Welthandelskonferenz in Hongkong: Deutsche Kommission Justitia et Pax fordert Neuausrichtung des Agrarabkommens

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ROM, 15. Dezember 2005 (ZENIT.org).- Aus Anlass der sechsten Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (\"World Trade Organisation\", WTO), die am Dienstag in Hongkong begann, forderte Bischof Dr. Reinhard Marx, Vorsitzender der deutschen Kommission Justitia et Pax, eine Neuausrichtung des derzeit gültigen Agrarabkommens. Auf dem Welthandelsgipfel werden die Vertreter der 149 WTO-Mitgliedsstaaten Staaten noch bis Sonntag über eine weitere Liberalisierung des Welthandels zu beraten.



\"In einer Welt, in der genügend Nahrungsmittel für alle Erdbewohner erzeugt werden können, ist es nicht hinnehmbar, dass Menschen von Unterernährung und Hunger bedroht sind. Wenn Hunger und Armut erfolgreich bekämpft werden sollen, müssen sich entwicklungspolitische, agrarpolitische und handelspolitische Interessen treffen und in den Dienst der Armen gestellt werden\", betonte Bischof Dr. Reinhard Marx in der vergangenen Woche in Bonn.

In Zusammenarbeit mit der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) und der Katholischen Landjugendbewegung (KLJ) hatte man ein gemeinsames Positionspapier (pdf-Format) zum Weltagrarhandel als Testfall für gerechte Welthandlesbedingungen erarbeitet, in dem die Ausrichtung der Reform des Agrarhandels an den UN-Millenniums-Entwicklungszielen gefordert wird. Bei den anstehenden Agrarverhandlungen sei es notwendig, die multifunktionale Landwirtschaft zusammen mit dem Menschenrecht auf Nahrung als Leitbilder für Reformen in den Vordergrund zu stellen. Der Wert von Nahrungsmitteln, der Wert der Landschaftspflege und der Erzeugung anderer landwirtschaftlicher Produkte, die für das Leben notwendig sind, müsse wiederentdeckt und neu definiert werden.

Justitia et Pax, KLB und KLJB analysieren in ihrem Positionspapier die vermeintlichen Differenzen zwischen den Interessen der Bauern und Bäuerinnen in Nord und Süd. Die Analyse stützt sich auf ethische und menschenrechtliche Kriterien, die auch als Ausgangspunkt für die Formulierung von sozialethischen Maßstäben für eine Reform des Weltagrarhandels dienen. Auf deren Grundlage ziehen die Verfasser eine kritische Bilanz der Welthandelsorganisation und ihres Agrarabkommens und leiten Perspektiven für schlüssige Reformen ab: den Abbau der Agrarsubventionen, die Möglichkeit für Entwicklungsländer, ihre heimischen Märkte zu schützen und gerechte multilaterale Verträge abzuschließen, sowie die Förderung ländlicher Entwicklung im Rahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit.