Welche Rolle spielen die orientalischen Kirchen im ökumenischen Dialog?

15. Treffen der Bischöfe der katholischen Ostkirchen beendet

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ROM, 27. November 2012 (ZENIT.org/CCEE). - Rund 60 Bischöfe und Fachexperten hatten an dem jährlichen Treffen der Bischöfe der katholischen Kirchen des orientalischen Ritus, das in diesem Jahr auf Einladung von Mgr. Nikola Kekić, Bischof von Krievci, und unter der Schirmherrschaft des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE*) in Zagreb und Krievci ausgerichtet wurde teilgenommen. Während der Arbeitstage haben sich die Bischöfe vor allem um den spezifischen Beitrag gekümmert, den die katholischen Kirchen des orientalischen Ritus zur gemeinsamen und weltweiten Sendung der Kirche im Hinblick auf das Zweite Vatikanische Konzil, die Neuevangelisierung und das Jahr des Glaubens leisten können. Im Laufe des Treffens haben sich die Bischöfe beim Heiligen Vater für seinen kontinuierlichen Einsatz zur Förderung und Verbreitung der liturgischen, theologischen und kulturellen Tradition der katholischen Kirchen des orientalischen Ritus bedankt.

Die griechisch-katholische Kirche in Krievci

Anlässlich des 400. Jahrestages der erneuten Einheit der griechisch-katholischen Kirche Kroatiens mit dem apostolischen Sitz in Rom (Union von Marča), wurde in diesem Jahr das Treffen in Kroatien ausgerichtet.

Die unierte Eparchie von Krievci ist ein Suffraganbistum, welches dem Erzbistum Zagreb in Kroatien unterstellt ist. Sitz der Eparchie ist die Stadt Krievci, die ungefähr 40 km von Zagreb entfernt liegt. Hier befindet sich die griechisch-katholische Kathedrale der Heiligsten Dreieinigkeit. Derzeit ist dieses Gebiet in 44 Pfarreien unterteilt. Einst erstreckte sich der Zuständigkeitsbereich dieser Eparchie auf das gesamte Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens (Kroatien, Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina). Nach der Gründung der unabhängigen Republiken wurde 2001 für die Katholiken des byzantinischen Ritus in Mazedonien ein unabhängiges apostolisches Exarchat gegründet. 2002 wurde ein weiteres Exarchat für Serbien und Montenegro eingerichtet. Heute erstreckt sich der Zuständigkeitsbereich des Bischofs von Krievci auf alle griechisch-katholischen Gläubigen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Slowenien – drei Nationen mit drei unterschiedlichen Bevölkerungen (Kroaten, Ukrainen, Ruthenen) und Traditionen (kroatische, ukrainische und von Mukatschewe). Heute zählt diese Eparchie rund 22.000 Gläubige.

Zu Beginn des Treffens hat Kardinal Péter Erdő, Präsident des Rates der Bischofskonferenzen Europas (CCEE), der seit Jahren diese Veranstaltung mit seiner Schirmherrschaft unterstützt, in seiner einleitenden Botschaft daran erinnert, wie wichtig solche Treffen „als Orte der Gemeinschaft und des Glaubenszeugnisses“ sind. Ferner betonte er das gemeinsame Engagement, damit die Traditionen der katholischen Kirchen des orientalischen Ritus „unter den Gläubigen und dem Klerus weltweit bekannter und beliebter werden“.

Der Beitrag der Konzilsväter des orientalischen Ritus zum Zweiten Vatikanischen Konzil

In diesem Jahr, in dem die Kirche den 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils feiert, haben sich die Teilnehmer, unterstützt durch Mgr. Dimitiros Salachas, apostolischer Exarch (Bischof) der Katholiken des byzantinischen Ritus in Griechenland, über den Beitrag der orientalischen Konzilsväter unterhalten. Von den Synodenvätern, die sich am Zweiten Vatikanischen Konzil beteiligten, waren 200 Vertreter des orientalischen Ritus. Sie leisteten einen erheblichen Beitrag, sowohl während der Vorbereitungen als auch während der Diskussion und bei der Erarbeitung der zahlreichen Konzilsdokumente. Insbesondere lässt sich ihr Beitrag im Dekret Orientalium Ecclesiarum, über das Wesen und die Sendung der katholischen Ostkirchen, als auch im Dekret Unitatis Redintegratio, über den Dialog mit den anderen christlichen Kirchen, in Erfahrung bringen: Beide Dokumente wurden von der dogmatischen Konstitution Lumen Gentium (eines der vier Grunddokumente zur Erneuerung der katholischen Kirche des 20. Jh. sowie Fundament des Codex der Canones der orientalischen Kirchen) inspiriert.

In Zagreb haben sich die Bischöfe des orientalischen Ritus auch über die Umsetzung der Empfehlungen aus dem Konzil auf die jeweiligen Kirchen sowie über die Richtlinien, die die Beziehung zwischen der Kirchen des lateinischen und des orientalischen Ritus regeln, über folgende Fragestellungen ausgetauscht:

Welche Auswirkungen haben die Überlegungen über den apostolischen Ursprung der orientalischen und patriarchalischen Kirchen (vgl. Lumen Gentium, 23) auf die katholische Kirche heute? Welche Rolle spielen die orientalischen Kirchen im ökumenischen Dialog, insbesondere mit den orthodoxen Kirchen (vgl. Unitatis Redintegratio)? Und wie zeigt sich die pastorale Sorge der Bischöfe des orientalischen Ritus, die zunehmend größere Gemeinden an Gläubigen des orientalischen Ritus in ihre Diözesen aufnehmen, in Europa heute? Welche Rolle spielen die orientalischen Kirchen in der Diaspora? Schließlich haben sich die in der kroatischen Hauptstadt anwesenden Bischöfe gefragt, welche Rolle die orientalischen Kirchen in der Universalität der Kirche 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzils spielen. Und wie kann dieser Beitrag stärker hervorgehoben werden, vor allem angesichts der Tatsache, dass selbst innerhalb der Kirche ein gewisses Unwissen über die liturgischen, theologischen und kulturellen Traditionen der Kirchen des orientalischen Ritus herrscht?

Die Gesetzgebung der Kirchen des orientalischen Ritus nach dem Zweiten Vatikanischen Konzils

Besonders geschätzt wurde der Beitrag von Mgr. Cyril Vasil’, Sekretär der Kongregation für die orientalischen Kirchen, der in groben Zügen den Prozess zusammenfasste, der zur Verfassung des Codex der Canones der orientalischen Kirchen aus dem Jahr 1990 geführt hat, sowie auf die Rolle der orientalischen Kirchen in weiteren Dokumenten eingegangen ist.

Der Codex ist ein Unikum in der Geschichte der Kirche. Erstmalig verfügen die orientalischen Kirchen über einen Normenkatalog, der sich auf alte Canones stützt und vom Heiligen Vater erlassen wurde. Um diesen Codex zu verfassen, wurden alle Quellen der besonderen Gesetzgebung der orientalischen Teilkirchen berücksichtigt. Eine ähnliche Arbeit hatte schon einst zu einer ersten Fassung dieses Codex geführt, die jedoch nie veröffentlicht wurde, weil man damals die Ergebnisse des bevorstehenden Zweiten Vatikanischen Konzils abwarten wollte. 1972 wurde die Idee eines spezifischen Codex für die orientalischen Kirchen wieder aufgenommen und ein Sonderausschuss zur Erarbeitung einiger Leitlinien für die Verfassung des zukünftigen Codex eingerichtet. Diese Leitlinien sind mit dem Codex der Canones der orientalischen Kirchen der Bezugspunkt einiger nachkonziliaren Dokumente über die ökumenische und pastorale Dimension der Auswanderer.

Im Laufe des Treffens haben die Teilnehmer Msgr. Vasil’ und der Kongregation für die orientalischen Kirchen ihren Dank dafür ausgesprochen, dass sie darauf achten, dass die Kirche bei der Verkündung des Evangeliums ihr katholisches Wesen stets am Besten zum Ausdruck bringt, auch wenn unterschiedliche kirchliche Traditionen und Riten auf einem Gebiet zusammenleben.

Die Synode zur Neuevangelisierung und die katholischen Kirchen des orientalischen Ritus

Msgr. Virgil Bercea, Bischof von Oradea-Mare (Rumänien), der an der letzten Bischofssynode über die Neuevangelisierung teilgenommen hatte, sprach über seine persönliche synodale Erfahrung und betonte insbesondere den Beitrag der orientalischen Synodenväter. Die Bischofssynode, die im vergangenen Oktober ausgerichtet wurde, sei ein Moment der gemeinsamen Überlegungen gewesen, um zu verstehen, wie Christus im gegenwärtigen sozio-kulturellen Kontext am Besten verkündet werden könne. Der Beitrag der orientalischen Kirchen zur Neuevangelisierung fuße auf dem Modell der Evangelisierung der Heiligen Kyrill und Method, die von einer tiefen Spiritualität angetrieben worden seien, eine volkssprachliche Liturgie förderten und ihre Treue gegenüber dem Heiligen Vater erklärt hätten. All dem geselle sich heute das Zeugnis und das Martyrium zahlreicher Bischöfe, Priester und Gläubigen hinzu, die sich in der gegenwärtigen anthropologischen Krise, die den Menschen daran hindere, sich selbst und seine eigene Existenz zu rechtfertigen, aufopferten. Auch die katholischen Kirchen des orientalischen Ritus würden mit diesem Problem konfrontiert, das zahlreiche ihrer ausgewanderten Gläubigen betreffe. Diese neuen pastoralen Herausforderungen benötigten angemessene und authentische Lösungen.

Der Katechismus der griechisch-katholischen Kirche der Ukraine

Im Rahmen des Treffens hat seine Seligkeit Svjatislav Ševčuk, Oberbischof der griechisch-katholischen Kirche der Ukraine, den Katechismus „Christus unser Ostern" vorgestellt. Mit dieser Veröffentlichung möchte die Kirche ihre Lehren zum Thema Glaube und Moral vorstellen. Erstmals in ihrer Geschichte verfügt die griechisch-katholische Kirche über einen eigenen Katechismus. Die Verfassung dieses Werkes dauerte zehn Jahre und erforderte die Beteiligung der gesamten griechisch-katholischen Kirche. Der Katechismus der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine folgt der Einladung des Katechismus der katholischen Kirche, der vor genau 20 Jahren veröffentlicht wurde, und alle Ortskirchen anregte, einen eigenen Katechismus zu entwickeln, der die örtlichen Gegebenheiten und Anforderungen berücksichtigen sollte. Laut Seiner Seligkeit soll dieser Katechismus alle griechisch-katholischen Gläubigen in der Ukraine unterstützen, den Glauben an Gott besser kennenzulernen und ihn im eigenen Leben umzusetzen; ferner soll er die christliche Tradition des Heiligen Wladimir schützen und entwickeln. Schließlich sollen der Glaube, die katholische Tradition des orientalischen Ritus und die Einheit der griechisch-katholischen Gläubigen der Ukraine gestärkt und erneuert werden. Der Katechismus wurde bereits auf Italienisch und Englisch übersetzt und wird demnächst auch auf Portugiesisch und Spanisch verfügbar sein.

Am Samstag, dem 24. November, wurden alle Teilnehmer in einer Privataudienz vom Präsidenten der Kroatischen Republik, seiner Exzellenz Ivo Josipović, empfangen. In seiner Rede sprach er vor allem über den Beitrag, den die griechisch-katholische Kirche für die kroatische Gesellschaft leistet. Am Nachmittag besuchten alle Teilnehmer den Marien-Wallfahrtsort Marija Bistrica.

Das Treffen ging am Sonntag, dem 25. November, mit der Heiligen Messe in der griechisch-katholischen Kathedrale der Heiligsten Dreifaltigkeit zu Ende. Die Heilige Messe wurde live vom nationalen Fernsehen übertragen.

Das Treffen fand in einem Klima der Freundschaft statt und wurde durch Momente des Gebetes sowie durch die tägliche Eucharistiefeier bereichert, die sowohl mit der griechisch-katholischen als auch mit der lateinischen Gemeinde gefeiert wurde. Besonders geschätzt wurde die Anwesenheit von Mgr. Nikola Kekić, Bischof von Krievci und von Kardinal Josip Bozanić, Erzbischof von Zagreb.

Auf Einladung von Mgr. Milan Chautur, Bischof von Košice, wird das Treffen im kommenden Jahr vom 17. bis zum 20. Oktober 2013 anlässlich des 1150 Jahrestages der Mission der Heiligen Kyrill und Method in der Slowakei in der europäischen Kulturhauptstadt Košice stattfinden.

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*Zum Rat der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) gehören die 33 Bischofskonferenzen, die es derzeit in Europa gibt. Sie werden von ihren Vorsitzenden, den Erzbischöfen von Luxemburg, des Fürstentums von Monaco, der Maroniten auf Zypern sowie dem Bischof von Chisinau (Moldawien Rep.) und dem Eparchialbischof von Mukachevo rechtlich vertreten. Vorsitzender des CCEE ist Kardinal Peter Erdő, Erzbischof von Esztergom-Budapest, Primas von Ungarn. Stellvertretende Vorsitzende sind Kardinal Angelo Bagnasco, Erzbischof von Genua, und S.E. Mgr. Józef Michalik, Erzbischof von Przemysl. Generalsekretär des CCEE ist Mgr. Duarte da Cunha. Der Sitz des Sekretariates befindet sich in St. Gallen (Schweiz).