Wenn Herz zum Herzen spricht

Letzte Generalaudienz von Papst Benedikt XVI. voller Emotionen

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Jan Bentz | 1077 klicks

Liebe, Dankbarkeit und vor allem bewegte Herzen: Voll tiefster Emotionen war die letzte Generalaudienz mit Papst Benedikt XVI. am heutigen Vormittag unter stahlendblauem Himmel auf dem Petersplatz. Sie wurde zu einem einzigen Austausch von Liebe und Dankbarkeit zwischen dem scheidenden „Papa“ und seiner Glaubensfamilie. Jetzt schienen sich lang aufgestaute Gefühle Luft zu machen: Papa, wir lieben dich; Papa, wir bleiben immer bei dir; Papa, du bist für immer in unseren Herzen; Papa, du bist nie allein!, und immer wieder Grazie, Grazie, Danke. Keine Zurückhaltung gab es mehr bei dem tausendstimmigen Dankjubel für den Heiligen Vater, als er endlich im weißen Papamobil auf dem Platz auftauchte. Auch nicht bei den Tränen. Mehr als 250.000 Pilger (entgegen angeblich offiziellen Zahlen), angereist aus aller Welt, hatten bereits seit Stunden auf diesen Augenblick gewartet. Natürlich konnte der Petersplatz allein die Massen nicht aufnehmen, die sich in die anliegende Via della Conciliazione hinein ausbreiten mussten.

Den Papst empfing ein Meer von Fahnen, Spruchbändern und immer wieder Herzen, Tausende von Priestern und Ordensleuten, katholische Gemeinschaften, die römische Kurie und natürlich die bereits in Rom anwesenden Kardinäle des zukünftigen Konklave. Besonders ausgedehnt wurde heute die Fahrt des Papamobil durch die Menschen auf dem Petersplatz, immer wieder dadurch unterbrochen, dass ein Kind dem Heiligen Vater zum Segnen gereicht wurde, zum letzten Mal.

Kamerateams aller großen Fernsehstationen der ganzen Welt waren bereits vor Ort, angereist zum bevorstehenden Konklave, und übertrugen diese überwältigenden Eindrücke von Dank, Solidarität, Liebe und Einheit der katholischen Gläubigen mit diesem, ihrem Papst in alle Welt.

Rührung und ein wenig scheues Staunen standen auch Benedikt XVI. ins Gesicht geschrieben, als er sich mit den Einleitungsworten „Pax vobis“ an die Versammelten wandte. Oftmals hatte er in den vergangenen Tagen geäußert, wie sehr er die Zuneigung und Sympathie der Menschen geradezu physisch spüre, er werde nahezu davon getragen. Dies war wieder so ein Moment.

So war auch seine letzte, sehr persönliche Ansprache -ständig von Applaus unterbrochen- ein einziger Dank, Dank an alle, die ihn durch die Jahre begleitet hatten, an alle, denen er begegnen durfte, an alle, die ihm in den letzten Tagen tausendfach ihre Liebe und Zuneigung versichert hatten: „Ich habe mich nie allein gefühlt, der Papst ist nie allein“, versicherte er. Dank aber vor allem an Gott, in dessen Dienst er sich als Nachfolger Petri stellen und dessen Kirche er durch die Wogen der Zeit steuern durfte.

Wie ein guter Vater tröstete er aber seine Familie auch mit den Worten des Glaubens, mit der Erinnerung daran, dass die Kirche nicht den Menschen gehöre, sondern dem Herrn, dass er es sei, der sie führe, dass er es sei, in dessen Händen sie liege. Der Herr habe ihn geführt, versicherte Benedikt XVI., und: „Ich habe ein tiefes Vertrauen in mir, dass die Kirche lebt, dass das Wort Gottes in der Kirche lebt und weiterleben wird.“

Und so lag beides dicht zusammen am heutigen Tag: Tränen und Trost.

Als der Papst am Ende den Schlusssegen erteilt hatte, brachen noch einmal alle Dämme: Sicher bis zum Tiber hörbar erscholl der Jubelruf für diesen scheidenden Papst, diesen Giganten des Glaubens.

Wie immer verlas der Papst bei den Grüßen an die deutschen Pilger die Zusammenfassung seiner Ansprache, die wir in der offiziellen Übersetzung dokumentieren:

Liebe Brüder und Schwestern!

In diesen Tagen danke ich Gott aus tiefstem Herzen, der stets die Kirche führt und gedeihen läßt. Ihm vertraue ich die Kirche in aller Welt an. Wir wissen, das Wort der Wahrheit des Evangeliums ist die Kraft und das Leben der Kirche. In dieser Gewissheit habe ich vor knapp acht Jahren ja dazu gesagt, das Amt des Nachfolgers Petri anzunehmen. Und der Herr hat mich immer geführt und war mir nahe – in Zeiten der Freude und des Lichts, aber auch in schwierigen Zeiten. Wie Petrus und die Jünger im Boot auf dem See von Galiläa wußte ich, der Herr ist im Boot, ja, es ist sein Boot. Er führt das Schiff der Kirche. Nichts kann diese Gewissheit verdunkeln. Ich lade euch ein, in diesem Jahr des Glaubens euer Vertrauen in den Herrn zu erneuern; sein Arm hält uns, auch und gerade in der Mühsal. Mein Wunsch ist, dass alle die Freude spüren, wie schön es ist, Christ zu sein und zur Kirche zu gehören. Ferner ist ein Papst nicht allein, wenn er das Schifflein Petri lenkt. So danke ich allen, die mir in der Ausübung des Petrusamtes großherzig geholfen haben. Bei den Audienzen, bei den Pastoralreisen und den vielen Begegnungen konnte ich die Zuneigung und Liebe unzähliger Menschen zum Nachfolger Petri spüren. Sie alle schließe ich in mein Gebet ein und ebenso die ganze Welt. Schließlich danke ich euch allen, daß ihr meine Entscheidung, die ich vor dem Herrn zum Wohl der Kirche getroffen habe, mit Respekt und Verständnis aufgenommen habt. Ich werde weiterhin den Weg der Kirche im Gebet begleiten.

Ein herzliches „Vergelt’s Gott" sage ich allen Brüdern und Schwestern deutscher Sprache – euch, liebe Freunde, die ihr zu dieser letzten Generalaudienz meines Pontifikats gekommen seid, und allen zu Hause. Gott leitet die Kirche. Der Herr trägt sie immer, gerade auch in schwierigen Zeiten. Diese Sicht aus dem Glauben wollen wir nie verlieren. Wir dürfen stets gewiss sein, daß der Herr uns nahe ist, uns nicht verlässt und uns stets mit seiner Liebe umfängt. Im Gebet bleiben wir miteinander verbunden. Von Herzen segne ich euch alle.

[© 2012 - Libreria Editrice Vaticana]