Wenn Religion mundtot gemacht werden soll

Immer noch Repression in vielen Ländern

Rom, (ZENIT.org) P. John Flynn LC | 836 klicks

Der Prozess und die Verurteilung von Saeed Abedini im Iran haben die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wieder einmal auf das Fehlen von Religionsfreiheit in vielen mehrheitlich muslimischen Ländern gelenkt. Abedini, der im Iran geboren wurde, heute aber US-amerikanischer Staatsbürger ist, wurde auf einer Reise durch sein Geburtsland verhaftet. Als geborener Muslim war Abedini später zum Christentum übergetreten. In den vergangenen Jahren hatte er verschiedene Kirchen im Iran gegründet, aber zum Zeitpunkt seiner Festnahme arbeitete er am Aufbau eines Waisenheims.

Am vergangenen 27. Januar wurde Abedini zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Einem Bericht des World Watch Monitor vom 29. Januar zufolge soll die Begründung für dieses Urteil gewesen sein, Abedini habe durch die Gründung christlicher Kirchen die nationale Sicherheit des Iran gefährdet.

„Wir haben ernsthafte Zweifel an der Fairness und Durchsichtigkeit des Gerichtsverfahrens gegen Herrn Abedini“, erklärte der neu bestätigte Außenminister der Vereinigten Staaten John Kerry. „In Übereinstimmung mit der gesamten Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika verurteile ich die fortgesetzte Missachtung des Rechts auf Religionsfreiheit im Iran und fordere die iranischen Behörden auf, Herrn Abedini freizulassen.“

Am vergangenen 21. November veröffentlichte das „Pew Forum on Religion and Public Life“ eine Studie über die Verbreitung der Gesetze gegen Blasphemie, Apostasie und Diffamierung der Religion. Dabei wurde auf verschiedene Fälle Bezug genommen, die sich in der jüngsten Vergangenheit zugetragen haben, zum Beispiel der Fall des 14-jährigen Mädchens, das in Pakistan festgenommen wurde, weil es angeblich einige Seiten des Koran verbrannt hatte.

Obwohl viele Fälle von Missachtung der Religionsfreiheit sich in muslimischen Ländern zutragen, ist dieses Phänomen nicht nur in der islamischen Kultur verbreitet. Ein von der Studie des „Pew Forum“ zitiertes Beispiel betrifft einen Mann, der in Griechenland wegen Blasphemie vor Gericht gestellt wurde, weil er satirische Anspielungen auf die orthodoxe Kirche im Internet veröffentlicht hatte.

Der Studie des „Pew Forum“ zufolge besaßen 2011 fast die Hälfte (47 Prozent) aller Länder der Welt Gesetze, die Strafen für Blasphemie, Apostasie und Diffamierung der Religion vorsehen. Von den 198 von der Studie erfassten Ländern besaßen 32 (16 Prozent) Gesetze gegen Blasphemie, 20 (10 Prozent) Gesetzte und Strafen gegen Apostasie und 87 (44 Prozent) Gesetze gegen Diffamierung der Religion, was allerdings auch Hassreden gegen religiöse Gruppen mit einschließt.

Gesetze gegen Blasphemie sind besonders in Nordafrika und im nahen und mittleren Osten verbreitet, wo sie in 13 von insgesamt 20 Ländern in Kraft sind. Zum Vergleich: Im asiatisch-pazifischen Raum besitzen nur neun von insgesamt 50 Ländern vergleichbare Gesetze; in Europa sind es acht von 45 Ländern.

Von den 20 Ländern weltweit, in denen Apostasie gesetzlich bestraft wird, befinden sich 11 in Nordafrika und im Nahen bzw. Mittleren Osten, während kein Land in Europa, Nord- und Südamerika vergleichbare Gesetze besitzt.

Hingegen sind Gesetze gegen Diffamierung der Religion gerade in Europa am weitesten verbreitet: 36 von 45 Ländern besitzen sie. Die Studie bemerkt allerdings, dass in den meisten Fällen eher Hass schürende Propaganda gegen religiöse Gruppen als Diffamierung an sich bestraft wird.

Die jüngsten Nachrichten und der Befund des „Pew Forum“ bestätigen die Befürchtungen von Paul Marshall und Nina Shea, Autoren des 2011 erschienen Buchs „Silenced: How Apostasy and Blasphemy Codes are Choking Freedom Worldwide“ (Oxford University Press), in dem die Lage sowohl der muslimischen als auch der westlichen Länder untersucht wird und auch die Versuche geschildert werden, Regelungen gegen Blasphemie über die Vereinten Nationen einzuführen.

Was die muslimischen Länder betrifft, stellten die Autoren fest, dass die Gesetze gegen Blasphemie oft dazu benutzt werden, die Freiheit von Wissenschaftlern, Schriftstellern, Oppositionellen und Menschenrechts-Aktivisten einzuschränken. Oft sind auch politische und akademische Freiheiten davon betroffen. Weiter argumentierten Marshall und Shea, diese Gesetze förderten eine strenge religiöse Orthodoxie und erlaubten es religiösen Extremisten, jeden einzuschüchtern, der eine Aussöhnung zwischen den muslimischen Nationen und den Rest der Welt anstrebe.

Oft seien die Gesetze sehr weit gefasst, wodurch den Gerichtshöfen viel Freiheit bleibe, sie beliebig auszulegen. Zum Beispiel sei es in Malaysia illegal, „verdrehte Wahrheitsdarstellungen zu verbreiten, die den Glauben der Muslime untergraben könnten.“

In Pakistan verbieten die Gesetze gegen Blasphemie jede Aktion, die „durch deutlichen Angriff oder durch bloße Anspielung, direkt oder indirekt“ den Glauben beleidigen könnte.

Außer mit gesetzlichen Einschränkungen befasst sich das Buch in einem Kapitel auch mit den seitens religiöser Extremisten begangenen Gewalttaten. „Gesetzliche Einschränkungen der Freiheit zur Meinungsäußerung in religiösen Themen sind gefährlich; ein in vielerlei Hinsicht tieferes Problem jedoch stellt die Gewaltandrohung gegen jene Menschen dar, die angeklagt sind, den Islam verunglimpft zu haben“, schreiben die Autoren.

Die Angst vor Gewalt kann zur Selbstzensur führen. Ein solcher Fall ereignete sich zum Beispiel im Jahr 2009, als die Yale University Press es ablehnte, ein Foto der dänischen Karikaturen zu veröffentlichen, die den weltweiten „Karikaturenstreit“ verursacht hatten, obwohl die Veröffentlichung Teil eines Buches war, das sich in objektiver Weise mit diesem Vorfall befasste.

Auf dem Spiel stehe, so die Schlussfolgerung des Buchs, die Erhaltung so grundlegender Rechte wie Religions- und Meinungsfreiheit. Das Schlusskapitel enthält einen Aufruf an die Politiker der Welt, sich mehr mit der Rolle der Religion in der Politik zu befassen und Religionsfreiheit mit größerer Entschlossenheit zu schützen. Ein Aufruf, der heute sehr aktuell ist.