Weiterer blutiger Sonntag in Nigeria

Antichristliche Gewalt fordert mindestens vier Menschenleben, zwei Kirchen zerstört

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ROM, 13. Juni 2012 (ZENIT.org). – Am vergangenen Sonntag wurden bei Anschlägen auf zwei Kirchen in Nigeria, in Jos und in Biu, mindestens vier Menschen getötet und zahlreiche verletzt. In Jos, der Hauptstadt des zentralnigerianischen Staates Plateau, explodierte die Bombe eines Selbstmordattentäters im Eingang der Lord’s Chosen Church und riss neben dem Attentäter selber mindestens eine Frau in den Tod. Fünf weitere Menschen kamen bei den Auseinandersetzungen mit Jugendlichen mit Sicherheitskräften der Special Task Force (STF) ums Leben. Nach deren Berichten gab es 28 Verletzte unter den Gläubigen.

In der Stadt Biu im Nordosten von Borno überfiel eine bewaffnete Gruppe eine Kirche und tötete mehrere Gläubige. Ein Augenzeuge berichtete, dass drei bewaffnete Männer zunächst auf Gläubige außerhalb der Kirche geschossen hatten und danach in die Kirche eindrangen, womit die Gesamtzahl der Verletzten auf 41 stieg.

Unterdessen bekannte sich die radikalislamische Sekte Boko Haram in einem Telefongespräch zu beiden Anschlägen. Sie äußerte gegenüber Journalisten: „Wir haben diese Angriffe gestartet, um zu demonstrieren, dass die nigerianischen Sicherheitskräfte im Irrtum sind und ihre Erklärung, wir seien durch militärische Eingriffe geschwächt worden, zu widerlegen.“

Bereits am letzten Sonntag, dem 3. Juni, hatte ein Selbstmordattentäter mit einem Auto, das an einer Kirche in Yelwa im Staat Bauchi zerschellte, fünfzehn Menschen in den Tod gerissen und 42 verletzt. Bei einem Flugzeugabsturz in Lagos waren 154 Menschen ums Leben gekommen.

In einem offenen Brief an die Regierung hatten am Dienstag zahlreiche muslimische Gruppen die „barbarischen" Gewalttaten ausdrücklich verurteilt.

„Wir haben es mit einer kriminellen Gruppe zu tun, die die Kirche als Feind betrachtet, weil sie in ihren Augen die westliche Kultur verkörpert. Ich glaube jedoch nicht, dass sie damit die Mehrheit der Muslime vertritt. Bei den Verantwortlichen für die Übergriffe auf christliche Kultstätten handelt es sich um eine Bande, die jede Art der Orientierung verloren hat. Sie wissen nicht einmal mehr, was sie mit dieser Gewalt erreichen wollen“, so der Vorsitzende der Nigerianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Ignatius Ayau Kaigama von Jos, in einem Kommentar zu den neuerlichen Anschlägen auf die christlichen Kultstätten in Jos und Biu gegenüber dem Fidesdienst.

Die Tatsache, dass diese Kriminellen sich auf den Islam berufen, bedeute nicht, dass die nigerianischen Muslime ihre Aktionen befürworteten. „Deshalb ist es meiner Ansicht auch nicht richtig, von ethnischer oder religiöser Säuberung zu sprechen. Es gibt auch christliche Gruppen, die dazu tendieren, die Situation mit Hilfe der Medien zu manipulieren und die Ereignisse verzerrt darzustellen. Es gibt auch Christen, die behaupten, sie könnten ihren Glauben nicht praktizieren. Was meine Erzdiözese anbelangt, so kann ich versichern, dass unsere katholischen Gemeinden nicht an der Ausübung ihre Glaubens gehindert werden und sich ungehindert zum Gebet treffen oder ihren religiösen Pflichten nachgehen können. Es ist also Vorsicht gefragt, wenn es darum geht, von den Ereignissen zu berichten, denn es besteht die Gefahr, dass man Panik oder Verwirrung heraufbeschwört“, so der Erzbischof.

Die Soldaten der antiwestlichen Sekte haben seit 2009 bereits mehr als 1.000 Menschen, darunter viele Christen, getötet. Sie wollen eine Einführung des islamischen Rechts, der Scharia, erreichen und fordern die Entlassung ihrer in Gefängnissen einsitzenden Mitglieder.[jb]