Wer ist Satan wirklich?

Beitrag von Pater Gabriele Amorth während des Umbria International Film Festes

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Von Luca Marcolivio

TERNI, 25. November 2011 (ZENIT.org) - Wer ist der Teufel? Was ist sein echter Name? Wie mächtig ist er? Auf welche Art offenbart sich sein zerstörerisches Werk im Leben der Menschen?

Diese und ähnliche Fragen beantwortete Pater Gabriele Amorth, der berühmteste italienische Exorzist, in einem Video-Interview, das gestern Abend während des „Umbria International Film Festes“kurz vor der Filmvorführung von „Der Ritus“von MikaelHåfström, ein Film, der von exorzistischen Praktikenhandelt, übertragen wurde.

Der Teufel, erklärte Pater Amorth, sei zuallererst ein reiner Geist, der von Gott als Engel geschaffen wurde. Genau wie die Menschen wurden auch die Engel auf eine Probe des Gehorsams gestellt, der sich Satan, der herrlichste aller himmlischen Geister, widersetzte.

Satan sei damit der erste Teufel der biblischen Geschichte und zudem der mächtigste von allen. Analog zum Paradies, wo es verschiedene Kategorien von Seligen und Engeln gibt, existiere auch in der Hölle eine Hierarchie. Doch während das Reich Gottes von Liebe beherrscht  werde, regiere im Reich Satans der Hass. Die Dämonen hassten einander und ihre Hierarchie fuße auf Furcht und Schrecken, so Pater Amorth.

„Eines Tages war ich dabei“, erzählte der Exorzist, „eine besessene Person von einem Dämon, der nicht einmal zu den stärksten zählt, zu befreien. Warum verschwindest du nicht?, fragte ich ihn. „Wenn ich gehe, bestraft mich Satan“, antwortete er. Der Sinn und Zweck der Existenz von Dämonen sei es, die Menschen zur Sünde zu verleiten und sie in die Hölle zu führen, erläuterte Amorth.

Was ist es also, das den Menschen zu einem solch rasenden Werk der Selbstzerstörung und der Verdammnis antreibt? Laut Pater Amorth sei der Mensch immer von Neugier getrieben, eine Veranlagung, die je nach Situation sowohl positiv als auch negativ sein könne.

Der größte Trumpf des Teufelsbestehe darin, dass er immer im Verborgenen bleibe. Was er sich am meisten wünsche, sei, dass man glaube, es gäbe ihn gar nicht. Er studiere jeden einzelnen von uns und unsere Neigungen zu Gut und Böse, und führe uns dann, unsere Schwächen ausnutzend, in Versuchung.

Letztlich sei das gegenwärtige Zeitalter davon geprägt, dass die Figur des Teufels teils oder gänzlich dem Vergessen anheim gefallen sei, und dieser somit seinen größten Erfolg feiere. Wenn die Menschheit den Sinn für die Sünde verliere, setze sich nahezu automatisch die Idee durch, dass z. B. Abtreibung und Scheidung als Errungenschaften der Zivilisation und nicht als Todsünden gelten, bemerkte Amorth.

Es sei klar, dass sich der Teufel hinter Praktiken wie Okkultismus und Magie verberge, wo er sich erneut unsere Neugier zu Nutzen mache. Wer zum Beispiel seine Zukunft kennen oder mit den Toten sprechen will, komme - wenn auch unbeabsichtigt - dem Teufel entgegen.

Pater Amorth lässt nicht einmal Harry Potter durchgehen: Das literarische und filmische Idol vieler Kinder auf der ganzen Welt mache in Wirklichkeit laut Aussage des Exorzisten Werbung für Magie, obgleich die Bücher selbst in katholischen Buchhandlungen verkauft werden.

Als gefährlich und heimtückisch bezeichnet Amorth auch die asiatischen, scheinbar harmlosen Praktiken wie Yoga: Man glaube, man tue dies zum Zwecke der Entspannung, doch in Wirklichkeit führe es zum Hinduismus, so der Exorzist. Alle östlichen Religionen basierten auf dem Irrglauben der Reinkarnation.

Auf die Frage, ob Satan eher die Seelen der Atheisten oder der Gläubigen quäle, antwortete Pater Amorth, dass die heidnische Welt anfälliger für den Teufel sei als die christliche oder gläubige Welt, allerdings sei es unwahrscheinlicher, dass ein Atheist einen Priester aufsuche.

Amorth, der den Exorzismus auch auf Moslems und Hinduisten angewandt hat, verdeutlichte  Folgendes: „Wenn ein Atheist zu mir käme, würde ich mir sagen, dass ich ja trotzdem im Namen Jesu Christi handle und ihm würde ich raten, sich darüber zu informieren, wer Christus ist.“

Ein merkwürdiger und nicht ganz nebensächlicher Aspekt des Exorzismus hänge mit den Namen der Dämonen zusammen. „Das erste, was ich den Besessenen frage, ist, wie er heißt“, erklärte Pater Amorth. „Antwortet er mit seinem richtigen Namen, ist dies für den Dämon bereits eine Niederlage: Er ist gezwungen, die Wahrheit zu sagen und ans Licht zu kommen“.

Andernfalls werde der Teufel von Mal zu Mal mit einem anderen Namen antworten. Die Dämonen besitzen in Wirklichkeit - wie auch die Engel - keinen Namen, erklärte Amorth, doch  verwende man auch alberne Namen wie „Isbò“: Dies war ein Dämon, der auf einen albernen Namen hörte, jedoch besaß er so große Macht, dass er einen Exorzisten und einen Bischof zu töten vermochte.

Pater Amorth machte deutlich, dass eine besessene Person nicht unbedingt eine Todsünde begeht, denn Satan kann den Körper, aber nicht die Seele besitzen; er warnte, dass der Teufel nicht nur Besitz ergreife, sondern auch mit Qual, Besessenheit und Heimsuchung agiere (letztere treffe nach der Überlieferung eher auf Orte oder Gebäude zu).

An okkulte Bräuche gebundene Hexereien (Böser Blick, Voodoo, Macumba, Verwünschungen usw.) seien sehr seltene Fällen, äußerte der Exorzist.

Wer bete und sich immerzu Gott anvertraue, müsse keine Angst vor dem Teufel haben. Im Übrigen, so Pater Amorth, habe er sich während der Exorzismen niemals vor dem Teufel gefürchtet. Manchmal, räumte er ein, habe er Angst gehabt, den Besessenen körperlich zu verletzen; es sei beispielsweise riskant, einen herzkranken Menschen zu exorzieren.

Amorth bestätigte am Ende des Interviews, dass viele Menschen tatsächlich ihre Seele an den Teufel verkauften, fügte aber mit ironischem Unterton hinzu, dass er schon viele Pakte verbrannt habe.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals von Sabrina Toto]