Weihnachtsbotschaft 2007 des Franziskaner-Custos im Heiligen Land

Die Welt sehnt sich nach Hoffnung und Frieden

| 1481 klicks

JERUSALEM, 20. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Die Welt werde in dieser Weihnacht auf Bethlehem schauen und sich nach Hoffnung und Frieden sehnen, die „die Untiefen der Seele“ berühren, schreibt der Leiter der Kustodie der Franziskaner im Heiligen Land, Pater Pierbattista Pizzaballa, in seiner diesjährigen Weihnachtsbotschaft, die am Montag veröffentlicht wurde.



* * *



Liebe Brüder und Schwestern,

die Welt schaut voller Sehnsucht nach Hoffnung und einem Bedürfnis nach Frieden, das die Untiefen der Seele berührt, auf Bethlehem.

Wir, die wir die Gnade haben, im Heiligen Land zu leben, begehen wieder einmal, wie jedes Jahr, Weihnachten mit Herzen, die von einer Gnade berührt werden, die uns weiterhin überrascht. Es ist, als wolle diese Feier unser großes inneres Alter herausfordern, auf dass der ungetrübte Mut der Kindheit – als wir glaubten, dass alles Gute möglich ist – neu in uns geboren werde.

Die dringende Notwendigkeit des Friedens bedrückt unsere Herzen angesichts der Bitterkeit der Neuigkeiten [des Alltags] und verwandelt uns in Fürbitter um den Frieden. Wenn wir auf die Geburtsgrotte in Bethlehem schauen, sind wir gezwungen, auf eine bessere Welt zu hoffen. Das Bedürfnis zu lieben, das in den Tiefen der Seele verwurzelt ist, lässt uns angesichts der Armut von Bethlehem mit neuer Hoffnung erschaudern.

Die Entmutigung und Enttäuschung, die unsere Herzen wie ein Mühlstein beschweren, scheinen sich aufzulösen. Vor dem Geheimnis eines Gottes, der als Kind in einer Hirtengrotte zur Welt kam, können wir uns nicht weigern zu hoffen.

Zu Weihnachten entdeckt selbst die vom Leben am meisten verletzte Person erneut, dass Gott weiterhin unter uns wohnt. Kriege und Gewalt sind nicht das letzte Wort, das die Geschichte versiegelt. Geschichte und Hoffnungslosigkeit können das Bedürfnis der Liebe nicht unterdrücken, das weiterhin hartnäckig im menschlichen Geist wohnt. Das Licht Gottes scheint immer noch in der Stille Bethlehems und erleuchtet die Pfade der Menschen.

Die Erfahrung der Enttäuschung und des sozialen Versagens können die Horizonte der Seele verdorren. Wenn wir aber auf den Stern von Bethlehem schauen, leuchtet das Licht wieder auf. Mit der einfachen und konkreten Weisheit des Glaubens verstehen wir, dass Gott auch in uns das Wunder der Freude und der Brüderlichkeit wirkt. Mit bangem Staunen wenden wir unseren Blick Joseph und der seligen Jungfrau Maria zu und sind von ihrer freudigen Gelassenheit verzückt. Sie sind arm, aber sie hatten den Mut zu glauben.

Diese Weihnacht wollen wir beten, dass – wie sie – auch wir fähig werden, Jesus zu empfangen und zu glauben, dass die Liebe Gottes unser Leben verändern kann. Das wahre Licht, das jeden erleuchtet, kam in die Welt (Joh 1,9), und zu guter Letzt – berauscht von einer Hoffnung, die niemals enttäuscht – können auch wir es bezeugen.

Meine wärmsten und herzlichsten Weihnachtsgrüße an Euch alle.

P. Pierbattista Pizzaballa OFM
Kustos des Heiligen Lands

[ZENIT-Übersetzung aus dem Englischen von Marta Valle]