„Wer braucht Gott?“ Kardinal Schönborn antwortet auf brandaktuelle Fragen

Von Agnes-Maria Hagg

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WIEN, 6. September 2007 (ZENIT.org).- „Alles, was ich immer schon einen guten Priester direkt fragen wollte!“ Auch so könnte das Buch „Wer braucht Gott?“ von Christoph Kardinal Schönborn und ORF-Fernsehmoderatorin Barbara Stöckl heißen.



Bei dem 180-Seiten-Werk (angenehm groß gedruckt) handelt es sich um einen Anriss: Viele Themen über Leben, Glauben und Sterben unserer heutigen westlichen, oft rat- und ziellosen Gesellschaft werden angesprochen. Es geht auch um die Beziehung zwischen Politik und Kirche und aktuelle Themen wie Abtreibung und Euthanasie, Zölibat und Sexualität, Esoterik und andere spirituelle Wege, die heute reizvoll zu sein scheinen.

Wie gehe ich in der Berufswelt mit Widersprüchen zwischen den Geboten Gottes und dem, was von mir verlangt wird, um? Schuld und Sünde, Dialog mit Gott, Gebet und Vergebung – auch durch die Beichte – werden ebenfalls erörtert.

Die Fragen, die Barbara Stöckl stellt, sind die so genannten „heißen Fragen“ – jene, die fast jedem in den Sinn kommen und konkret aus dem Leben gegriffen sind. Deshalb kommt einem bei der Lektüre auch immer wieder ein Lächeln über die Lippen – aus Sympathie sowohl für Stöckl als auch für Schönborn.

Der Wiener Erzbischof antwortet oft mit Zitaten aus dem Alten und Neuen Testament; er sieht seine wichtigste Aufgabe darin, ein Hirte zu sein und das Wort Jesu zu verkünden. Deshalb muss er nicht für alles eine schlagfertige „mediengerechte“ Antwort parat haben.

Gegen Ende des Buches ist die Rede von einer Wunschliste der Jugendlichen, die Stöckl die „suchende Generation“ nennt. Einer der angeführten Wünsche ist mehr Gemütlichkeit und Wärme in der Kirche. Kardinal Schönborn antwortet darauf, indem er die jungen Menschen zwischen 15 und 35 dazu einlädt, das Kindsein abzulegen und selbst aktiv etwas dafür zu tun, damit es in unseren Kirchen „wärmer“ wird.

Die Antworten ermutigen den Leser, selbst so manche Antwort zu finden. Sie fordern dazu auf, Schuld und Mühen nicht immer auf andere in der Kirche abzuschieben, sich nicht über ihre Menschlichkeit zu beklagen... Wir sind doch alle Menschen auf Pilgerschaft, wie Schönborn mehrmals wiederholt.

Mir hat das Buch Lust gemacht mal, wieder beichten zu gehen, und mich im Bewusstsein gestärkt, dass man Teil der Kirche ist, auch wenn man nicht alles perfekt macht. Wichtig ist, danach zu streben und sich durchaus aus fröhlich, aber gewissenhaft mit den Glaubensfragen auseinanderzusetzen.

Kardinal Schönborn ist offen für Erneuerungen in der Kirche, aber nur wenn die Kirche ganz sie selbst bleibt. Und es ist sehr einleuchtend, dass genau das eine ihrer wichtigsten Aufgaben in unserer Zeit ist – in einer Welt, in der wir uns alle schwer entscheiden können, weil es ja so viel gibt.

[Christoph Schönborn, Barbara Stöckl: „Wer braucht Gott?“, Salzburg 2007, Ecowin Verlag, 188 Seiten, ISBN 978-3-902404-33-6, EUR 19,95]