Weltgemeinschaft reformierter Kirchen fordert bei der Bischofssynode Vertiefung gegenseitiger Anerkennung

Kontextualität und Katholizität gehörten zusammen

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VATIKANSTADT, 22. Oktober 2012 (ZENIT.org). ‑ Bei der 17. Generalkongregation der Bischofssynode am 19. Oktober sprach Prof. Michel Weinrich, Professor an der evangelischen theologischen Fakultät der Ruhr-Universität in Bochum, für die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, ihres Präsidenten Jerry Pillay und des Generalsekretärs Setri Nyomi. 

Die große Bedeutung des Themas der Neuevangelisierung stehe auch im Zentrum der Überlegungen der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, hob er hervor und leitete daraus ab, dass das Verbindende bei Weitem größer als das Trennende sei: „Was könnte eine engere Verbindung sein als das gemeinsame Vertrauen auf die Lebendigkeit des Wortes Gottes und des von ihm immer wieder neu ausgehenden Evangeliums?“, so Weinreich.

Seine besondere Zustimmung fand die These, dass es bei der Neuevangelisierung nicht nur um die Verbesserung der Kommunikationsstrategien nach außen gehe, mit denen die Kirche auf eine sich verändernde Situation reagiere, sondern dass auch die Kirche selber sich immer wieder neu am Evangelium orientieren und sich durch das Evangelium erneuern lassen müsse. Erneuerung sei in ihrer Substanz immer auch Umkehr zu der Quelle des Glaubens.

Die Fragen nach den Grundlagen der Gemeinschaft, ihre Verbindlichkeit und die mit ihr verbundene Verantwortung beschäftige in besonderer Weise auch die Weltgemeingemeinschaft Reformierter Kirchen nach ihrer Neukonstitution 2010 in Grand Rapids. Man habe erkannt, dass es nicht ausreiche, sich gegenseitig als Kirchen anzuerkennen, wenn sich diese Anerkennung nicht im Leben widerspiegle.

Weinreich: „Zugespitzt gesagt: Kontextualität und Katholizität gehören zusammen. Wenn die Kontextualität der Kirche etwas anderes ist als die jeweilige Konkretisierung ihrer Katholizität, dann gibt es ein ernst zu nehmendes Problem zu diskutieren. Das haben wir ganz neu lernen müssen, und nun geht es darum, auch die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen.“

Weiterhin verurteilte er das weltweit durch die „besinnungslose Profitgier vieler Akteure auf dem globalisierten Markt“ in wachsendem Maße produzierte Elend und hob das Engagement seiner Glaubensgemeinschaft auf diesem Gebiet hervor. Die Gerechtigkeit Gottes drücke sich in einem Gemeinschaftsfrieden aus, für den in besonderer Weise der hebräische Begriff „Schalom“ stehe. Dort, wo das Evangelium neu gehört werde, rücke auch immer etwas von diesem Schalom näher.

„Möge Gott es Ihrer Synode schenken, dass sie dem Heiligen Geist ein paar Schritte in diese Richtung folgen kann. Wir sehen den Ergebnissen mit Spannung entgegen. Gott segne diese Synode und ihre wichtige Arbeit“, schloss er. [jb]