Wenn die Arbeit keine Zeit für Gott lässt

Am 26. April wird die Ordensschwester Maria Gertrude Comensoli heilig gesprochen

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ROM, 9. April 2009 (ZENIT.org).- Die italienische Ordensschwester Maria Gertrud Comensoli (1847-1903) starb während der Anbetung der Eucharistie. Ihr Tod ist ein Sinnbild für ihr ganzes Leben: Es hatte sich nämlich durch das Bemühen ausgezeichnet, inmitten einer zunehmend industrialisierten Gesellschaft für Gott mehr Raum zu schaffen. Als Schwester Gertrud vom heiligen Sakrament gründete die Italieniern gemeinsam mit einem Priester die Sakramentinerinnen von Bergamo zur immerwährenden Anbetung und Erziehung verlassener Mädchen. Papst Benedikt XVI. wird Schwester Comensoli am 26. April heilig sprechen.

Bereits im Alter von 15 Jahren wollte die spätere Ordensgründerin einem Konvent beitreten, den sie aber aus gesundheitlichen Gründen verlassen musste. „Seit ihrer Kindheit war sie sehr feinfühlig für die Gegenwart Gottes unter den Menschen durch die Eucharistie", berichtete der Postulator ihrer Heiligsprechung, Pater Riccardo Petroni, gegenüber ZENIT. Ihre große Sorge sei es gewesen, dass Italiens ländliche Bevölkerung durch die wachsende Industrialisierung negativ verändert werde. Familien begegneten neuen Arbeitsbedingungen, die nach Ansicht von Schwester Ceomensol abträgliche moralische Auswirkungen hätten. Vor allem die exzessive Ausweitung der Arbeitszeit störte die Ordensfrau, weil dann „kein Platz mehr für die Seele" bleibe.

Comensoli bekam eine Privataudienz bei Papst Leo XIII., der sie darin bestärkte, sich der schwierigen sozialen Lage der Arbeiter und der Erziehung junger Frauen anzunehmen. „Mich stimmte alles traurig, was nicht zu Gott und zur Ausübung der Tugenden führte", schrieb Comensoli später in ihrer kurzen Autobiographie.

Am 15. Dezember 1882 gründete sie ein Institut für Anbetung und Erziehung, die Kongregation der Sakramentinerinnen von Bergamo. Pater Francesco Spinelli stand ihr dabei beratend zur Seite; Unterstützung kam auch von Diözesanbischof Gaetano Guindani. Vorrangiges Ziel war die fortwährende Anbetung, damit ihre Mitschwestern gestärkt durch Gebet den Ärmsten helfen konnten. Ein großes Anliegen der Ordensschwestern sei es gewesen, dass das Arbeitsleben nicht zu einem Risiko für die Erlösung der Seele werde, erklärte Pater Petroni. Im Jahr 1900 erhielt die Kongregation die päpstliche Anerkennung.

„Jesus Christus lebt mitten unter uns, um uns nahe zu sein und uns jederzeit zu helfen", schrieb Schwester Gertrude. „Die Liebe macht ihn zum Gefangenen in einer Hostie, im heiligen Tabernakel Tag und Nacht versteckt."

Heute hat die Kongregation um die 90 Gemeinschaften in Europa, Afrika und Südamerika. Angetrieben von einer eucharistischen Spiritualität üben die Schwestern ihre täglichen Dienste in sozialen, erzieherischen und liturgischen Unternehmen aus. Schwester Comensoli starb 1903 und wurde 1989 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.