Weihnachtsbäume im Altarraum?

Petersplatz als Vorbild

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ROM, 11. Dezember 2012 (ZENIT.org). ‑ P. Edward McNamara LC, Professor für Liturgie am „Päpstlichen Athenaeum Regina Apostolorum“, antwortet auf Fragen zur Liturgie.

Frage: In unserer Pfarrei wurde es in den letzen Jahren Brauch, einen großen beleuchteten Weihnachtsbaum seitlich im Altarraum aufzustellen, während des Advents und dann in der Weihnachtszeit. Er ist in der Kirche gut sichtbar. Da aber der Baum ziemlich groß ist und die Lichter in Abständen blinken, entsteht eine Ablenkung während der Heiligen Messe. Ein Lösungsvorschlag, der dem Pfarrer vorgelegt wurde, die Lichter während der Messe abzuschalten hatte keinen Erfolg, da dies gegen den Geist der Saison sei. Was sagen die Rubriken dazu? M.T. Wellingston, Neuseeland.

Antwort: Der mit Arbeit überladene Heilige Stuhl hat noch keine allgemeinen Normen für Weihnachtsbäume im Altarraum oder andernorts erlassen.

Wir können aber dennoch grundlegende Prinzipien zu Rate ziehen, die wir in der „Allgemeinen Einführung zum Römischen Missale“, Nr. 305 finden:

„Beim Altarschmuck ist Maß zu halten. Während des Advents ist der Altar mit Blumen in der Zurückhaltung zu schmücken, die dem Charakter dieser Zeit entspricht, so dass die volle Freude über die Geburt des Herrn nicht vorweggenommen wird. In der Österlichen Bußzeit ist es verboten, den Altar mit Blumen zu schmücken. Ausgenommen sind jedoch der Sonntag Laetare (4. Fastensonntag), Hochfeste und Feste.“

„Der Blumenschmuck sei immer maßvoll; er soll eher um den Altar herum als auf ihm angeordnet werden.“

Logischerweise weitet sich das Maß für den Blumenschmuck auf den ganzen Altarraum aus.

Das Dokument „Built of Living Stones“ („Auf lebendigen Steinen gebaut“) der US-Bischofskonferenz gibt weiteren Aufschluss, wobei dies keine Rechtskraft außerhalb des Landes hat:

123: „Die Tradition der Dekoration oder Nicht-Dekoration der Kirche gemäß der liturgischen Zeiten und Festtage erhöht die Aufmerksamkeit für die Festlichkeit, die Verehrungswürdigkeit oder die Buße in der jeweiligen Zeit. Menschliche Seelen und Herzen werden durch die Klänge, Anblicke und Düfte der liturgischen Zeiten berührt, die sich dazu verbinden, mächtige, bleibende Eindrucke der reichen und überströmenden Gnaden der jeweiligen Zeit hervorzurufen.“

124: „Pläne für den zeitbezogenen Schmuck sollten auch andere Bereiche außerhalb des Altarraums mit einbeziehen. […] Der Altar sollte klar sichtbar und freistehend bleiben, nicht von massivem Blumenschmuck oder einer Weihnachtskrippe zugedeckt werden; die Zugänge zum Hauptschiff, den Seitenschiffen und dem Sanktuarium sollten frei bleiben“.

125: „Die Saisondekorationen werden während der ganzen liturgischen Zeit verwendet. Da die Weihnachtssaison mit der Vigilmesse am Heiligabend beginnt und mit der Taufe unseres Herrn endet, sollte die Weihnachtsdekoration mit diesen Zeiten koinzidieren. Da die Osterzeit 50 Tage dauert, sollte die Planung Wege finden, die Dekoration die 50 Tage bis Pfingsten zu erhalten."

128: „Objekte wie der Adventskranz, die Weihnachtskrippe und anderer traditioneller, liturgisch bezogener Schmuck, die in ihrer Proportion dem Raum und den anderen Gegenständen entsprechen, können das Gebet und das Verständnis der Pfarrgemeinde vertiefen.“

Hier sehen wir also einmal mehr, dass das Prinzip lautet: der zeitbezogene Schmuck sollte den Geist des Gebets und der Sammlung der Pfarrgemeinde vertiefen.

Ich würde demnach sagen, dass ein Weihnachtsbaum im Altarraum nicht als moderate Dekoration gelten kann, selbst wenn blinkende Lichter ausgeschaltet werden. Anstatt Gebet und Sammlung zu vertiefen, werden die Gläubigen wie unser Leser während der Messe eher abgelenkt.

Wie die weltkirchlichen Dokumente nimmt das Dokument „Build of Living Stones“ keinen ausdrücklichen Bezug auf Weihnachtsbäume an sich. Das kommt daher, dass sie normalerweise nicht in einem katholischen Altarraum zu finden sind.

Ich habe vor einigen Jahren, im Jahr 2005, geschrieben: Weihnachtsbäume sind besser außerhalb des Altarraums und der Kirche selber aufzustellen und am Besten in den Vorräumen oder auf dem Kirchengrundstück zu lassen.

So wird es beim Petersdom seit der Zeit von Papst Johannes Paul II… praktiziert.

In der Kirche selber könnte Weihnachtsstimmung neben der Krippe zum Beispiel durch den Gebrauch von Girlanden, Mistelzweigen und anderen traditionellen kulturellen Elementen erweckt werden.

Und weiter: „Ich habe keine Probleme mit einem Weihnachtsbaum... Ich denke trotzdem, ihn im Altarraum zu platzieren ist nicht Praxis der Kirche. Er ist nicht zu empfehlen, weil er als verallgemeinertes Symbol keinen exklusiv religiösen Sinn mehr hat und leicht den mehr materiellen und kommerziellen Aspekt der Saison hervorrufen kann.“

[Übersetzung des englischen Originals von Jan Bentz]