"Welcher Boden sind wir oder wollen wir sein?"

Vigil mit den Jugendlichen an der Copacabana

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 519 klicks

Mehr als zwei Millionen Menschen hatten sich zur Vigil am Copacabana-Strand aufgemacht. Auf seinem rund vier Kilometer langen Weg auf der Viale Atlantico segnete und begrüßte Papst Franziskus die Gläubigen, die schon den ganzen Tag auf diesen Moment gewartet hatten. Feststimmung kam auf, als Papst Franziskus im Jeep an den Pilgerscharen vorbeifuhr. Mindestens dreimal hielt der Wagen an, damit der Heilige Vater persönlich Gläubige begrüßen konnte.

In seiner Ansprache stellte Papst Franziskus, ausgehend von der Figur des heiligen Franziskus von Assisi, die Frage, was es bedeutet, ein Jünger und Missionar zu sein, ins Zentrum seiner Überlegungen, die er den Jugendlichen anschaulich mit drei Bildern erläuterte.

Er erinnerte an die Geschichte des heiligen Franziskus, der von Jesus den Auftrag erhalten hatte, das Haus wiederherzustellen. Nach einigem Nachdenken habe der Heilige begriffen, so Papst Franziskus, dass nicht der Wiederaufbau im materiellen Sinne gemeint sei, sondern „es ging darum, sich in den Dienst der Kirche zu stellen, sie zu lieben und zu arbeiten, damit sich in ihr immer mehr das Antlitz Christi widerspiegle.“

Der Beitrag junger Menschen sei auch heute noch für die Kirche grundlegend. Papst Franziskus erklärte im Folgenden, wie die Jugendlichen Missionar und Jünger sein könnten. Papst Franziskus nahm als Ausgangspunkt seines Diskurses den „Campus Fidei“ – das „Feld des Glaubens“, auf dem sich die Gläubigen zur Vigil versammelt hatten. Mit dem Begriff „Feld“ könne man drei Aspekte assoziieren: das erste Bild, das Feld als Ort, auf dem gesät wird; das zweite, das Feld als Sportplatz; und das dritte, das Feld als Baustelle.

Das erste Bild, „Das Feld als Ort, auf dem gesät wird“, ist das Gleichnis des Sämanns. Einige Samenkörner fallen auf fruchtbaren Boden, andere auf felsigen und in die Dornen (vgl. Mt 13,1-9). „Jesus selbst erklärt den Sinn des Gleichnisses: Der Samen ist das Wort Gottes, das in unsere Herzen gesät wird (vgl. Mt 13,18-23). … Bitte, lasst Christus und sein Wort in euer Leben eintreten, dass sie sprießen und wachsen können!“

Die Jugendlichen müssten sich die Fragen stellen: „Welcher Boden sind wir oder wollen wir sein?“ Papst Franziskus führte anschließend die Schwierigkeiten aus, denen man sich oft in seinem Alltag stellen müsse. „Vielleicht sind wir manchmal wie der Weg: Wir hören den Herrn, aber es ändert sich nichts im Leben, denn wir lassen uns von vielen oberflächlichen Verlockungen, die wir hören, betäuben. Oder wie der felsige Boden: Wir nehmen Jesus mit Begeisterung auf, aber wir sind unbeständig und haben nicht den Mut, bei Schwierigkeiten gegen den Strom zu schwimmen. Oder wir sind wie der Boden mit den Dornen: Die materiellen Dinge und die schlechte Leidenschaften ersticken in uns die Worte des Herrn (vgl. Mt 13,18-22).“

Zuversichtlich sprach der Papst die Jugendlichen an: „Heute aber bin ich sicher, dass der Samen auf guten Boden fällt, dass ihr guter Boden sein wollt, keine Teilzeit-Christen, keine Spießer, nicht nur Fassade, sondern authentisch. Ich bin sicher, dass ihr nicht in einer Illusion von Freiheit leben wollt, die sich von den Moden und Interessen des Augenblicks treiben lässt. Ich weiß, dass ihr das Große wollt, endgültige Entscheidungen, die dem Leben vollen Sinn geben.“

In seinem zweiten Bild, „Das Feld als Sportplatz“, legte Papst Franziskus den Jugendlichen dar, wie wichtig es sei, für den Glauben zu trainieren. Das Training bestehe im Gebet, in den Sakramenten, in der geschwisterlichen Liebe und darin, „dass wir den anderen zuhören können, die anderen verstehen, aufnehmen, ihnen vergeben, helfen – allen Menschen, ohne auszuschließen, ohne auszugrenzen.“

Papst Franziskus führte in seinem letzten Bild, „Das Feld als Baustelle“, aus, wie wichtig der Beitrag jedes Einzelnen für eine lebendige Kirche sei. Wer Mitglied der Kirche sei, sei „Teil einer Familie von Brüdern und Schwestern, die den gleichen Weg gehen.“ Der Gläubige werde zum „Erbauer der Kirche und Protagonisten der Geschichte.“ Papst Franziskus zitierte den heiligen Petrus (1 Petr 2,5) und erläuterte: „In der Kirche Jesu sind wir die lebendigen Steine, und Jesus bittet uns, seine Kirche aufzubauen; und nicht als eine kleine Kapelle, die nur eine kleine Gruppe von Personen aufnehmen kann. Er bittet uns, dass seine lebendige Kirche so groß sei, dass sie die ganze Menschheit aufnehmen kann, dass sie ein Haus für alle sei!“ Deshalb sei die richtige Antwort: „Ja, auch ich will ein lebendiger Stein sein; zusammen wollen wir die Kirche Jesu aufbauen! Sagen wir gemeinsam: Ich will hinausgehen, um ein Erbauer der Kirche Christi zu sein!“

Zum Abschluss sprach Papst Franziskus den Wunsch der jungen Menschen an, die gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse in der Gesellschaft verbessern zu wollen. Er stellte den Jugendlichen die Frage: „Welche sind die Kriterien für den Aufbau einer gerechteren Gesellschaft?“ und als Antwort auf diese Frage zitierte er Mutter Theresa von Kalkutta: „Du und ich!“