime in der damaligen Tschechoslowakei unrechtmäßig verfolgt wurden. 1978 kam er aus diesem Grund für sieben Monate ins Gefängnis, verlor die staatliche Bewilligung zur Ausübung seines Priesterberufs und arbeitete dann unter anderem als Heizer in verschiedenen Hotels. Der Unterzeichner der im Januar 1977 veröffentlichten Petition gegen die Menschenrechtsverletzungen des kommunistischen Regimes, der seit 1981 Sprecher der aus ihr hervorgegangenen Bürgerrechtsbewegung \"Charta 77\" war, spielte eine bedeutende Rolle bei der samtenen Revolution im November 1989 und wurde zum ersten Sprecher des Bürgerforums gewählt. Ein historisches Moment bedeutete es, als er auf dem Prager Letna-Platz vor Tausenden von Demonstranten das Vaterunser anstimmte. Am 11. Januar 1997 wurde der Priester in der St.-Veits-Kathedrale zum Weihbischof von Prag geweiht.

1924 geboren, zählt Stefan Wilkanowicz in seiner Heimat Polen zu den angesehensten Journalisten und Intellektuellen. In der Zeit des Stalinismus wurde er jahrelang verfolgt und kam mehrmals ins Gefängnis. Er war einer der engsten Mitarbeiter des damaligen Krakauer Erzbischofs, Kardinal Karol Wojtylas. Der stellvertretende Vorsitzende des Internationalen Auschwitz-Rates und vieljähriger Chefredakteur der Monatsschrift \"Znak\" erhielt 2002 in Paris eine Auszeichnung als \"Pionier des jüdisch- katholischen Dialogs in Europa\", die vom Europäischen Jüdischen Kongress verliehen wird.

Der Menschenrechtspreis \"Johannes Paul II.\" wurde vor zwei Jahren vom Institut für Menschenrechte in Auschwitz mit Zustimmung des Heiligen Stuhls eingeführt, um die Botschaft der Menschenrechte, die dem Vorgänger von Papst Benedikt XVI. so sehr am Herzen gelegen war, zu verbreiten. Bei einem Besuch in Auschwitz am 7. Juli 1979 hatte der vor sechs Monaten verstorbene Papst Johannes Paul II. das einstige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau als \"Golgotha unserer Zeit\" bezeichnet.

Bei der feierlichen Preisverleihung, die anlässlich des 27. Jahrestages der Papstwahl von Karol Wojtyla im Apostolischen Palast im Vatikan stattgefunden hat, nahmen unter anderem Kardinal Franciszek Macharski, Wojtylas Nachfolger als Erzbischof von Krakau , sowie Hanna Suchocka teil, polnische Botschafterin beim Heiligen Stuhl.

Bei der Auswahl der Preisträger hatten neben Kardinal Macharski auch Mary Robinson, ehemalige irische Staatspräsidentin und UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Wladyslaw Bartoszewski, ehemaliger polnischer Außenminister, sowie Imre Kertesz, Literaturnobelpreisträger aus Ungarn, und der anglikanische Erzbischof Desmond Tutu, Friedensnobelpreisträger aus Südafrika, mitgewirkt.

In seiner kurzen Ansprache würdigte der Heilige Vater seinen Vorgänger auf dem Stuhl Petri mit den Worten: \"Mein vielgeliebter Vorgänger Papst Johannes Paul II. ist niemals müde geworden, die Ungerechtigkeiten, die Ungleichheit sowie die materiellen und seelischen Nöte anzuprangern, unter denen Menschen und ganze Völker zu leiden haben. Darum ist es angebracht, dass dieser Preis seinen Namen trägt.\"