Weltweites Priester-Jahr 2009/2010: „Treue in Christus, Treue des Priesters“
Ansprache Benedikts XVI. vor der Kongregation für den Klerus
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WÜRZBURG, 19. März 2009 (Die-Tagespost.de/ ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am 16. März, also einen Tag vor seiner Abreise nach Afrika, beim Empfang der Mitglieder der diesjährigen Vollversammlung der Kongregation für den Klerus gehalten hat.
Der Heilige Vater kündigte bei dieser Gelegenheit ein besonderes „Jahr des Priesters" an: Es wird im Zeichen des Mottos „Treue zu Christus, Treue des Priesters" stehen und mit der Feier der Vesper am 19. Juni eingeläutet werden, am Hochfest des Allerheiligsten Herzens Jesu, an dem traditionell auch der Welttag der Heiligung der Priester begangen wird. Anlass ist der 150. Todestag des heiligen Pfarrers von Ars Jean-Baptiste Marie Vianney (* 8. Mai 1786 in Dardilly,; † 4. August 1859 in Ars-sur-Formans). Papst Pius XI. hatte den beliebten Beichtvater am 31. Mai 1925 heilig gesprochen.
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Verehrte Mitbrüder im Bischofs- und im Priesteramt!
Ich freue mich, Euch am Vorabend meiner Abreise nach Afrika – wohin ich mich begeben werde, um das „Instrumentum laboris“ der Zweiten Sonderversammlung der Synode für Afrika zu überreichen, die im kommenden Oktober hier in Rom stattfinden wird – zu einer besonderen Audienz zu empfangen. Ich danke dem Präfekten der Kongregation, Kardinal Claudio Hummes, für die freundlichen Worte, mit denen er die Gefühle von Euch allen zum Ausdruck gebracht hat, und ich danke für den schönen Brief, den Ihr mir geschrieben habt. Neben dem Präfekten begrüße ich Euch alle, die Oberen, die Offiziale und die Mitglieder der Kongregation, voller Dankbarkeit für die Arbeit, die Ihr im Dienst eines so wichtigen Bereichs des kirchlichen Lebens leistet.
Das Thema, das Ihr für diese Vollversammlung ausgewählt habt „Die missionarische Identität des Priesters in der Kirche als intrinsische Dimension der Ausübung der ,tria munera‘“ – gestattet einige Überlegungen für die Arbeit dieser Tage und für die reiche Frucht, die sie gewiss bringen wird. Auch wenn die ganze Kirche missionarisch ist und jeder Christ kraft der Taufe und der Firmung „quasi ex officio“ (vgl. CCC, 1305) das Mandat empfängt, öffentlich den Glauben zu bekennen, unterscheidet sich das Amtspriestertum unter diesem Gesichtspunkt ontologisch – und nicht nur graduell – vom Priestertum durch die Taufe, das auch als allgemeines Priestertum bezeichnet wird. So ist für ersteres das apostolische Mandat konstitutiv: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16, 15). Wie wir wissen, ist dieses Mandat nicht einfach ein Auftrag, der Mitarbeitern anvertraut wird; seine Wurzeln gehen weiter zurück und müssen in größerer Tiefe gesucht werden.
Die missionarische Dimension des Priesters entsteht aus seinem sakramentalen Ähnlichwerden mit Christus, dem Haupt: das hat eine innere und totale Verbundenheit mit dem zur Folge, was die kirchliche Tradition als die „apostolica vivendi forma“ bestimmt hat. Sie besteht in der Teilnahme an einem geistlich intensiven „neuen Leben“, an jenem „neuen Lebensstil“, der vom Herrn Jesus eingesetzt wurde und den die Apostel sich zu eigen gemacht haben. Durch die Handauflegung des Bischofs und das Weihegebet der Kirche werden die Kandidaten neue Menschen, sie werden „Priester“. In diesem Licht wird deutlich, dass die „tria munera“ zunächst ein Geschenk und erst in der Folge ein Amt sind, dass sie zunächst die Teilhabe an einem Leben und daher eine „potestas“ sind. Gewiss, die große kirchliche Tradition hat zu Recht die sakramentale Wirksamkeit von der konkreten Lebenssituation des einzelnen Priesters gelöst, und so sind die berechtigten Erwartungen der Gläubigen angemessen geschützt. Doch diese korrekte lehramtliche Präzisierung befreit in keiner Weise von dem notwendigen, ja unerlässlichen Streben nach moralischer Vollkommenheit, die jedem wirklich priesterlichen Herzen innewohnen muss.
Gerade um dieses Streben der Priester nach geistlicher Vollkommenheit zu fördern, von der vor allem die Wirksamkeit ihres Amtes abhängt, habe ich beschlossen, ein besonderes „Priesterjahr“ auszurufen, das vom kommenden 19. Juni bis zum 19. Juni 2010 dauern wird. Es jährt sich schließlich der 150. Todestag des heilige Pfarrers von Ars, Jean-Baptiste-Marie Vianney, eines wahren Vorbilds für einen Hirten im Dienste der Herde Christi. Es wird Eurer Kongregation obliegen, in Übereinkunft mit den Diözesanbischöfen und den Oberen der Ordensinstitute die verschiedenen geistlichen und pastoralen Initiativen zu fördern und zu koordinieren, die nützlich erscheinen, um die Bedeutung der Rolle und der Sendung des Priesters in der Kirche und in der zeitgenössischen Gesellschaft immer deutlicher wahrnehmbar werden zu lassen.
Die Mission des Priesters findet, wie das Thema der Vollversammlung herausstellt, „in der Kirche“ statt. Eine solche kirchliche, gemeinschaftliche, hierarchische und lehramtliche Dimension ist absolut unerlässlich für jede wirkliche Mission, und nur sie garantiert ihre geistliche Wirksamkeit. Die vier erwähnten Aspekte müssen immer als zutiefst miteinander verbunden betrachtet werden: die Mission ist „kirchlich“, weil niemand sich selbst verkündet oder bringt, sondern innerhalb und durch seine Menschheit muss jeder Priester sich klar bewusst sein, der Welt einen Anderen, der Welt Gott selbst zu bringen. Gott ist alles in allem der einzige Reichtum, den die Menschen in einem Priester zu finden wünschen. Die Mission ist „gemeinschaftlich“, weil sie in einer Einheit und Gemeinschaft stattfindet, die erst in zweiter Linie auch wichtige Aspekte sozialer Sichtbarkeit umfasst. Diese ihrerseits entspringen im wesentlichen jener göttlichen Nähe, mit der Erfahrung zu haben der Priester aufgerufen ist, um demütig und vertrauensvoll die ihm anvertrauten Seelen zu ebendieser Begegnung mit dem Herrn führen zu können. Schließlich empfehlen die Dimensionen „hierarchisch“ und „lehramtlich“ auf die Bedeutung der kirchlichen Disziplin (der Begriff hängt mit „discipulus“, „Schüler“, zusammen) und der ursprünglichen und permanenten lehramtlichen und nicht nur theologischen Ausbildung hinzuweisen.
Das Bewusstsein der radikalen gesellschaftlichen Veränderungen während der letzten Jahrzehnte muss die besten kirchlichen Kräfte dazu bewegen, sich um die Ausbildung der Kandidaten für das Amt zu kümmern. Vor allem muss es die konstante Fürsorge der Hirten ihren ersten Mitarbeitern gegenüber anspornen – sowohl durch die Pflege wirklich väterlicher menschlicher Beziehungen, als auch durch die Sorge um ihre ständige Weiterbildung, vor allem unter lehramtlichem und geistlichem Gesichtspunkt. Die Mission hat ihre Wurzeln in besonderer Weise in einer guten Ausbildung, die in der ununterbrochenen Gemeinschaft mit der kirchlichen Tradition – ohne Zäsuren oder der Versuchung zur Diskontinuität – entwickelt wurde. In diesem Sinne ist es wichtig, in den Priestern, vor allem der jungen Generationen, eine korrekte Rezeption der Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils zu fördern, die im Lichte des gesamten lehramtlichen Schatzes der Kirche ausgelegt werden müssen. Dringend erscheint auch das Wiedererlangen jenes Bewusstseins geboten, das die Priester dazu drängt – sei es durch die Urteilskraft im Glauben, sei es durch die persönlichen Tugenden oder sei es auch durch die Kleidung – in den kulturellen und karitativen Bereichen, die seit jeher den Kern der kirchlichen Mission bilden, präsent, identifizierbar und erkennbar zu sein.
Als Kirche und als Priester verkünden wir Jesus von Nazareth, den Herrn und Christus, gekreuzigt und auferstanden, Herrscher über die Zeit und die Geschichte, in der frohen Gewissheit, dass diese Wahrheit mit den tiefsten Erwartungen des menschlichen Herzens übereinstimmt. Im Geheimnis der Fleischwerdung des Wortes, in der Tatsache also, dass Gott Mensch geworden ist wie wir, findet sich sowohl der Inhalt als auch die Methode der christlichen Verkündigung. Die Mission hat hier ihr wirkliches Antriebszentrum: in Jesus Christus eben. Die Zentralität Christi bringt die richtige Bewertung des Priesteramts mit sich, ohne das es weder die Eucharistie, noch die Mission, noch die Kirche selbst gäbe. In diesem Sinne ist darauf zu achten, dass die „neuen Strukturen“ und pastoralen Organisationen nicht für eine Zeit gedacht werden, in der man möglicherweise auf das Weiheamt „verzichten“ müsste, und dass man dabei nicht von einer falschen Interpretation der richtigen Förderung der Laien ausgeht, da in diesem Fall die Voraussetzungen für eine weitere Verwässerung des Amtspriestertums geschaffen würden und die möglichen angeblichen „Lösungen“ so auf dramatische Weise mit den wirklichen Ursachen der zeitgenössischen Problematiken, die mit dem Amt verbunden sind, zusammenfallen würden.
Ich bin gewiss, dass in diesen Tagen die Arbeit der Vollversammlung unter dem Schutz der „Mater Ecclesiae“ diese kurzen Anregungen vertiefen können wird, die ich mir erlaube, der Aufmerksamkeit der Herren Kardinäle und der Erzbischöfe und Bischöfe zu unterbreiten, wobei ich auf alle die reiche Fülle der himmlischen Gaben herabrufe, als deren Zeichen ich Euch und allen Menschen, die Euch teuer sind, von Herzen meinen besonderen Apostolischen Segen erteile.
[Übersetzung aus dem Italienischen von Claudia Reimüller, © Die Tagespost vom 19. März 2009]


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