Wer aufrichtigen Herzens den Frieden und das Transzendente sucht, den weist Gott nicht ab

Worte Benedikts XVI. während der Generalaudienz

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ROM, 30. November 2005 (ZENIT.org).- Wer ehrlichen Gewissens den Frieden sucht, sich für das Gemeinwohl einsetzt und einen Funken Sehnsucht nach dem Transzendenzen in sich wach hält, kann gerettet werden, auch wenn er nicht den biblischen Glauben teilt, erklärte Papst Benedikt XVI. während der Generalaudienz am heutigen Mittwoch in Rom.



Vor mehr als 23.000 Pilgern, die am Vormittag auf den Petersplatz gekommen waren, betrachtete der Heilige Vater Psalm 137, in dem einerseits das große Leid des verbannten Volkes Israel zum Ausdruck gebracht wird, andererseits aber auch die Hoffnung auf die Rettung aus der babylonischen Gefangenschaft. Die Unterdrückung, die das jüdische Volk im Jahr 586 und danach erdulden musste, bezeichnete Papst Benedikt als \"symbolische Vorwegnahme jener Vernichtungslager, in denen das jüdische Volk im gerade erst vergangenen Jahrhundert zu einer infamen Todesoperation geführt wurde, die als unauslöschlicher Schandfleck in der Menschheitsgeschichte geblieben ist. Der zweite Teil unseres Psalms ist voll sehnsüchtiger Erinnerung an das schöne Zion, die verlorene Stadt, die nichtsdestotrotz im Herzen der Verschleppten weiterlebt\", fügte er hinzu.

Der Papst bediente sich in seinen Ausführungen eines Kommentars des heiligen Augustinus (354-430), der eine neue Lesart von Psalm 137 eingeführt habe, die \"überrascht und von großer Aktualität ist: Er weiß, dass es auch unter den Bewohnern von Babylon Menschen gibt, die sich für den Frieden und das Gemeinwohl einsetzen, obwohl sie den biblischen Glauben nicht teilen und die Hoffnung auf die Ewige Stadt nicht kennen, die wir anstreben.\"

Diese Menschen besäßen allerdings \"einen Funken Sehnsucht nach dem Unbekannten, dem ganz Großen, dem Transzendenten, der wahren Erlösung. Und Augustinus sagt, dass es sogar unter den Verfolgern und Nichtgläubigen Menschen gibt, die diesen Funken besitzen, Menschen mit einer gewissen Art von Glauben und Hoffnung, je nachdem, wie es die Bedingungen, unter denen sie leben, zulassen. Mit diesem Glauben an eine unbekannte Realität sind sie tatsächlich auf dem Weg zum echten Jerusalem, zu Christus.\"

Mit einem Zitat des großen Kirchenlehrers ergänzte der Nachfolger des Apostels Petrus: \"Wenn sie sich mit reinem Gewissen in diese Aufgaben stürzen, wird Gott nicht zulassen, dass sie mit Babylon zugrunde gehen, da er sie doch vorherbestimmt hat, Bürger Jerusalems zu sein – allerdings unter der Vorraussetzung, dass sie während ihres Lebens in Babylon nicht Stolz, nicht vergänglichen Prunk und auch nicht Überheblichkeit suchen... Er [Gott] wird ihren Dienst sehen und ihnen jene andere Stadt zeigen, die sie wirklich zutiefst ersehnen und auf deren Erlangung sie all ihre Bemühungen ausrichten müssen.\"

Abschließend sagte der Heilige Vater: \"Bitten wir den Herrn, dass er in uns allen diese Sehnsucht, die Offenheit für Gott, wecken möge. Und auch darum, dass diejenigen, die Christus nicht kennen, mit seiner Liebe in Berührung kommen mögen, damit wir alle gemeinsam zur endgültigen Heimatstadt pilgern und das Licht dieser Stadt auch in unserer Zeit und in unserer Welt leuchten kann.\"