Weltgesundheitsorganisation klagt an: Afrika wurde zum „Abfalleimer“ der Welt

Jährlich sterben über 2,4 Millionen Menschen an Umweltschäden

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LIBREVILLE, GABUN, 4. September 2008 (ZENIT.org).- Afrika wurde zum „Abfalleimer“ der Welt, wo Industrieländer ohne Rücksicht auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen ihre Industrieabfälle oder die Abfälle der Konsumgesellschaft (wie zum Beispiel alte Computer oder Mobiltelefone) abladen. Diesen Vorwurf veröffentlichte jetzt der Nahrichtendienst der Päpstlichen Missionswerke FIDES.

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich über 2,4 Millionen Menschen an Umweltschäden. Die erste interministeriale Konferenz über Gesundheit und Umwelt, die vom 26. bis 29. August in Libreville im afrikansichen Gabun stattfand, hat Beschlüsse gefasst, die dem entgegenwirken wollen.

„Der afrikanische Kontinent ist reich an Bodenschätzen und Arbeitskräften und besitzt damit die Grundlagen für eine blühende Volkswirtschaft. Doch die natürlichen Reichtümer des Kontinents werden durch eine unkontrollierte Ausbeutung, Verschmutzung und schlechte Verwaltung ernsthaft bedroht“, heißt es in einem Dokument zur Vorbereitung auf die erste interministeriale Konferenz über Gesundheit und Umwelt, aus der „Fides“ zitiert.

An der Konferenz, die von verschiedenen Hilfswerken der Vereinten Nationen veranstaltet wurde, nahmen über 80 Gesundheits- und Umweltminister aus 53 afrikanischen Staaten teil, die sich damit befassten, wie Umweltfaktoren und Gesundheit die Lebensqualität und Entwicklungsmöglichkeiten des Kontinents beeinflussen.

Die Daten der Weltgesundheitsorganisation sind allarmierend: 23 Prozent der jährlichen Todesfälle in Afrika werden durch „Risikofaktoren verursacht, die mit Umweltschäden in Verbindung stehen, mit besonders schweren Folgen für arme und schwache Bevölkerungsteile“.

Zum Abschluss der Konferenz unterzeichneten die Teilnehmer die „Erklärung von Libreville“, die beim nächsten Gipfel der Staats- und Regierungschefs der Afrikanischen Union vorgelegt werden soll. Darin verpflichten sich die afrikanischen Staaten zu einem „strategischen Bündnis zwischen Gesundheit und Umwelt“. Zur Umsetzung der Erklärung müssen die afrikanischen Gesundheits- und Umweltministerien der verschiedenen afrikanischen Länder nach Ansicht von Experten ihre Arbeit mit den Landwirtschafts-, Wirtschafts- und Wohnungsbauministerien koordinieren.

Der afrikanische Kontinent leidet unter den negativen Folgen des hohen Lebensstandards in den Industrienationen. Dies ging aus der Konferenz über den Klimawandel hervor, die Ende August in Accra (Ghana) stattfand. An dieser Konferenz nahmen 1.600 Delegierte teil, deren Arbeit die nächste Konferenz der Parteien der Konvention und des Protokolls von Kyoto (zur Reduzierung des Ausstoßes von CO2) vorbereiten, die im Dezember in Poznan (Polen) stattfinden wird, wo Grundlagen für eine Schlussvereinbarung geschaffen werden, die das Protokoll von Kyoto modifiziert, das 2012 abläuft.

Die Schlussvereinbarung soll 2009 in Kopenhagen verabschiedet werden. Bei der Konferenz von Accra wurde auf das Problem der Finanzierung von Projekten hingewiesen, die die Folgen für die Umwelt berücksichtigen. Allein für die Herstellung von „grünem“ Strom werden rund 35 Milliarden Dollar pro Jahr benötigt. Die Entwicklungsländer wollen deshalb versuchen, in die neuen Folgevereinbarungen zum Protokoll von Kyoto Klauseln einzufügen, die die reicheren Länder dazu verpflichten, die armen Länder bei der Vereinbarung von Entwicklung und Umweltschutz zu unterstützen.