Welche Zukunft haben Ordensleute in Italien?

Stärkung der Identität, keine Realitätsferne

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Von Antonio Gaspari

ROM, 10. November 2011 (ZENIT.org). - Mit dem Titel „Konfrontationen und Erwartungen an die Zukunft der Kirche in Italien. Was ist die Aufgabe der Ordensleute?“ hat am Montag, dem 7. November, im Grand Hotel Mediterraneo in Florenz, die 51. Internationale Versammlung der Cism (Italienische Ordensoberenkonferenz) stattgefunden.

In seiner Ansprache erklärte der Nationalpräsident, Don Alberto Lorenzelli SDB: „Das Christentum war nicht nur eine frohe Botschaft“, denn „das Evangelium ist nicht nur die Botschaft von Dingen, die man lernen kann, sondern es ist eine Botschaft, die Fakten produziert und das Leben verändert“.

In Vorbereitung des Kongresses hatte Don Lorenzelli ausgeführt: „Sich die Zukunft vorzustellen bedeutet, eine Sinneserwartung ausdrücken“. Er fügte hinzu: „Sinn als Übung der Hoffnung“, das bedeutet: „den Blick kontinuierlich dem gekreuzigten Heiland zuzuwenden, in der Gewissheit der Auferstehung“.

Der Präsident der CISM: „Hoffnung zu üben bedeutet, das Positive sehen zu lernen, die Lichter erkennen zu lernen, jeden Schimmer, der existiert, und sei er noch so klein, aufzunehmen und zu unterstützen, damit die Hoffnung uns als Samen eine neue Realität aufzeigt“.

Don Lorenzelli sprach von den vielen Risiken eines religiösen Lebens, das sich „in sich selbst verschließt“; deshalb brauche es „eine offene Identität“, da, wie Msgr. Mariano Crociata, Generalsekretär der CEI, hervorhob: „nur wer eine starke Identität hat, kann sich hingeben und empfangen“.

Für den Präsidenten der CISM ist die Unausgewogenheit der Mission ohne Identität sehr gefährlich. „Wir tun viele Dinge“, mahnte er an, „wir stopfen viele Löcher, teilweise sind wir sehr großzügig mit den lokalen Kirchen. Wir tun aber Dinge, die uns nicht zustehen, und verlieren damit uns selber: Wir riskieren, in den versklavenden Sog der Notwendigkeiten des Moments hineinzugeraten, die uns erbarmungslos aussaugen, ohne uns dann nur eine gelinde entschädigende Würdigung zu verschaffen.“

„Wir brauchen aber“, unterstrich er, „einen größeren Vergleich mit kirchlichen Themen  (Ortskirchen, Gruppen, Bewegungen, Laien mit Erfahrung und Professionalität), um zu vermeiden, dass unsere Identität nicht damit endet, Gründe vorzubringen, an die niemand mehr glaubt, weil sie nicht mit dem allgemein verbreiteten Empfinden auch anderer kirchlicher Realitäten übereinstimmen“.

In Bezug auf die Neuevangelisierung hat der Präsident der CISM vorgeschlagen „wieder vertrauensvoll in den Stand der Laien zu investieren“.

In diesem Zusammenhang zitierte er Prof. Giuseppe Savagnone, der in seinem Buch „Maestri di umanità alla scuola di Cristo“ („Lehrer der Menschheit in der Schule Christi“) geschrieben hat: „Man muss lernen, auch außerhalb der Kirchen zu beten […]. Im Grunde ist es die ganze Aufgabe der Pastoral, zu helfen, den langen Weg zu gehen, der den alte Adam, der sich vor Gott und sich selbst versteckt, vom neuen, Jesus, trennt.  Jesus, der es ablehnt, zu fliehen und dem Leid ausgesetzt bleibt, um alle mit offenen Armen am Kreuz aufzunehmen. Um für diesen Weg zur Verfügung zu stehen, ist das Vertrauen unabdingbar, dass Gott nicht zum Richten ruft, sondern zum Heilen“.

„Unter den erstrangigen Aufgaben“, so schloss Don Lorenzetti „ist also jene, Zeiten und Räume der Unentgeltlichkeit zu erfinden und dafür könnten die Gemeinschaften (religiöse, Pfarreien, Gruppen) beginnen, sich wieder als Schulen der Wünsche, der Hingabe und der Freundschaft zu verstehen“.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals]