Wer ist Papst Franziskus?

Der erste Südamerikaner, der erste Jesuit auf dem Stuhl Petri

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 1438 klicks

Gestern abend um 20.12 Uhr trat der neu gewählte Papst Franziskus in weißer Soutane und mit einem schlichten Brustkreuz zum ersten Mal an die Öffentlichkeit. Scherzend erklärte er, dass seine Kardinalskollegen einen Papst, der vom Ende der Welt komme, gewählt hätten. Mit einem einfachen „Guten Abend“ begrüßte er die auf dem Petersplatz zu Tausenden versammelten Gläubigen und die Gläubigen in der ganzen Welt. Nachdem er zunächst ein „Vater unser“ und ein „Ave Maria“ für Benedikt XVI. gebetet hatte, bat er die Gläubigen darum, für ihn zu beten. Tief verneigte er sich anschließend auf der Benediktionsloggia. Danach erteilte Papst Franziskus, der sich als Bischof von Rom bezeichnete, den Segen „Urbi et orbi“. Besonders betonte der erste Papst aus Lateinamerika in seiner kurzen Begrüßungsansprache den Aspekt der Brüderlichkeit und des Gebets füreinander.

Doch wer ist Papst Franziskus?

Bis zu seiner Wahl zum 266. Nachfolger auf den Stuhl Petri war Kardinal Jorge Bergoglio Erzbischof von Buenos Aires. Der am 17. Dezember 1936 in Buenos Aires geborene Bergoglio ist Sohn italienischer Einwanderer. 1958 trat er in den Jesuitenorden ein. An der Theologischen Fakultät des Colegio Máximo San José in San Miguel studierte Bergoglio Theologie und Philosophie. Er empfing am 13. Dezember 1969 das Sakrament der Priesterweihe. In San Miguel war er auch als Novizenmeister tätig und unterrichtete Theologie. Von 1973 bis 1979 war Bergoglio Provinzial in Argentinien. In den folgenden Jahren, von 1980 bis 1986, war er Rektor der Philosophischen und Theologischen Fakultät von San Miguel. Sein Theologiestudium schloß Bergoglio 1986 mit einer Dissertation in Deutschland ab. In Córdoba war er als Beichtvater und geistlicher Leiter tätig.

Am 20. Mai 1992 wurde er vom seligen Johannes Paul II. zum Titularbischof von Auca und zum Weihbischof von Buenos Aires erhoben. Seine Weihe erfolgte am 27. Juni desselben Jahres. Fünf Jahre später, am 3. Juni 1997, wurde er Koadjutorerzbischof von Buenos Aires. Am 28. Februar 1998 trat Bergoglio die Nachfolge Antonio Kardinal Quarracinos an. Der selige Johannes Paul II. hatte ihn im Konsistorium vom 21. Februar zum Kardinal mit der Titelkirche San Roberto Bellarmino in Rom ernannt. Bergoglio ist Bischof der Gläubigen des orientalischen Ritus in Argentinien.

Vom 8. November 2005 bis zum 8. November 2008 war er Präsident der Bischofskonferenz von Argentinien. Er ist Mitglied der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, der Kongregation für den Klerus, der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens. Bergoglio ist außerdem Mitglied des Päpstlichen Rates für die Familie und der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika.

Laut Indiskretionen soll Bergoglio bereits beim Konklave 2005 als Alternativkandidat zu Joseph Ratzinger eine beachtliche Stimmenanzahl erhalten haben. Jetzt ist er der erste Jesuit, der das Papstamt bekleidet.

Er zeichnet sich durch große pastorale Erfahrung aus, und er ist bekannt dafür, Partei für die minder bemittelten Klassen zu ergreifen und sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen. Die Situation in Buenos Aires beschrieb er mit den Worten: „Für viele ist unsere Stadt wie ein Fleischwolf, der sie zerfleischt, weil er ihr Leben zerstört, sie ihres freien Willens beraubt und den Menschen die Freiheit nimmt. … Wir können angesichts all dessen nicht stumm bleiben." 

Bergoglio hat sich in der Vergangenheit deutlich für den Kampf gegen die Korruption und die Mafia ausgesprochen, gegen den Drogen- und Menschenhandel und gegen die Prostitution sowie für den Schutz und die Würde des Lebens.

Von der Benediktionsloggia aus sprach Papst Franziskus gestern abend während seines ersten päpstlichen Segens ermutigend zu den Gläubigen: „Und jetzt beginnen wir diesen Weg  Bischof und Volk , den Weg der Kirche von Rom, die den Vorsitz in der Liebe führt gegenüber allen Kirchen; einen Weg der Brüderlichkeit, der Liebe, des gegenseitigen Vertrauens. Beten wir immer füreinander. Beten wir für die ganze Welt, damit ein großes Miteinander herrsche. Ich wünsche euch, dass dieser Weg als Kirche, den wir heute beginnen und bei dem mir mein Kardinalvikar, der hier anwesend ist, helfen wird, fruchtbar sei für die Evangelisierung dieser schönen Stadt.“