Weitergabe des Glaubens bis hin zum Märtyrertod

Zweiter Tag der Bischofssynode für die Neuevangelisierung

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Von Jan Bentz

VATIKANSTADT, 9. Oktober 2012 (ZENIT.org). – Mit dem üblichen Morgengebet eröffnete Papst Benedikt XVI. im Konferenzsaal der Aula Pauls VI. den zweiten Synodentag, gefolgt von einer Meditation. Über 250 Synodenväter hatten sich heute zusammengefunden.

Unter den Sprechern der heutigen Versammlung waren auch Kardinal Zenon Grocholewski, Präfekt der Päpstlichen Kongregation für das Katholische Bildungswesen, und der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, Bischof Jan Baxant aus der Tschechischen Republik und Rino Fisichella, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung.

Kardinal Grocholewski ging in seiner fünfminütigen Rede auf die Hindernisse der Glaubensweitergabe ein. Er stellte die Frage, wie es sein könne, dass mit einer zunehmenden Zahl an Bildungeinrichtungen der Kirche die Zahl der Gläubigen schrumpfe. Zur Erläuterung führte er drei Aspekte aus:

Zunächst zitierte der Kardinal einen Laien, der bezüglich des Priesters moniert hatte, er wisse zwar viel über Gott, habe aber „nicht genug von ihm erfahren“. Um den Glauben zu stärken gelte es nicht, rein intellektuelles Wissen über Gott und Theologie anzuhäufen, vielmehr sei die Begegnung mit Christus von zentraler Bedeutung. Dies müsse sich vor allem auf die Bildungseinrichtungen auswirken.

An zweiter Stelle dürfe das kirchliche Lehramt nicht aus den Augen verloren werden. Jesus Christus habe die Menschen nicht einer Vielzahl von Interpretationen ausgeliefert, damit sie sich in nie endenden Diskussionen immer weiter voneinander abspalten. Vielmehr habe er eine Tradition und ein Lehramt hinterlassen, damit jeder Mensch die Sicherheit der Wahrheit selber erfahren könne. Dies dürfe gerade von den Theologen nicht vergessen werden, die sich in den Dienst der Kirche stellen möchten.

Auch der dritte Aspekt stehe mit den Theologen in Verbindung. Theologen seien geneigt, gerade durch ihr Studium nach Ansehen zu streben. Viele studierten, um „groß, originell, wichtig und bekannt zu werden“. Damit verlören sie aber an wirklicher Größe im Himmelreich. Vielmehr „zählt das Erlernen der Demut, der Liebe und der Wahrheit, denn jeder von uns ist mit der Erbsünde belastet“. Die Demut zeige sich vor allem darin, sich dem Lehramt der Kirche zu unterwerfen.

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Eine interessante sakramental-pastorale Praxis wurde vom Erzbischof von Louisville (USA), Joseph E. Kurtz vorgeschlagen: Der Ritus „der Segnung eines Kindes im Mutterleib als Vorbereitung auf die Taufe“ solle für die Weltkirche gelten. Dieser Ritus wurde kürzlich vom Vatikan approbiert in den USA bereits praktiziertt. Eine solche sakramentale Handlung habe drei Vorzüge: Sie würde die erwartenden Eltern und vor allem die Mütter auf das große Geschenk des Lebens vorbereiten und die Wertschätzung der ganzen Kirche über dieses Leben ausdrücken. Der Ritus binde die ganze Pfarrgemeinde an dieses ungeborene Leben und sporne zu mehr Gebet an. Zusätzlich spende eine solche Segnung Ruhe und Gelassenheit für die Eltern und vermittle den Schutz Gottes für ihr neues Familienmitglied.

Erzbischof Gustavo García-Siller von San Antonio (Mexiko, USA) schlug im Namen aller Synodenväter dem Heiligen Vater eine Weihe der Welt an den Heiligen Geist vor. In der Welt fänden sich große Werte, wunderbare technologische Fortschritte und neue Entdeckungen. Trotzdem sei sie auch von Gewalt gezeichnet, von wirtschaftlichen Krisen und Verfall der Moral. Das Zweite Vatikanische Konzil, Johannes Paul II. und Benedikt XVI. zitierend hob der Erzbischof hervor, dass die Welt ein neues Pfingsten erleben müsse. Die Synode stelle die Möglichkeit eines solchen Aufbruches dar. Neuer Eifer, neue Methoden und ein neuer Ausdruck des ewigen Glaubens müssten entwickelt werden, damit die Ungetauften und die nicht praktizierenden Christen wieder neu Gott erfahren würden.

Seine Seligkeit Nersès Bédros XIX Tarmouni, der katholische Patriarch Ziliziens der Armenier, rief nochmals den Völkermord an den Armeniern in Erinnerung, Massaker, die Johannes Paul II. als „contra fidem et in odio fidei“ („gegen den Glauben und als Hass von Gläubigen“) bezeichnet hatte. Armenien habe in seiner Geschichte viele Glaubensverfolgungen gesehen, aber vor allem viel Mut in der Verteidigung und Bekennung des Glaubens bewiesen. „Zuletzt haben über 1,5 Millionen Armenier das Leben verloren, die unter dem Ottomanischen Reich massakriert wurden“. Solche Beispiele zeigten deutlich auf, dass die Neuevangelisierung und die Weitergabe des Glaubens durch persönliches Zeugnis im schlimmsten Fall sogar die Bereitschaft der Hingabe des eigenen Lebens beinhalten müsse.