"Wenn wir vereint sind, wird unser Glaube stark"

Katechese des Papstes bei der heutigen Generalaudienz auf dem Petersplatz

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 453 klicks

Die Generalaudienz von heute Vormittag begann um 10.30 Uhr auf dem Petersplatz, wo der Heilige Vater Franziskus mit Gruppen von Pilgern und Gläubigen aus Italien und allen Teilen der Welt zusammentraf.

In seiner in italienischer Sprache gehaltenen Ansprache stellte der Papst die Gemeinschaft der Heiligen in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen.

Nach einer Zusammenfassung in verschiedenen Sprachen wandte sich Papst Franziskus mit einem besonderen Gruß an die anwesenden Gruppen von Gläubigen.

Anschließend richtete er einen Aufruf zum Frieden und zur Versöhnung an die Nation des Irak.

Die Generalaudienz endete mit dem Gesang des Vaterunser und dem apostolischen Segen.

Wir dokumentieren im Folgenden die Katechese des Heiligen Vaters in eigener Übersetzung. 

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Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Im Rahmen der heutigen Katechese möchte ich über eine sehr schöne Realität unseres Glaubens sprechen: über die „Gemeinschaft der Heiligen“. Der „Katechismus der katholischen Kirche“ erinnert uns an die beiden Bedeutungen dieses Ausdrucks: die Gemeinschaft an den heiligen Dingen und die Gemeinschaft zwischen den heiligen Personen (KKK 948). Bei dieser zweiten Bedeutung möchte ich nun verweilen: Es handelt sich dabei um eine unserer tröstlichsten Glaubenswahrheiten, denn sie erinnert uns daran, dass wir nicht alleine sind, sondern vielmehr eine aus dem Glauben entstehende Gemeinschaft des Lebens zwischen den Christus Zugehörigen existiert. So bezieht sich der Begriff „Heilige“ auf jene, die an den Herrn Jesus glauben und in der Taufe durch ihn in die Kirche eingegliedert werden. Daher wurden die ersten Christen auch als „die Heiligen“ bezeichnet (vgl. Apg 9,13.32.41; Röm 8,27; 1 Kor 6,1).

1. Das Johannesevangelium bezeugt, dass Jesus vor seiner Passion mit den folgenden Worten um die Einheit zwischen den Jüngern zum Vater betete: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast“ (17,21). Die Kirche ist in ihrer tiefsten Wahrheit die „Gemeinschaft mit Gott“, Vertrautheit mit Gott, Gemeinschaft der Liebe mit Christus und mit dem Vater im Heiligen Geist, die sich in einer brüderlichen Einheit ihre Fortsetzung findet. Diese Beziehung zwischen Jesus und dem Vater ist das prägende Vorbild der Bindung zwischen uns Christen: Wenn wir zuinnerst in dieses Vorbild eingegliedert sind, in diesen glühenden Ofen der Liebe, die Dreifaltigkeit, so können wir wahrhaft ein Herz und eine Seele sein, weil die Liebe Gottes unsere Egoismen verbrennt, unsere Vorurteile, unsere inneren und äußeren Spaltungen. Die Liebe Gottes verbrennt auch unsere Sünden.

2. Ist diese Verwurzelung in Gott, dem Quell der Liebe, vorhanden, so vollzieht sich die Bewegung auch in umgekehrter Reihenfolge: von den Brüdern zu Gott; die Erfahrung der brüderlichen Einheit führt mich zur Einheit mit Gott. Über das Vereint-Sein unter uns gelangen wir zur Einheit mit Gott, zur Bindung mit Gott, unserem Vater. Nun möchte ich den zweiten Aspekt der Gemeinschaft der Heiligen beleuchten: „Unser Glaube braucht die Unterstützung der anderen“, besonders in schwierigen Momenten. Wenn wir vereint sind, wird unser Glaube stark. Wie schön ist es, einander im wunderbaren Abenteuer des Glaubens eine Stütze zu sein! Ich sage dies, weil die Tendenz, sich im Privaten zu verschließen, auch den Bereich des Religiösen beeinflusst hat, sodass man sich oftmals schwer tut, um die geistliche Hilfe derer zu bitten, die die christliche Erfahrung mit uns teilen. Wer von uns allen ist auf dem Weg des Glaubens nicht Unsicherheiten, Verirrungen oder gar Zweifeln begegnet? Wir alle, und auch ich, haben diese Erfahrung erlebt: Sie sind ein Teil des Glaubensweges, ein Teil unseres Lebens. All dies darf uns nicht verwundern, denn wir sind durch Schwachheit und Grenzen gekennzeichnete Menschen; wir alle sind schwach und haben Grenzen. Dennoch ist in diesen schwierigen Lagen das Vertrauen auf Gott durch das kindliche Gebet vonnöten. Zugleich gilt es, den Mut und die Demut zur Öffnung für die anderen Menschen finden, um Hilfe zu erbitten. Wie oft ist es uns auf diese Weise gelungen, aus dem Problem auszubrechen und zu Gott zurückzufinden! In dieser Gemeinschaft – Gemeinschaft, dieser gemeinsamen Einheit – leben wir als eine große Familie, in der alle Glieder einander helfen und einander unterstützen.

3. Kommen wir nun zu einem weiteren Aspekt: Die Gemeinschaft der Heiligen „gelangt über das irdische Leben und über den Tod hinaus und währt ewig.“ Diese Einheit unter uns gelangt auch ins Jenseits; es handelt sich um eine geistliche Einheit, die der Taufe entspringt und stärker ist als der Tod. Dank der Auferstehung Christi ist sie dazu bestimmt, im ewigen Leben zu ihrer Vollendung zu gelangen. Es existiert eine tiefe und unauslöschliche Verbindung zwischen jenen, die noch unter uns auf dieser Erde wandeln und jenen, die die Schwelle des Todes bereits überschritten haben, um in die Ewigkeit einzutreten. Alle auf der Erde lebenden Getauften, die Seelen im Fegefeuer und alle Heiligen im Paradies bilden eine vereinte große Familie. Diese Gemeinschaft zwischen Himmel und Erde wird vor allem im Gebet der Fürsprache lebendig.

Liebe Freude, wir haben diese Schönheit! Sie ist eine unserer Realitäten, von uns allen, die uns zu Brüdern macht, die wir uns auf dem Weg des Lebens begleiten und die wir uns ein anderes Mal dort oben, im Himmel, wiederfinden werden. Gehen wir diesen Weg voll Vertrauen, voll Freude. Ein Christ muss freudig sein, mit der Freude, viele getaufte Brüder und Schwestern zu haben, die mit uns gehen, und auch mit der Hilfe der Brüder und Schwestern, die diese Straße einschlagen, um in den Himmel zu gelangen, und auch mit der Hilfe der Brüder und Schwestern, die im Himmel sind und für uns zu Jesus beten. Lasst uns mit Freude auf diesem Weg vorangehen!

[Aufruf des Papstes für den Irak:]

Zum Abschluss der Audienz begrüße ich eine Delegation der irakischen Generalintendanten mit Vertretern der verschiedenen Religionsgemeinschaften als Zeichen für den Reichtum des Landes in Begleitung von Kardinal Tauran, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog. Ich lade euch zum Gebet für die teure irakische Nation ein, die bedauerlicherweise Tag für Tag tragischen Fällen von Gewalt zum Opfer. Möge sie den Weg der Versöhnung, des Friedens, der Einheit und der Stabilität finden.