Welcher Kardinal ist papabile? (5/5)

Luis Antonio Gokim Kardinal Tagles

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Jan Bentz | 1117 klicks

Ein Favorit der Facebook-Generation mit über 118.000 Freunden, zweitjüngster im Konklave, fröhlich und emotional   bei seiner Erhebung zum Kardinal brach er vor Benedikt XVI. in Tränen aus  , Hoffnung der asiatischen Katholiken: Luis Antonio Gokim Kardinal Tagles aus Manila ist für diejenigen ein Kandidat für das höchste Amt in der Kirche, die sich vor allem einen jüngeren Papst wünschen, ohne dass die dann zu erwartende Länge des Pontifikats für sie eine Rolle spielt. Der Asiate mit chinesischen Wurzeln, seine Muttersprache ist Mandarin, wurde erst im letzten Konsistorium am 24. November letzten Jahres von Papst em. Benedikt XVI. in den Kardinalsstand mit der Titelkirche San Felice da Cantalice a Centocelle erhoben. Nach dem Inder Isaac Cleemis Kardinal Thottunkal, dem Oberhaupt der mit Rom unierten syro-malankarischen Kirche mit seinen 54 Jahren, ist Tagle (56) der zweitjüngste Kardinal des Konklave und hat damit auch den ehemaligen „Benjamin“ Rainer Maria Kardinal Woelki (57) abgelöst.

Im Kreise seiner Verwandten nach der Kardinalkreierung hatte er unverblümt seiner Freude Ausdruck gegeben: „Es ist eine Gnade, dass sie hier sind. Einige der Kardinäle erzählten mir, dass ihre Eltern nicht mehr leben. Für mich ist es ein wahrer Segen, dass meine Eltern beide gesund sind und mein Bruder auch hier ist. Viele meiner Verwandten sind gekommen, um dieses Ereignis zu würdigen.“ Auf seine Tränen bei der Übergabe des Biretts und des Rings durch Benedikt XVI. angesprochen, erklärte er:

„Ich weine leicht, und wenn man vor einem großen Geheimnis steht, das über einem steht, einer Berufung, einer Gnade, einer Mission, dann zittert man, aber man freut sich auch zur gleichen Zeit. Und dann sind Tränen nur natürlich.“ Über seine Jugend erzählt er auch, er sei nie der aktive Typ gewesen. Selbst die Lehrer in der Schule hätten immer gesagt: „Ah ja, Chito, er ist immer so still.“

Spekulationen über die Papstwahl kommentierte der Kardinal mit den Worten: „„Es ist besser, sich mit Wahrheit zu beschäftigen und mit den wirklichen Problemen der Kirche, anstelle Zeit mit Spekulationen zu verschwenden. Gott und die Kirche handeln in solchen Situationen anders. Papstwahlen sind kein Beliebtheits-Wettkampf und keine Reality-TV darüber, wer die meisten Stimmen bekommt und wer gewinnt.“

Seinen Aufenthalt in Italien anlässlich des Konklave nutzte er vor dessen Beginn auch für einen Besuch im Heiligtum des in Italien besonders verehrten Pater Pio in San Giovanni Rotondo, um für die bevorstehende Wahl des Pontifex zu beten.

Tagle studierte Philosophie am San José Seminary in Manila und katholische Theologie an der Universität Ateneo de Manila. Er wurde 1982 im Alter von 24 Jahren von Bischof Felix Paz Perez zum Priester geweiht und in die Erzdiözese Manila inkardiniert. Danach wirkte er als Vikar in der Pfarrei St. Augustin und als Spiritual des Priesterseminars von Imus.

Von 1987 bis 1991 promovierte er an der Katholischen Universität von Amerika im Fach Theologie. Von 1993 bis 1995 war er Bischofsvikar für die Ordensleute. Nach seiner seelsorgerischen Tätigkeit als Pfarrer in der Kathedrale Our Lady of The Pillar in Imus ernannte ihn der sel. Johannes Paul II. im Oktober 2001 zum Bischof von Imus, einem Außenbezirk der Hauptstadt Manila.

Von 1997 bis 2007 war er Mitglied der Internationalen Theologen-Kommission. Dort hatte ihn auch Benedikt XVI. persönlich kennen gelernt.

Am 13. Oktober 2011 ernannte ihn Benedikt XVI. zum Erzbischof von Manila und damit zum Primas der Philippinen.

In der Philippinischen Bischofskonferenz ist Luis Antonio Tagle Mitglied der Kommission für die Glaubenslehre.

Sein Wappen trägt den Wahlspruch „Dominus est“ (es ist der Herr), die Worte des Johannes zu Petrus nach dem reichen Fischfang.

Bezüglich der Gesetzbeschlüsse seines Landes zu den Themen Lebensschutz, Ehe und Familie, die er tragisch nannte, äußerte er zugleich die Hoffnung, dass die Wahrheit doch letztlich siegen werde:

„Die Wahl des Gesetzesentwurfs gegen das Leben im Kongress ist ungerecht und tragisch. Aber wir werden dieses Ereignis nicht als einen Sieg gegen die Wahrheit hinnehmen, denn die Wahrheit wird siegen, besonders die Wahrheit über das menschliche Leben, über Ehe und Familie.“

Die Kirche hat der Primas der Philippinen des Öfteren zu einer demütigen Haltung ermahnt: „Cafeteria-Katholiken auf den Philippinen sind Gegner der Kirche, falsche Zeugen und voll von prätentiöser Pietät. Die Kirche muss ihre Demut von Jesus lernen. Diese Haltung der Demut der katholischen Kirche ist nötig, damit sie glaubwürdiger vor den Gläubigen dastehen kann. Man mag zwar die richtigen Dinge sagen, aber die Menschen hören einem nicht zu, wenn die Art, mit der man kommuniziert, die einer triumphalistischen, besserwisserischen Institution ist.“

Theologisch steht er der so genannten Schule von Bologna Guiseppe Alberigos nahe, die die Interpretation des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Hermeneutik der Kontinuität, wie sie von Papst em. Benedikt XVI. gewünscht wurde, ablehnt und als Hindernis für das „wahre Verständnis“ des Konzils betrachtet. Eine Erneuerung in der Kontinuität hieße, dass sich letztlich in der Substanz nichts geändert und in Wirklichkeit nie ein Umbau stattgefunden habe, so deren Auffassung.