Wer Gott nicht gibt, gibt zu wenig!

Hirtenbrief der österreichischen Bischöfe zum Weltmissionssonntag 2008

| 1660 klicks

ROM, 20. Oktober 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen den Hirtenbrief, den die österreichischen Bischöfe zum gestrigen Weltmissionssonntag verfasst haben.

Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn, Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, zitierte am „Sonntag der Weltkirche“, wie der Weltmissionssonntag auch genannt wird, beim Festgottesdienst im Wiener Stephansdom einige Passagen aus dem Dokument und bekräftigte, worum es bei Mission und jeder karitativen Tätigkeit im Sinne Christi vor allem gehe: „Wer Gott nicht gibt, gibt zu wenig!“

* * *

Wir, die Erzbischöfe und Bischöfe in Österreich, freuen uns, dass die Päpstlichen Missionswerke den Missionsauftrag der Kirche wach halten und fördern. Die Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch. Jede und jeder Getaufte, jede Familie, jede Gemeinschaft und jede Pfarre ist von Christus beauftragt (Mt 28,19), sich aufzumachen, Grenzen zu überschreiten und Zeugnis abzulegen von der erlösenden Liebe Gottes.

Am heutigen Weltmissions-Sonntag wollen wir, ausgehend vom Wort Jesu im Evangelium, „Gott geben, was Gott gehört“ (vgl. Mt 22,21) einen Aspekt der Mission betrachten, der sowohl hier in Österreich, als auch weltweit von zentraler und aktueller Bedeutung ist: „Wer Gott nicht gibt, gibt zu wenig!“

Eine Ordensschwester bringt es auf den Punkt. Sie erzählt uns: „Ein betrunkener Obdachloser war zur Armenausspeisung unserer Schwesterngemeinschaft zu spät gekommen. Er stand fluchend vor der geschlossenen Klosterpforte und schrie seinen Groll jedem Passanten lautstark nach, gleichgültig ob dieser es hören wollte oder nicht. Er wolle nichts von Gott wissen, sondern sein warmes Essen haben, sagte der Mann. Auch zwei gerade heimkehrende Schwestern wurden mit besonderer Wut und einer Hand voll kleiner Steine empfangen. Nach ein paar Minuten erschien eine der Schwestern wieder vor der Klostertür und brachte dem noch immer fluchenden Mann einen Teller heißer Suppe. Die Hauptspeise müsse sie noch frisch zubereiten, aber sie würde sie gleich bringen. Mit dem Ausruf, er esse keine Suppe, leerte der Obdachlose den heißen Teller Suppe auf die weiße Ordenstracht der Schwester. Als wäre nichts geschehen, brachte diese nach einigen Minuten die Hauptspeise und anschließend noch ein Stück Torte. Der Mann aß nachdenklich seinen Teller leer, während die Schwester eine offene Wunde an seinem Bein verband. Nach längerem Schweigen wandte sich der Mann mit Tränen in den Augen an die Schwester und sagte: ‚Schwester, jetzt können sie mir etwas über ihren Gott erzählen.’“

Diese Geschichte zeigt uns, dass wir nicht nur Materielles, sondern auch die Liebe Gottes geben müssen, um die Sehnsucht nach Gott zu wecken. Nur wenn wir beides geben, geben wir genug. Denn: „Wer Gott nicht gibt, gibt zu wenig!“

Wir alle haben in den letzten Jahrzehnten einen wirtschaftlichen Fortschritt erlebt und gefördert. Die Lebensbedingungen haben sich verändert, der Mensch hat sich verändert. Die eigentliche Frage aber lautet: Haben wir auch die Liebe Gottes gegeben, haben wir einen Fortschritt der Liebe erzielt?

Ein wirklicher Fortschritt ist nur dann gegeben, wenn wir im Antlitz der Armen und Hilflosen, der Kranken und Verfolgten, der Ungeborenen und der Alten, ja, in uns selbst das Ebenbild Gottes erkennen. Die Münze mit dem Bild des Kaisers gehört dem Kaiser. Wir sind Gottes Eben- bild! Geben wir Gott, was Gott gehört: unsere Aufmerksamkeit, unsere Liebe, unsere Hoffnung, uns selbst.

Damit die Ärmsten der Armen weltweit von ihrer Würde als Kinder Gottes erfahren und diese bewahren können, entsendet die Kirche Frauen und Männer, Ordensleute, Katechisten und Priester in alle Welt. Wir bitten euch, liebe Schwestern und Brüder im Herrn, diese Sendung der Kirche durch treues Gebet und einen großherzigen finanziellen Beitrag am heutigen Weltmissions-Sonntag zu unterstützen.

Im Paulusjahr danken wir dafür von Herzen mit den Worten aus der heutigen Lesung: „Wir danken Gott für euch alle, sooft wir in unseren Gebeten an Euch denken, unablässig erinnern wir uns an das Werk eueres Glaubens, an die Opferbereitschaft eurer Liebe und an die Standhaftigkeit eurer Hoffnung auf Jesus Christus (1 Thess 1, 2-3).“

Ganz besonders danken wir auch den vielen österreichischen Missionarinnen und Missionaren, Ordensleuten und Laien, die ihr Leben ganz in den Dienst der Verkündigung der Frohen Botschaft und der aktiven Nächstenliebe stellen.

Dankbar freuen wir uns auch über die immer größer werdende Zahl von Jugendlichen, die unentgeltlich eine bestimmte Zeit ihres Lebens in den Dienst der Menschen in den Ländern des Südens stellen. Die heutige „Sammlung zum Weltmissions-Sonntag“ wird in allen Diözesen der Welt durchgeführt. Unser Beitrag kommt den 1.100 ärmsten Diözesen der Welt zugute, damit diese ihren Einsatz für die Ärmsten der Armen an Leib und Seele leisten können. Denn: „Wer Gott nicht gibt, gibt zu wenig!“

Mit der Bitte um die mütterliche Fürsprache Mariens für uns alle erteilen wir Ihnen und denen, mit denen Sie verbunden sind, den bischöflichen Segen.

Die Erzbischöfe und Bischöfe Österreichs

[Von der Österreichischen Bischofskonferenz veröffentlichtes Original]