"Welcher Platz ist gut, und welcher ist richtig?"

Benedikt XVI. feiert Messe für Ratzinger-Schülerkreis

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 422 klicks

Gestern Vormittag feierte Benedikt XVI. in der Kapelle des Governatorats im Vatikan eine Messe für seine ehemaligen Mitarbeiter und Schüler, die sich zu dem alljährlich in Castel Gandolfo stattfindenden Sommerkurs eingefunden hatten. Der diesjährige Kurs befasste sich mit dem Thema „Die Frage Gottes vor dem Hintergrund der Säkularisation“.

An der Messe nahmen rund 50 Personen teil. Sie wurde gemeinsam von Benedikt XVI., Kurt Kardinal Koch, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, und dem Erzbischof von Wien, Christoph von Schönborn, zelebriert. Zu den Anwesenden zählten außerdem der Präfekt des Päpstlichen Hauses, Erzbischof Georg Gänswein, der Sekretär des Päpstlichen Rates für die Kultur, Barthelemy Adoukonou, und der Weihbischof von Hamburg, Msgr. Hans-Jochen Jaschke.

In seiner Predigt führte Benedikt XVI. aus: „Alle suchen nach dem guten Platz in der Geschichte; jeder will am Platz des Lebens seinen guten Platz gefunden haben. Die Frage ist nur: Welcher Platz ist gut, und welcher ist richtig? Es kommt uns das Wort des Herrn aus dem Evangelium vom letzten Sonntag in den Sinn: Die Ersten werden die Letzten und die Letzten werden die Ersten sein. Ein scheinbar guter Platz kann sich als sehr schlechter Platz erweisen, und wir wissen: Dies geschieht nicht erst beim Letzten Gericht, sondern oft schon mitten in dieser Welt. Wir haben selbst in den letzten Jahrzehnten sehen können, wie Erste gestürzt sind und plötzlich Letzte waren und der scheinbar gute Platz sich als ein verfehlter Platz erwies.“

Der Mensch müsse sich an Gott messen, um den richtigen Platz zu finden. „Wer in dieser Welt und dieser Geschichte vielleicht nach vorn gedrängt wird, auf die ersten Plätze kommt, muss wissen, dass er in Gefahr ist. Er muss umso mehr auf den Herrn hinschauen, an ihm sich messen, messen an der Verantwortung für den anderen, muss der werden, der dient, der in Wirklichkeit anderen zu Füßen sitzt – und so segnet und selbst ein Gesegneter wird. Ich denke, dies alles muss uns durch das Herz gehen, wenn wir auf den hinschauen, der eigentlich der Erstgeborene der Schöpfung ist und der im Stall geboren wurde und am Kreuz starb. Der Platz bei ihm, der Platz nach seinem Maß ist der richtige Platz, welchen Platz auch immer uns die Geschichte zuweisen mag. Entscheidend ist die Verantwortung vor Ihm und die Verantwortung für die Liebe, die Gerechtigkeit und für die Wahrheit.“

Die wichtigsten Dinge im Leben seien umsonst, wie auch die Liebe Gottes. „Die größten Dinge des Lebens – die Liebe, die Freundschaft, die Güte, die Vergebung – die können wir nicht bezahlen, die sind umsonst, wie Gott uns umsonst beschenkt. So dürfen wir mitten in allem Ringen um die Gerechtigkeit in der Welt nie das Umsonst Gottes vergessen, das immer wieder Geben und Empfangen.“

Benedikt XVI. stellte abschließend die Bedeutung der Liturgie heraus. „Denn sie bedeutet, dass wir hinzutreten zu den Scharen der Engel und Heiligen, in die festliche Versammlung, in die festliche Freude Gottes. Ja, wo Liturgie gefeiert wird, ist Zion, ist der Gottesberg, den die Menschheit irgendwie immer sucht, die Höhe, auf der man endlich ins Licht und zu Gott hinaufkommt!“