Weniger Verschwendung, mehr Transparenz

Die Aufgaben der Sonderkommission für die wirtschaftliche Strukturreform

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 432 klicks

Mit dem Chirograph vom 18. Juli hat Papst Franziskus seinen Reformkurs fortgeführt und eine Päpstliche Sonderkommission für die wirtschaftliche Strukturreform der römischen Kurie eingesetzt. Ihr kommt die Aufgabe zu, an der Reform der Wirtschafts- und Verwaltungsstrukturen des Heiligen Stuhls mitzuarbeiten. Wie der Pressesaal des Vatikans am 19. Juli mitteilte, werde sie Informationen sammeln, dem Heiligen Vater Bericht erstatten und mit dem Gremium der acht Kardinäle zusammenarbeiten, die dem Papst beratend zur Seite stehen und mit der Ausarbeitung einer Kurienreform betraut sind. Dem Gremium gehört unter anderem der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, an. Auf Anfrage könne die Kommission, wie es in der Presseverlautbarung weiter heißt, auch zusammen mit dem Gremium der Kardinäle in die Ausarbeitung der Reform der apostolischen Verfassung „Pastor Bonus“ zur römischen Kurie einbezogen werden.

Einziges deutsches Mitglied der insgesamt achtköpfigen Sonderkommission ist Dr. Jochen Messemer. Jochen Messemer, Jahrgang 1966, ist seit 2009 einer der internationalen Revisoren an der Präfektur für Wirtschaftliche Angelegenheiten des Heiligen Stuhls.

Die Präfektur für Wirtschaftliche Angelegenheiten „untersucht die Berichte über den Vermögens- und Wirtschaftsstand sowie die Schlussbilanzen bzw. die jeweilige Haushaltsvorschau der Verwaltungen, die in Art. 176 aufgeführt werden, und kontrolliert, insofern dies als notwendig erachtet wird, die Rechnungsführung sowie die entsprechenden Dokumente, erstellt die Haushaltsvorschau sowie die abschließende Haushaltsbilanz des Heiligen Stuhls und unterbreitet sie innerhalb der vorgesehenen Frist der Approbierung durch die vorgesetzten Autoritäten (Art. 178), überwacht die wirtschaftlichen Initiativen der Verwaltungen und gibt ein Urteil über Projekte von größerer Bedeutung ab. Sie untersucht, welche Schäden auf welche Weise auch immer dem Vermögen des Heiligen Stuhls entstehen, um gegebenenfalls die Straf- bzw. die zivilen Gerichte in diesen Angelegenheiten einzuschalten (Art. 179). 

Jochen Messemer ist außerdem Vorstandsmitglied der ERGO AG in Düsseldorf und Grabesritter der Komturei Düsseldorf. 

Die weiteren sieben Mitglieder der Kommission, Rechts- Wirtschafts-, Finanz- und Verwaltungsexperten, sind Msgr. Lucio Angel Vallejo Balda, Sekretär der Präfektur für Wirtschaftliche Angelegenheiten, in der Funktion als Sekretär der Kommission und einziges Mitglied aus dem Klerus, Jean-Baptiste de Franssu aus Frankreich, Dr. Enrique Llano aus Spanien, Francesca Immacolata Chaouqui aus Italien, Jean Videlain-Sevestre aus Frankreich, George Yeo aus Singapur sowie als Präsident der Kommission Dr. Joseph F.X. Zahra aus Malta. Wie Dr. Jochen Messemer ist Zahra an der Präfektur für Wirtschaftliche Angelegenheiten des Heiligen Stuhls tätig. Der aus Malta gebürtige Wirtschaftsfachmann ist außerdem Mitglied der Päpstlichen Stiftung „Centesimus Annus pro Pontifice.“  

Die Sonderkommission, die in Kürze ihre Arbeit aufnehmen und sich nach der Rückkehr des Papstes aus Brasilien zum ersten Mal zu einer Sitzung treffen wird, hat das Ziel „einer Vereinfachung und Rationalisierung bestehender Organe und einer verantwortungsvollen Planung der wirtschaftlichen Aktivitäten aller Verwaltungsorgane des Vatikans“, so die Pressemitteilung vom 19. Juli. Die jeweiligen Ziele und Kompetenzen sind im Chirograph genau festgelegt.

Papst Franziskus führt in seinem Schreiben unter anderem aus, die Beratung durch Spezialisten und das Ausarbeiten von Lösungen diene dazu, „die Verschwendung wirtschaftlicher Ressourcen zu verhindern, die Transparenz beim Erwerb von Gütern und bei Dienstleistungen zu fördern, die Verwaltung beweglicher und unbeweglicher Güter zu optimieren, mit immer größerer Vorsicht Finanzoperationen vorzunehmen, eine korrekte Haushaltsführung zu sowie eine Kranken- und Sozialversorgung aller Berechtigten zu garantieren.“