Wenn sich Eheleute um Verzeihung bitten

Impuls zur Nazaret-Aktion der Berufungspastoral der Erzdiözese Wien

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ROM, 16. September 2009 (ZENIT.org).- Ein wichtiger Schlüssel zur glücklichen Ehe ist es, einander verzeihen zu können. Wie das konkret aussehen kann, zeigen die folgenden Gedanken. Sie sind einer Betrachtung der Schönstatt-Bewegung zur Initiative Nazaret-Gebet 2009 der Berufungspastoral der Erzdiözese Wien entnommen und wollen vor allem jene Eltern inspirieren, die im Rahmen dieser Iniatiative täglich den „Angelus“ für die Berufung ihrer Kinder beten.

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„Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist.“ (Lk 11,4)

Betrachtung
Eine ganz wichtige Schule der Verzeihung ist die gegenseitige Verzeihung der Ehepartner. Es kommt immer wieder vor, dass wir aneinander schuldig werden. Das ist völlig normal. Wir sind Menschen mit Erbsünde. Wir sagen nie: „Das dürfte eigentlich nicht vorkommen.“ Sondern: „Bei uns kann alles vorkommen, wir wundern uns nicht.“ Wir wundern uns höchstens, dass es nicht schlimmer ist. Die großen Heiligen unserer Geschichte sind ein Beispiel dafür.

Tagesrückblick
Darum ist es wichtig, dass wir jeden Tag einmal zusammenkommen und schauen, wie es uns geht. Dann erinnern wir uns und sagen: Das und das ist gewesen, es tut mir leid. Und der Partner sagt dann nicht: „Das ist nicht schlimm.“ Schuld muss man bestätigen, nicht verharmlosen. Also nicht bagatellisieren! Und dann verzeihen wir einander.

Das ist vielleicht am Anfang ungewohnt, den Partner um Verzeihung zu bitten. In unserer Gesellschaft ist es eher üblich, Fehler zu verstecken und Gras darüber wachsen zu lassen. Aber die Schuld ist damit nicht weg; sie gärt im Untergrund – wie bei alten Mülldeponien, die man einfach zuschüttet, und Jahre später muss dann eine aufwendige Altlastensanierung durchgeführt werden.

Der Partner hilft
Wenn Ihnen am Abend nichts einfällt, für das Sie den Partner um Verzeihung bitten können, dann ist es gefährlich. Entweder sind Sie schon heilig, oder Ihr Gewissen ist nicht mehr richtig wach. Fragen Sie einfach Ihren Partner: „Es fällt mir nichts ein, was ich falsch gemacht habe; ich kann mir auch nicht vorstellen, was ich hätte besser machen können. Kannst du mir helfen?“ Und dann bitten wir einander um Verzeihung.

Wir nehmen bewusst wahr, dass der Partner uns verzeiht, und wir entdecken hinter der Verzeihung durch den Partner die Liebe Gottes. Wenn wir das jeden Tag machen, ein kleines Schulderlebnis dem Partner sagen, sich vom Partner die Verzeihung schenken lassen, hinter der Verzeihung des Partners die Liebe Gottes sehen und diese Liebe Gottes verkosten, dann gewinnen Sie mit der Zeit eine große Kraft des Herzens. Dann erledigen sich viele Probleme von selber.

Gebet
Barmherziger Vater, du hast uns als Menschen nach deinem Bild geschaffen. Und doch machen wir immer wieder Fehler. Danke, dass wir daran nicht verzweifeln müssen. Danke, dass wir zu dir kommen dürfen und du uns mit offenen Armen aufnimmst.
Herr, wir bitten dich: schenke unserer Ehe ein offenes Klima, damit wir Schuld offen ansprechen und uns gegenseitig verzeihen können. Mache unsere Beziehung frei von Altlasten, damit wir uns jeden Tag neu auf deinen Weg einlassen können. Amen.

Leitgedanke für die Woche

Lass die Sonne nicht untergehen, ehe du verzeihst!

(nach: „Als Ehepaar heilig werden“, Tilmann Beller)