Weltjugendtag 2005: Wendepunkt in Deutschland und Europa

Erste Bilanz von Kardinal Wetter (München), Kardinal Schönborn (Wien) und Weihbischof Neymeyr (Mainz)

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KÖLN, 23. August 2005 (ZENIT.org).- "Der Weltjugendtag mit Papst Benedikt XVI. in Köln hat einen Kontrapunkt gesetzt", erklärte Kardinal Friedrich Wetter, Erzbischof von München und Freising, in einer ersten Bilanz zum Weltjugendtag in Köln.



Das Glaubensfest, dessen Abschlussgottesdienst am Sonntagvormittag mit dem Heiligen Vater über eine Million Menschen auf das Marienfeld nahe bei Köln führte, habe gezeigt, "dass das Lebensgefühl der jungen Generation nicht im Gegensatz zum Bekenntnis des christlichen Glaubens steht, dass die Zugehörigkeit zur Kirche und Lebensfreude unverkrampft miteinander vereinbar sind. Die sichtbare und unüberhörbare Lebensfreude junger Christen ist ein Zeichen für die Vitalität und Lebendigkeit der Kirche."

Nach Ende des 20. Weltjugendtages sagte Kardinal Wetter in Köln außerdem: "Die Begegnungen des Papstes und der Bischöfe mit diesen jungen Menschen bei vielen Gottesdiensten und Katechesen haben die innere Einheit der Kirche sichtbar gemacht. Wir sind gemeinsam unterwegs auf dem Weg der Suche nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe. Der Weltjugendtag zeigte, was Papst Benedikt bei seiner Amtsübernahme sagte: 'Die Kirche lebt, und die Kirche ist jung.'"

"Auftrag für die Kirche"

Mit seiner Botschaft der Freude am Glauben und am Christsein sei der Weltjugendtag "ein Auftrag für die Kirche unseres Landes. Wir müssen uns mit besonderer Aufmerksamkeit und Offenheit denjenigen zuzuwenden, die in einer gewissen Distanz zum Glauben und zur Kirche leben oder mit dem Glauben und der Kirche kaum etwas anfangen können. Wir müssen ihnen den Weg zu Christus zeigen und ihnen deutlich machen, dass sie im Glauben an Gott das wahre Leben finden können und dass es durch den Glauben reicher, tiefer und schöner wird."

Christoph Kardinal Schönborn, Erzbischof von Wien, erklärte in Köln, der Besuch Papst Benedikts XVI. beim 20. Weltjugendtag könne einen "Wendepunkt" in der Geschichte Europas markieren. Der österreichische Kardinal zeigte sich überzeugt davon, dass die vergangenen Tage "kraftvolle Auswirkungen" haben würden – auf die katholische Kirche in Deutschland und darüber hinaus. Genauso sei es 1997 beim Weltjugendtag in Paris im Hinblick auf Frankreich und andere französischsprachige Gebiete der Fall gewesen, merkte der Kardinal an.

Papst Benedikt XVI., "Geschenk der göttlichen Vorsehung"

Europa brauche die Vitalität der Weltjugendtage dringend, da es der europäischen Gesellschaft an Energie mangle. Nach Ansicht Kardinal Schönborns befindet sie sich in "emotionalen Schwierigkeiten". Drigend brauche sie Menschen, die "Motive der Hoffnung" und "Optionen für die Zukunft" aufzeigen. Papst Benedikt XVI. sei eine solche Persönlichkeit, daher sei seine Wahl in diesem schwierigen Augenblick ein "Geschenk der göttlichen Vorsehung" gewesen.

Tief beeindruckt zeigte sich der Mainzer Weihbischof, Dr. Ulrich Neymeyr, unmittelbar nach dem Abschlussgottesdienst am Sonntag: "Die Begeisterung der jungen Menschen mitzuerleben und auf der anderen Seite diese gesammelte Atmosphäre und Stille auf einem Platz mit so vielen Menschen, das hat mich sehr beeindruckt." Er wies darauf hin, dass es sich um den größten Gottesdienst gehandelt habe, der je in Deutschland gefeiert worden ist. Während des gesamten Weltjugendtages habe er "eine große Freunde und Begeisterung, aber auch große Aufgeschlossenheit für den Glauben" erlebt. Trotz einiger Widrigkeiten bei Transport und Essenausgabe hätten sich die Jugendlichen "die gute Laune nicht verderben lassen".

Katechesen zur Vertiefungs des Glaubenswissens

Besonders imponiert habe dem Weihbischof, der im Bistum Mainz für die Jugendpastoral zuständig ist, "die große Aufmerksamkeit bei den Katechesen und bei den anschließenden Eucharistiefeiern". Nun hoffe er, dass die deutschen Gemeinden und Jugendverbände das Element der Katechesen, das beim Weltjugendtag eine große Rolle gespielt hat, in der Jugendseelsorge künftig verstärkt aufgreifen werden. Damit könne erreicht werden, dass in der Jugendpastoral nicht nur Glaubenserfahrung miteinander geteilt werde, sondern auch Glaubenswissen.