Wer die Erinnerung an Gott nicht kultiviert, entmenschlicht

Gestrige Papstmesse mit den Katecheten

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 356 klicks

Ein Katechet sei jemand, der in den anderen die „Erinnerung an Gott“ wach rufe und nähre. Ohne diese Erinnerung riskiere der Mensch, innerlich leer zu werden und dem Reichen des Evangeliums zu ähneln, der nur an sich selbst denken kann. Papst Franziskus richtete diese Worte an die gestern auf dem Petersplatz versammelten Katecheten, die sich dort anlässlich des Internationalen Katechetischen Kongresses eingefunden hatten.

Die Betrachtungen des Papstes gehen auf einige der während der Tagespredigten in der vergangenen Woche geäußerten Überlegungen ein: Was geschieht mit einem Christen, der nur auf sein eigenes Wohlbefinden konzentriert ist? Indem er den Propheten Amos zitierte, sagte er: „Wehe dem, der isst, trinkt, singt und sich vergnügt, ohne sich um die Probleme der anderen zu scheren!“ Dies seien Menschen, die am Abgrund zur Unmenschlichkeit stünden.

„Wenn Dinge wie Geld, Weltlichkeit zum Zentrum unseres Lebens werden, besitzen sie uns, und wir verlieren unsere menschliche Identität. Schaut genau hin; der Reiche im Evangelium hat keinen Namen, er ist nur der Reiche. Die Dinge, die er besitzt, sind sein Gesicht, er hat nichts anderes.“

Diese unpersönlichen Geschöpfe hätten sich die Menschlichkeit von den Dingen nehmen lassen, die sie besäßen, sie hätten ein allgemeines Defizit, sie hätten die „Erinnerung an Gott“ verloren, so der Papst.

„Wenn die Erinnerung an Gott fehlt, verflacht alles, alles betrifft das Ich, mein Wohlbefinden. Das Leben, die Welt, die anderen verlieren ihre Konsistenz, sie zählen nichts mehr, alles reduziert sich auf eine Dimension: das Haben. Wenn wir die Erinnerung an Gott verlieren, verlieren auch wir an Konsistenz; auch wir leeren uns, verlieren unser Gesicht, wie der Reiche im Evangelium. Wer hinter dem Nichts herläuft, wird selbst zum Nichts, wie der Prophet Jeremias sagt. Wir sind nach dem Antlitz und der Ähnlichkeit Gottes geschaffen und nicht nach dem Antlitz und der Ähnlichkeit von Dingen, von Götzen!“

Zwischen diesen Kontrasten zeichne sich die Figur des Katecheten als diejenige ab, die die Erinnerung an Gott schütze und nähre, da sie sich von ihr leiten lasse und sie somit in den anderen wecke. Papst Franziskus führte in diesem Zusammenhang das Beispiel Marias an, die, nachdem sie die Verkündigung des Engels vernommen habe, nicht an das Prestige denke, sondern ihrer Cousine Elisabeth helfe und an das Handeln Gottes in ihrem Leben erinnere.

„Der Katechet ist ein Christ, der diese Erinnerung an die Verkündigung bereitstellt; nicht um sich darzustellen, nicht um über sich zu reden, sondern um von Gott zu reden, über seine Liebe, seine Treue. Um von all dem zu sprechen und es zu vermitteln, was Gott enthüllt hat, die Doktrin der Totalität, ohne etwas auszulassen, noch hinzuzufügen.“

Was sei der Katechismus, wenn nicht Erinnerung an Gott, so der Pontifex weiter, Erinnerung an sein Handeln in der Geschichte, sein sich uns Nähern in Christus. Die Identität des Katecheten bestehe in der Antithese zu dem Reichen des Evangeliums.

„Der Katechet ist ein Mensch der Erinnerung an Gott, wenn er einen konstanten, lebendigen Austausch mit ihm hat; wenn er ein Mensch des Glaubens ist, der sich Gott anvertraut und aus ihm seine Sicherheit zieht; wenn er ein Mensch der Barmherzigkeit ist, der Liebe, der in allen seine Brüder sieht; wenn er ein Mensch mit Geduld ist, mit Standhaftigkeit, der mit Schwierigkeiten umzugehen weiß, mit Prüfungen, mit Misserfolgen, immer mit Unbeschwertheit und Hoffnung im Herrn; wenn er ein milder Mensch ist, fähig, zu verstehen und mitzufühlen.“

Vor der abschließenden Segnung stellte Erzbischof Rino Fisichella, Präsident des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung, Papst Franziskus die Katecheten der einzelnen Herkunftsländer vor, die beispielsweise aus dem Vietnam oder aus Haiti nach Rom gekommen waren.