Wer sich beklagt, ist kein guter Christ

Papst Franziskus ermutigt in Predigt in Santa Marta, sich bei Schwierigkeiten in Geduld zu üben, einer Tugend, die jung halte

Rom, (ZENIT.org) Luca Marcolivio | 514 klicks

Immer freudig, auch in Notzeiten und bei Schwierigkeiten, sei das Verhalten, das Christen in allen Lebenslagen an den Tag legen müssten. So sprach Papst Franziskus während der Predigt gestern vormittag in der Kapelle der Residenza Santa Marta, wo der Papst mit den Kardinälen Angelo Comastri und Jorge María Mejía in Anwesenheit einer Gruppe Mitarbeiter der Fabbrica di San Pietro die Messe feierte.

Der Heilige Vater nahm als Ausgangspunkt die Erste Lesung des heutigen Tages (Apg16,22-34) und hob das Verhalten von Paulus und Silas hervor, die trotz Verfolgung und Gefangenschaft stets heiter und freudig gewesen und Jesus auf seinem Passionsweg gefolgt seien.

Der Weg der „Geduld“ sei „der Weg, den Jesus lehrt“, bekräftigte der Papst. Geduld zu üben, bedeute keineswegs, „traurig zu sein“, als „zu ertragen, die Last der Probleme auf den Schultern zu tragen, die Last der Widrigkeiten und der Not“.

Das griechische Wort „Hypomoné“, erklärte Franziskus, stelle umfassend das Konzept dar: „das Ertragen der alltäglichen Mühe im Leben, seien es Widrigkeiten, seien es Notsituationen.“ Wie Jesus gelinge es Paulus und Silas, das Leid zu ertragen. Das ist es, was der Papst als eine „christliche Reifeentwicklung durch den Weg der Geduld“ definierte, die sich nicht „von einem Tag auf den anderen“ vollziehe, sondern „während des gesamten Lebens.“

Auch viele Märtyrer jüngerer Zeit hätten ihre Freude im Moment der Hinrichtung zu zeigen gewusst, wie zum Beispiel die Märtyrer von Nagasaki, die sich gegenseitig in Erwartung des Todes geholfen hätten. Andere seien zum Martyrium gegangen, als ob es sich um eine „Hochzeit“ handelte.

Das seien nicht, wie der Heilige Vater bemerkte, Verhaltensweisen außerordentlich heldenhafter Menschen, sondern das „normale Verhalten eines Christen“, der nicht „Masochist“ sei, sondern zum „Weg Jesu“ führe.

Schwierigkeiten seien häufig Quell der Versuchungen, angefangen mit den Beschwerden: ein Christ, der sich fortwährend beklage, „höre auf, ein guter Christ zu sein“.

Das gegenteilige – und tugendhafte – Verhalten sei jenes, „schweigend zu ertragen“ und „sich schweigend in Geduld zu üben“: So verhalte sich Jesus, der, am Kreuz sterbend, nicht mehr als „zwei oder drei notwendige Worte“ von sich gebe.

Wenn man sein Kreuz trage, könne das Schweigen auch „sehr schmerzhaft“ sein, aber niemals „traurig“, weil „das Herz in Frieden ist.“ Der Weg zur Geduld und zum gefassten Ertragen des Schmerzes „lässt uns den christlichen Frieden vertiefen, lässt uns stark in Jesus werden“, fügte der Papst hinzu.

Die Geduld, fuhr der Papst fort, „erneuert unsere Jugend und lässt uns verjüngen“. Das sei an an alten Menschen erkennbar, die „viel in ihrem Leben ertragen haben“: Sie „besitzen einen jugendlichen Geist und eine widergeschenkte Jugend“, „ihre Augen sind die Augen junger Menschen.“

Die Haltung der Duldsamkeit beziehe sich nicht allein auf die Widrigkeiten des Lebens, sondern auch auf das „gegenseitige Ertragen“, auf das gegenseitige Ertragen der Fehler des anderen. „Wir müssen das mit Mitgefühl und Liebe tun“, erklärte Franziskus, „weil ich, wenn ich dich ertragen muss, sicher bin, dass du mich erträgst, und so gehen wir gemeinsam den Weg Jesu.“

Abschließend bat der Papst den Herrn für alle Christen „um die Gnade dieser christlichen Duldsamkeit, die uns Frieden schenkt“ und die „uns immer jünger“ werden lässt „wie guten Wein“.